Beliebt im Verein, dennoch ein Transferkandidat bei der Eintracht: Mijat Gacinovic.
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Beliebt im Verein, dennoch ein Transferkandidat bei der Eintracht: Mijat Gacinovic.

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Kader von Eintracht Frankfurt: Knifflige Fälle bei der Planung

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Der Kader ist zu groß, es kann gut sein, dass sich die Hessen von so manch etabliertem Profi trennen wollen. Doch auf dem durch Corona verkomplizierten Transfermarkt gestaltet sich dies schwierig.

Es ist keine Seltenheit, und das war schon ganz zu Beginn der Corona-Umklammerung so, dass die Verantwortlichen der Frankfurter Eintracht betonen, wie froh sie sind, einen intakten, gewachsenen Kader beisammen zu haben, „mit dem wir konkurrenzfähig sind und in der Bundesliga bestehen können“, wie Sportvorstand Fredi Bobic sagt. Viele Akteure sind langfristig gebunden, nur ein Spieler ist ausgeliehen, André Silva vom AC Mailand bis 2021. Verhandlungen, um den Portugiesen (Marktwert 24 Millionen Euro) mit Ante Rebic (ebenfalls 24 Millionen) zu verrechnen, werden alsbald aufgenommen. Bei allen anderen liegen die Transferrechte bei der Eintracht. Das gibt eine gewisse Sicherheit. Dem Verein, aber auch den Spielern. In diesen Zeiten ist das für die Kicker nicht unwichtig.

Denn fast alle Bundesligafunktionäre gehen mittlerweile davon aus, dass die Profis, die aktuell in keinem Angestelltenverhältnis mehr stehen und also vertragslos sind, ihre Leistungen für weniger Geld werden anbieten müssen, um überhaupt irgendwo unterschlüpfen zu können. Der Markt, glaubt Fredi Bobic, werde überschwemmt werden mit arbeitslosen Fußballern, die Schwierigkeiten haben werden, neue Betätigungsfelder zu finden – zumindest in ihrer bisher gewohnten Gehaltsstruktur. Wohl dem also, der ein längerfristiges Arbeitspapier unterschrieben hat.

Für einen Verein wie die Eintracht ist die momentane Konstellation nicht nur ein Vorteil, weil sie zwar ein stabiles Fundament, aber eben auch eine Vielzahl an Akteuren unter Vertrag hat. Mehr als für eine „normale“ Saison ohne Europapokalteilnahme notwendig sind. Zurzeit umfasst das Aufgebot 33 Spieler, darunter auch die sechs zuletzt verliehenen Profis (von denen höchstens zwei eine Perspektive in Frankfurt haben), die drei Nachwuchskräfte Nils Stendera, Fynn Otto und Jabez Makanda sowie Marijan Cavar, der noch nie eine Rolle gespielt hat. Die Eintracht wird versuchen, einige von ihnen erneut auszuleihen oder ganz abzugeben, was nicht so leicht wird. „Es ist normal, dass der eine oder andere eine neue Chance suchen wird“, glaubt aber Sportvorstand Bobic.

In jeden Fall wird den Fußballern in einem offenen Gespräch die Zukunft in Frankfurt skizziert, ob sie also eine reelle Chance haben, auf Spielzeit zu kommen oder eher nicht. Sollte sich dieser Prozess in die Länge ziehen und die Deals mit anderen Klubs stocken, könnte in Frankfurt wieder eine dieser unschönen Trainingsgruppen zwei installiert werden. Die gab es vor zwei Jahren schon einmal, damals wurden Marco Fabian, Simon Falette, Marc Stendera, Branimir Hrgota, Daichia Kamada, Marijan Cavar und Nelson Mandela zeitweise von der Mannschaft separiert. Das kam nicht gut an und wurde schnell rückgängig gemacht.

Klar ist, dass Trainer Adi Hütter nicht mit 33 Spielern die komplette Vorbereitung bestreiten wird, eher mit 24, 25. Die übrigen könnten sich dann mit dem vormaligen A-Jugendtrainer Marco Pezzaiuoli verdingen, der schon jetzt individuell mit Rückkehrer Rodrigo Zalazar gearbeitet hat.

Sorgenkind Gacinovic

Natürlich könnte es auch unpopuläre Entscheidungen und knifflige Fälle geben. Womöglich wird dem einen oder anderen etablierten Akteur nahegelegt, sich besser einen neuen Verein zu suchen. Mit Felix Wiedwald, dem dritten Torwart, war die Eintracht nicht besonders zufrieden, in zwei von drei Partien patzte der 30 Jahre alte Keeper (Vertrag bis 2021) entscheidend. Da stehen die Zeichen klar auf Trennung.

Auch Erik Durm hat eine Runde zum Vergessen gespielt, kam in der Rückserie in drei Einsätzen auf eine Spielzeit von 86 Minuten, nach dem Re-Start saß er in zehn von elf Pflichtpartien draußen, durfte nur beim 2:5 in München mal für 14 Minuten ran. Der smarte Außenverteidiger hat aber ein gültiges Arbeitspapier bis 2023. Angebote werden rar gesät sein, weshalb es gut sein kann, dass der 28-Jährige einfach in Frankfurt bleibt.

Vielleicht wird sich ja Lucas Torro, Vertrag bis 2023, verändern, der 25-Jährige hat – auch verletzungshalber – nur sieben Einsätze zu verzeichnen und stand schon im Winter vor einem Wechsel. Trainer Hütter schätzt den Spanier aber wegen seiner Kopfballstärke, der Mittelfeldabräumer ist ein hochanständiger Sportsmann. Zukunft offen.

Und dann ist da ja noch das Sorgenkind Mijat Gacinovic, der fast schon zum alten Eisen zählt, seit fünf Jahren für die Eintracht die Knochen hinhält. Hütter mag die nimmermüde, aber oft so glücklose Offensivkraft eigentlich, doch selbst die Geduld des Österreichers ist endlich. Der 25 Jahre alte Serbe stagniert in seiner Entwicklung, sie ist gar rückläufig, weshalb es nicht mehr ausgeschlossen ist, dass er trotz eines Vertrages bis 2022 den Klub verlässt. Vielleicht würde ihm ein Tapetenwechsel gut tun, und für den 18-fachen serbischen Nationalspieler (Marktwert sieben Millionen) gibt es auch in Corona-Zeiten einen Markt. Für einige andere eher nicht.

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