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Bald geht es wieder aufs internationale Parkett: Frankfurt freut sich auf Europa, Europa freut sich auf die Eintracht.
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Bald geht es wieder aufs internationale Parkett: Frankfurt freut sich auf Europa, Europa freut sich auf die Eintracht.

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Eintracht Frankfurt in der Champions League: Warum eigentlich nicht?

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Die Eintracht muss weiter ihre eigenen Grenzen verschieben, um der Spitze näherzukommen. Viele Fehler darf man sich nicht erlauben.

Frankfurt - Nachdem Eintracht Frankfurt ausgerechnet beim Schlussspurt im Rennen um die Königsklasse ins Straucheln geriet und als Krönung sogar beim tasmanischen Absteiger Schalke 04 gestolpert war, saß der Stachel der Enttäuschung bei allen mehr oder minder Betroffenen ganz schön tief drinnen im Pelz. Das erste Resumee war trotz eines fünften Platzes gleichermaßen ernüchternd wie eindeutig: Da ist eine historische Chance leichtfertig verspielt worden. Es gab nicht wenige, die im Zusatz unkten: Eine Chance, die so schnell nicht wiederkommen wird. Warum eigentlich nicht?

Zweifelsfrei hat Eintracht Frankfurt in den vergangenen Jahren „herausragend outperformed“, wie Aufsichtsratschef Philip Holzer im besten Denglisch sagt. Also die Erwartungen übertroffen, die Ressourcen bestmöglich ausgeschöpft, eben mehr herausgeholt als die Mittel eigentlich hergeben. „Dass immer wieder anzustreben, ist sicherlich eine Herausforderung“, befindet Holzer. „Das wollen wir weiter versuchen.“ Das ist ambitioniert, aber die richtige Einstellung und auch der einzige Weg, um Eintracht Frankfurt in der Spitzengruppe zu etablieren.

Eintracht Frankfurt: Kluge Entscheidungen nötig

Die Verantwortlichen müssen in den kommenden Wochen sehr viele richtige und klügere Entscheidungen als die Konkurrenz treffen, um eine Mannschaft aufs Feld schicken zu können, die den gestiegenen Ansprüchen gerecht werden kann. Genau das wird die Aufgabe der neuen Sportführung um Markus Krösche sein, genau daran wird er sich messen lassen müssen.

Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, dass der Klub schon häufiger nah dran war, den ganz großen Wurf zu landen, sprich sich für die Champions League zu qualifizieren. In drei der letzten vier Jahren spielte die Eintracht sehr lange ganz weit oben mit. 2018 unter Niko Kovac etwa grüßten die Frankfurter am 23. Spieltag noch von Rang drei, ehe sie auf der Zielgerade einbrachen – auch durch das Theater um den zu Bayern München wechselnden Trainer. Am Ende stand Platz acht, aber auch der beinahe schon epochale Pokaltriumph gegen die Bayern.

Ein Jahr später rockte die Eintracht nicht nur ganz Europa, sondern auch die Bundesliga. Bis zum 32. Spieltag stand sie auf einem Champions-League-Rang, musste dann aber sogar noch bibbern und froh sein, dass Nachbar Mainz 05 am letzten Spieltag Schützenhilfe leistete, sonst wären die Hessen nicht mal mehr Siebter geworden und gänzlich leer ausgegangen.

Damals ging das Ensemble nach furiosen, aber strapaziösen Europapokalnächten auf dem Zahnfleisch. Die insgesamt vier höchst intensiven und körperlich wie mental anspruchsvollen Begegnungen im Viertelfinale gegen Benfica Lissabon und im Halbfinale gegen den FC Chelsea waren für das Team einfach zu viel.

Und in dieser Saison ist der Einbruch auf den letzten Metern ja schon in epischer Breite diskutiert und ergründet worden – doch an der verpassten Großchance ändert auch die fundierteste Analyse nichts.

Eintracht Frankfurt: Viel fehlt nicht zur Champions League

Und doch zeigen diese Beispiele, dass nicht viel fehlt, Nuancen, das letzte Fitzelchen, vielleicht auch das letzte Quäntchen Qualität, um so eine lange Saison dann zu dem ersehnten Ende zu bringen. Auf diesem Niveau, auf dem die Luft entsprechend dünn wird, entscheiden Kleinigkeiten, auf allen Ebenen: Verletzungen, Sperren, Formtiefs, Wechselgedanken, Fitness, spielerische Klasse, mentale Stärke. Für den neuen Sportvorstand Krösche steht fest, dass die Eintracht in der abgelaufenen Runde „am Limit gespielt und ihr volles Potenzial auf den Platz gebracht“. Das reichte letztlich zu Platz fünf. Mehr als nur okay. Frankfurt freut sich auf Europa, umgekehrt gilt das wahrscheinlich auch.

Die Königsklasse ist nicht Lichtjahre weit entfernt, und je häufiger sich die Eintracht im ersten Drittel festsetzen kann, desto größer ist die Chance, sie irgendwann zu erreichen, in diese Phalanx hereinzurutschen, und sei es nur temporär. Dazu muss der Verein weiterhin seine Möglichkeiten übertreffen, also natürliche Grenzen verschieben.

Eintracht Frankfurt: Fehler verboten

Viele Fehler darf man sich nicht erlauben, und wer kontinuierlich gut arbeitet, wird irgendwann belohnt. Borussia Mönchengladbach ist das beste Beispiel. Die Elf vom Niederrhein ist nicht jedes Jahr international vertreten, aber immer im Kampf um die Plätze dabei. Seit dem Fast-Abstieg 2011, als es die Eintracht nach der Rückrunde der Schande noch erwischte und sich Gladbach in der Relegation gegen Bochum rettete, war der Klub dreimal in der Europa League und dreimal in der Champions League vertreten. Das nennt man organisches Wachstum, das nennt man Nachhaltigkeit.

Die Eintracht ist neben der Borussia (sieht man von der absoluten Spitze ab) übrigens der einzige traditionsbeladene Bundesligist, der sich ohne externe Hilfen in diese Region vorgearbeitet hat. Die Liste der Abgestürzten indes ist lang und hat in Bremen und Schalke jüngst wieder prominente Opfer gefunden.

Strukturell und wirtschaftlich steht die Eintracht an der Schwelle zur Spitze. Die Kluft zum Gipfel, den Champions-League-Dauergästen, ist freilich vorhanden. „Da klafft eine deutliche Lücke“, sagt Finanzvorstand Oliver Frankenbach. Auch eine einmalige Teilnahme am bedeutendsten Klubwettbewerb hätte nichts genutzt. „Das hätte den Abstand nicht verkürzt.“

Anderseits ist der Vorsprung zu vielen anderen Klubs üppig angewachsen, mindestens die Hälfte aller Bundesligisten liegen von ihren Bedingungen und Möglichkeiten hinter der Eintracht. Das heißt nicht automatisch, dass die Frankfurter wieder vorne mitmischen, gerade in der neuen komplizierten Saison mit anderem Führungspersonal, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein, um ein Vielfaches. (Ingo Durstewitz)

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