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Eintracht-Gegner Union Berlin: Köpenicker Kunstwerk

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Von: Daniel Schmitt

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Erfolgsgarant and er Alten Försterei: Urs Fischer.
Erfolgsgarant and er Alten Försterei: Urs Fischer. © Hendrik Schmidt/dpa

Tabellenführer Union Berlin verteidigt konsequent und hart, schießt aber auch viele Tore.

Christian Streich, der Bundesligatrainer mit der aktuell längsten Verweildauer bei einem Klub, dem SC Freiburg, hat dann einen Gegner gefunden, der ihm so gar nicht behagt, auf den er ungern trifft mit seiner Mannschaft, gegen den es „brutal“ sei zu spielen. Nicht Bayern. Nicht Dortmund. Nicht Leipzig. Union!

Die Berliner, mit 17 Punkten nach sieben Spieltagen so gut wie noch nie in ihrer Vereinsgeschichte gestartet und daher auch Tabellenführer, machen das aus Sicht des Freiburger Urgesteins schlicht „perfekt“, wie Streich unlängst im Podcast der Kroos-Brüder Toni und Felix sagte: „Eine wahnsinnige Struktur.“ In der Tat holt der FC Union aus seinen recht begrenzten Mitteln derzeit das Maximum heraus. Das Team von Trainer Urs Fischer legt im Schnitt die meisten Kilometer pro Partie zurück (118), führt die meisten Zweikämpfe (111), kassiert die wenigsten Gegentore (4), ist als einzige Bundesligamannschaft ungeschlagen. Gegen die, sagt Streich, „findest du einfach keine Räume.“

Becker wie ein Gepard

Die Berliner begegnen ihren Kontrahenten, an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) die Frankfurter Eintracht, stets identisch: Das 5-3-2-System wirkt nahezu perfekt einstudiert, kein Profi schert aus der Staffelung aus, alle halten sich exakt an die Richtlinien des Trainers. Das mag mitunter zu langweiligem Ballgeschiebe führen, vor allem auf Seiten der ratlosen Gegner, gibt der Berliner Truppe aber die nötige Sicherheit, um in den entscheidenden Momenten hochkonzentriert zuzuschnappen und eilig umzuschalten. „Das Teamdenken ist eine unserer großen Stärken“, sagt Urs Fischer, der seinen Vertrag unter der Woche verlängerte. Das Kollektiv stehe über dem Einzelnen. Anders wäre ein derartig Erfolg beim FC Union kaum möglich.

Erstaunlich ist allemal, wie es dem Klub aus Köpenick Saison für Saison gelingt, die Abgänge der besten Spieler – etwa vergangenen Winter Max Kruse (VfL Wolfsburg) sowie im Sommer Grischa Prömel (TSG Hoffenheim) und Taiwo Awoniyi (Nottingham Forest) - zu kompensieren, ja sogar noch erfolgreicher zu werden.

Bestes Beispiel: Geraldo Becker. Der fähigsten Individualist im Kollektiv funktioniert nur deshalb so prächtig, weil er fleißig für die Mannschaft arbeitet. Das zahlt sich aus. Sechs Tore und vier Vorlagen steuerte der einstmals bereits als gescheitert geltenden Angreifer in nur sieben Partien bei. Im August wurde er von der Liga zum Spieler des Monats gekürt, völlig verdient. Becker, in Amsterdam geboren, bei Ajax fußballerisch ausgebildet und 2019 ablösefrei von ADO Den Haag nach Berlin gewechselt, beeindruckt mit Kaltschnäuzigkeit und Spitzengeschwindigkeit. Sage und schreibe 35,97 km/h erreichte der Mann aus Surinam bei einem seiner Sprints, kein anderer Profi in der Bundesliga war bisher schneller. „Sheraldo befindet sich im Flow. Ich glaube aber auch, dass er sich nicht zu schade ist, defensiv zu arbeiten, weil er gemerkt hat, dass er dann oft auch in einer gute Position ist, wenn mit dem Ball umgeschaltet werden kann“, sagt Trainer Fischer, der „Sheraldissimo“, wie der Boulevard den Aufsteiger der Saison bereits taufte, mit Jordan Siebatcheu ein ideales Pendant an die Seite stellte. Der 1,90-Meter-Mann, aus Bern verpflichtet, traf ebenfalls schon dreimal. Das erfolgreichste Sturmduo der Liga in einer Mannschaft, der es ausgerechnet in erster Linie ums Verteidigen geht. Klingt komisch, ist aber so.

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