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Passt auf, dass ihm der Trainer nicht abhandenkommt: Bruno Hübner.

Eintracht Frankfurt

Königsklasse nur im Fernsehen

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Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner räumt mit Gerüchten um Kovac und Vallejo auf.

Der Prinz hatte sich zwei Tage lang nicht im Freien blicken lassen, er lockerte die verkrampften Muskeln im Kabinentrakt, trainierte individuell, wie es heutzutage heißt. Doch pünktlich zum Bremen-Spiel am Freitag meldet sich der Frankfurter Anführer zurück, am Mittwochmorgen trottete Kevin-Prince Boateng bei strahlendem Sonnenschein mit den Kollegen hinaus auf den Trainingsplatz, standesgemäß als letzter aller Spieler. Alles eine Frage des Timings.

Auch Trainer Niko Kovac hat es rechtzeitig zurück nach Frankfurt geschafft. Am späten Dienstagabend saß er noch in München im Fernsehstudio des Abo-Senders Sky und analysierte gemeinsam mit Lothar Matthäus das Champions-League-Spiel der Bayern bei Celtic Glasgow. Der 46-Jährige machte, wie immer, eine gute Figur, sehr souverän, ganz cool. Kovac brach via TV gleich mal eine Lanze für echte Neuner, also Mittelstürmer klassischer Prägung. „Die deutsche Nationalmannschaft spielt wieder mit einem, die Bayern haben in Robert Lewandowski einen und wir in Sebastien Haller.“ Gerade die Münchner sind ja auf der Suche nach einem Backup für Topangreifer Lewandowski, doch in Frankfurt werden sie da nicht fündig. „Wir haben keinen, der den Bayern so mir nichts, dir nichts weiterhilft“, sagte Kovac schmunzelnd. Und wenn, würden sie ihn auf die Schnelle im Winter nicht hergeben, die Frankfurter.

Genauso wenig wie ihren Trainer, denn es gibt in München durchaus Spekulationen, wonach der große FCB ein Auge auf Niko Kovac geworfen hat, um ihn nach dieser Saison für Jupp Heynckes zu installieren. Angeblich soll er auf der Bayern-Liste sogar recht weit oben stehen. Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner reagierte am Mittwoch gelassen: „Niko ist immer begehrt, das hat er sich durch gute Arbeit verdient. Aber ich glaube nicht, dass er sich damit beschäftigt.“ Erst in der vergangenen Woche hat der Kroate das Angebot ausgeschlagen, neuer Trainer der österreichischen Nationalmannschaft zu werden. „Das ist ein geiler Job. Aber er hat sofort gesagt, das kommt für mich nicht infrage“, berichtete Hübner. „Er sieht sein Projekt, seine Mission bei der Eintracht noch lange nicht als erfüllt an.“ Wenn die Bayern tatsächlich rufen würden, wäre das natürlich noch mal eine ganz andere Kategorie.

„Nicht so schnell aufgeben“

Königsklasse ist für Kovac also Zukunft, die Gegenwart ist der Bundesligaalltag – und da konnte der Trainer fast seinen gesamten Kader begrüßen. Besonders froh ist er, dass Makoto Hasebe seit Anfang der Woche wieder mitmischt. Ihm gehe es gut, befand der immer mal wieder am Knie lädierte Japaner, im Heimspiel gegen den schwer in den Seilen hängenden Gegner aus Bremen am Freitag (20.30 Uhr) könne er auf jeden Fall auflaufen.

Dann müsste einer der beiden zentralen Verteidiger, Carlos Salcedo oder Simon Falette, weichen. Wenn man die Leistung in Mainz als Maßstab nimmt, dann müsste es zwingend den Franzosen Falette erwischen, der ganz schön wackelig auftrat und  seine Abspiele mit einer beachtlichen Streuung würzte. Andererseits ist Falette der einzige Linksfuß der Innenverteidigung und auch aus diesem Grund verpflichtet worden.

Im Winter, so besagt es zumindest eine Meldung der „Sportbild“, könnte es auf diesem Sektor ohnehin qualitativen Zuwachs geben. Jesus Vallejo, so hieß es, könne womöglich von Real Madrid zur Eintracht zurückkehren. Das Abwehrjuwel hat noch kein Ligaspiel für die Königlichen bestritten und in seinem einzigen Pflichtspiel, im Pokal, sah er die Rote Karte. Er  ist nicht wirklich zufrieden. Doch Hübner räumte mit dem Gerücht auf: „Da ist überhaupt nichts dran. Diese Frage stellt sich für uns nicht.“ Zwar sei die Eintracht in gutem Kontakt mit Real und auch Vallejo selbst, doch nicht wegen einer geplanten Rückholaktion. „Jesus wollte das unbedingt probieren bei Real. Und es wäre auch nicht gut für ihn, wenn er zu schnell aufgibt.“ Vallejo wird sich also gedulden müssen.

Mehr Fußball spielen

Der Eintracht könnte er natürlich helfen, nicht nur wegen seiner Schnelligkeit und seiner exzellenten Zweikampfführung, sondern auch bei dem Bemühen, das Spiel von hinten heraus aufzuziehen. Das Aufbauspiel beschränkt sich nämlich nicht immer, aber doch oft, auf lange Schläge von hinten heraus oder auf Diagonalbälle auf die Außen. Das kann mal ein probates Mittel sein, aber nicht immer.

Spielerisch muss sich die Eintracht sowieso gewaltig steigern, gerade in Heimspielen gegen einen tief stehenden und auf Konter lauernden Kontrahenten. Die Frankfurter müssten sich auch wieder trauen, mehr Fußball anzubieten. Das ist nicht einfach. Gerade Heimteams haben es schwer, gegen Gegner der Mittel- oder Unterklasse. „Das ist kein spezifisches Problem von Eintracht Frankfurt“, führte Hübner aus. Viele Mannschaften fühlten sich auswärts wohler, weil sie dann nicht das Spiel machen müssten. So auch der SV Werder Bremen, der auswärts immerhin vier Unentschieden holte und sich nur einmal, am ersten Spieltag in Hoffenheim, geschlagen geben musste. Bei der Eintracht ist das nicht anders, sie hat elf ihrer 15 Punkte auf fremdem Terrain geholt.

Die Frankfurter treffen morgen Abend auf einen schwer angeschlagenen Konkurrenten. Die Bremer haben sich bekanntlich von ihrem Trainer Alexander Nouri getrennt und fahnden nach einem Coach, der dann den wahrscheinlich nur zu Interimszwecken kurzzeitig beförderten Florian Kohfeldt ablösen soll. Was nun auf die Hessen zukommt, lässt sich nur schwer beantworten. Denn dass der ursprünglich für die U23 verantwortliche Trainer Kohfeldt alles so belässt, wie es vorher war, gilt als relativ ausgeschlossen. Es geht ja gerade darum, neue Impulse zu setzen.

„Sie sind taktisch schwer auszurechnen“, sagte Manager Hübner. „Der Trainerwechsel hat sie unberechenbarer gemacht.“ Und Hübner räumte unumwunden ein, dass „unsere Beobachtungen durch den Trainerwechsel ein stückweit hinfällig sind“. Nichtsdestotrotz hofft er inständig auf einen Sieg. „Wir können den Abstand nach unten richtig groß werden lassen.“ Und, bei allen Unwägbarkeiten: „Klar ist, dass die Bremer verunsichert sind. Das wollen wir ausnutzen.“ Drei Tore hat Werder bisher nur erzielt, das ist ein Bundesliga-Allzeittief.

Mascarell macht Fortschritte

Die fußballerischen Probleme könnte auch ein Spieler wie Omar Mascarell beheben, der wegen einer Achillessehnenoperation so lange unpässliche Spanier macht große Fortschritte. „Er ist weiter, als wir alle gedacht haben“, sagte Hübner. Dem Zeitplan ist der defensive Mittelfeldspieler weit voraus, womöglich kann er noch in diesem Monat ins Mannschaftstraining zurückkehren. „Wir würden ihn gerne so früh wie möglich wieder dabei haben“, bekundete der Sportdirektor, schränkte aber ein: „Wir werden nichts riskieren, wir wollen auf keinen Fall, dass er einen Rückschlag erleidet.“

Einem im Sommer mal diskutierten Wechsel nach Hoffenheim schob Hübner jedenfalls einen Riegel vor: „Wir können ihn gut gebrauchen, wir planen mit ihm.“ Nicht sofort, aber doch recht bald.

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