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Eintracht: Ehre für Trapp beim Ballon d’Or - doch es hätte sogar mehr sein können

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Von: Ingo Durstewitz

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Kevin Trapp und seine Verlobte Izabel Goulard.
Kevin Trapp und seine Verlobte Izabel Goulard. © afp

Karim Benzema gewinnt verdient den Ballon d’Or. Bei den Torhütern taucht Frankfurts Kevin Trapp in der Liste auf - er hätte durchaus noch weiter vorne stehen können. Ein Kommentar.

Frankfurt - Ein Jahr ist es doch schon wieder her, da schrie zumindest ein Teil der Fußballwelt empört auf: „Skandal!“ Damals ging der prestigeträchtige Ballon d’Or an den ewigen Lionel Messi und nicht an Robert Lewandowski, der alle Torrekorde pulverisiert hatte. Messi, einer der Besten aller Zeiten, war seinerzeit in Paris so ein bisschen für sein Lebenswerk geehrt worden, was sich der kleine Kerl verdient hatte, aber zu Verdruss bei Lewandowski führte, der zweifelsfrei ebenso ein würdiger Preisträger gewesen wäre. Aber es kann halt nur Einen geben.

Eintracht Frankfurt: Trapp wird Sechster beim Ballon d’Or

Das ist in diesem Jahr Karim Benzema, der Knipser von Real Madrid, und an seiner Wahl gab es nicht mal den My eines Zweifels. Selten hat es einen gegeben, der diese Auszeichnung so sehr verdient hat. Benzema hat viele Tore geschossen, verdammt viele, die meisten in Spanien (32) und in der Champions League (15). Vor allem aber hat der französische Nationalstürmer die entscheidenden Treffer erzielt, allein zehn in der K.o.-Phase der Königsklasse: Dreierpack gegen Paris, Dreierpack gegen Chelsea, Doppelpack gegen City – immer dann, wenn Real hoffnungslos hinten lag, das Aus dicht vor Augen, immer dann kam Benzema und drehte Spiele um, die scheinbar nicht umzudrehen waren. Er hat Madrid im Alleingang zum Champions-League-Titel geschossen.

Ja, Karim Benzema hat sich diesen Titel verdient, und trotzdem ist auch er für sein Lebenswerk geehrt worden, denn lange schien er unvollendet, im Schatten von Cristiano Ronaldo sowieso. Erst als dieser Real verließ, blühte er so richtig auf. Tore freilich hat er schon immer en masse geschossen, weit mehr als 400 und damit mehr als jeder andere Franzose, mehr als Thierry Henry und mehr als der unerreichte Zinedine Zidane, sein großes Idol. Aus dessen Händen übernahm er im Théâtre du Châtelet die Trophäe. Kitschig-schön.

Eintracht Frankfurt: Keine Chance bei Wahl als beste Mannschaft

So logisch die Kür des Real-Stars ist, so absurd ist die Ernennung von Manchester City zur besten Mannschaft, vor Liverpool – und vor Madrid. Zur Erinnerung: Real ist Meister, König der Könige und Supercup-Champ. Und dann Platz drei? Grotesk. Das liegt aber nicht an einem skandalösen Urteil, sondern an abwegigen Regeln. Als bestes Team wird nämlich die Mannschaft ausgezeichnet, deren Spieler am häufigsten in den Ballon-d’Or-Shortlist auftauchen. Und da hatte City die Nase vorn. Grober Unfug, dieses Reglement.

Dadurch ist es auch einer Mannschaft wie jener von Eintracht Frankfurt gar nicht möglich, einen Platz auf dem Treppchen zu ergattern – obwohl die Hessen mit Haltung, Mentalität und Begeisterung die internationalen Städte gerockt, einen Triumphzug durch Europa gestartet und den Titel geholt haben. Und genauso unverständlich ist, dass ihr Torwart Kevin Trapp, der eine grandiose Saison spielte und die Europa League fast im Alleingang gewann, bei der Wahl der Torhüter auf Rang sechs einläuft. Dass der formidable Real-Keeper Thibaut Courtois den ersten Preis absahnt, steht völlig außer Frage, aber etwas mehr hätte es für Trapp nicht nur sein können, sondern sein müssen. Offenbar nicht groß genug sein aktueller Verein aus dem Herzen Europas. (Ingo Durstewitz)

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