1. Startseite
  2. Eintracht

Die Klonkrieger

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ingo Durstewitz

Kommentare

Soll auf die Zähne beißen und das Team führen: David Abraham.
Soll auf die Zähne beißen und das Team führen: David Abraham. © Imago

Eintracht Frankfurt und Schalke 04 ähneln sich im Spielstil. Andersson Ordonez wird nach FR-Informationen zu seinem Stammverein Barcelona SC Guayaquil zurückkehren.

Ojemine, schon wieder ein Heimspiel, auch noch gegen den FC Schalke 04, eine „Topmannschaft“, wie Niko Kovac sagt. Immerhin Tabellenzweiter. Das kann ja heiter werden bei der doch ziemlich miserablen Heimbilanz der Frankfurter Eintracht. „Wir“, befindet Trainer Kovac aber spitzbübisch lächelnd, „wir freuen uns trotzdem drauf.“ Und er fügt direkt an: „Mit der Euphorie und der Stimmung bei uns in der Mannschaft haben wir alle Chancen, das Spiel zu gewinnen.“ Hört, hört.

Mit dem dritten Heimerfolg hätten die Hessen nicht nur den 600. Bundesligasieg ihrer Historie errungen, sondern auch 28 Punkte auf das dann prall gefüllte Konto geladen, es wäre eine ähnlich gute Hinserie wie vor Jahresfrist (29). „Wir stehen nicht zufällig da, wo wir stehen“, findet der Fußballlehrer. Das Team hat sich diese gute Platzierung vor allen Dingen erarbeitet, jeder einzelne Zähler ist mit bemerkenswerter Hingabe und Härte errungen worden. Dieser Frankfurter Mannschaft fällt nichts zu, spielerisch leicht geht ihr wenig vom Fuß, aber sie hat die Punkte und auch das nötige Spielglück mit sehr viel Willen erzwungen.

Auch von Rückständen hat sie sich selten aus der Bahn werfen lassen, sondern schon einige Spiele, wie zuletzt in Berlin und Hamburg, gedreht. „Die Mannschaft glaubt an sich“, sagt der Coach. Sie habe einen Fundus, aus dem sie schöpfen können, es ist eine Basis gelegt, das Ensemble kann sich auf etwas zurückziehen. Da ist zum einen die taktische Flexibilität, die ausgeprägte Defensivqualität und die herausragende körperliche Konstitution. „Keiner muss kalkulieren, um zu überleben“, bedeutet Kovac und meint damit, dass sich kein Akteur während einer Partie schonen müsse oder mal einen Gang zurückschalte, weil er körperlich sonst abfiele.

„Der Schalker Stil ähnelt unserem sehr“

„Wenn du topfit bist, ist auch der Erholungsprozess schneller“, sagt der Trainer, der am Freitag auch gefragt wurde, mit welchen Mitteln er seinen Spielern diesen unbändigen Kampfeswillen von der ersten bis zur letzten Sekunde eintrichtere. „Ich erwarte es, ich gebe es vor, ich will das jedes Training sehen“, antwortete er. Das Trainerteam geht da mit leuchtendem Beispiel voran. „Keiner von uns kommt kurz vor dem Training und geht direkt nach dem Training.“ Diese Einstellung müsse man als Verantwortlicher auch an den Tag legen: „Wenn ich etwas verlange, muss ich es selbst vorleben.“ Und er weiß, dass „wir viel verlangen“. Generell ist der 46-Jährige der festen Überzeugung, dass sich das auszahlen wird: „Es lohnt sich zu investieren. Das merken die Spieler ja jetzt auch. Wenn man wenig macht, wird am Ende nicht viel rauskommen.“

Die Eintracht hat sich den Ruf einer harten Malochertruppe erarbeitet. Kovac wertet das als Kompliment. „Wir werden wahrgenommen“, sagt er. Aber diese Tugenden verkörpere nicht nur sein Team, „das ist kein Alleinstellungsmerkmal“, auch der heutige Kontrahent stehe für Disziplin, Ordnung und Leidenschaft: „Der Schalker Stil ähnelt unserem sehr.“ Die Klonkrieger – vereint in ihrer Ideologie. Kovac arbeitet aber auch jeden Tag an einer Weiterentwicklung im spielerischen Bereich. „Wir versuchen, die Spieler fußballerisch besser zu machen. Aber das geht nicht von heute auf morgen.“

Andersson Ordonez nach Ecuador

Immerhin kann der Coach im heutigen Heimspiel (15.30 Uhr) wahrscheinlich auf den angeschlagenen David Abraham zurückgreifen. Das Hämatom am Unterschenkel verursache noch immer Schmerzen. „Die wird er auch im Spiel haben“, gibt Kovac zu bedenken. „Das ist eine Frage des Charakters und des Willens.“ Kovac kennt seinen beinharten Vizekapitän: „Ich gehe davon aus, dass er seinen Mann stehen wird.“

Das würde auch Luka Jovic sehr gerne, doch darf er auch? Kovac war mit dem 19 Jahre alten Stürmer in Hamburg zufrieden, auch wenn er anmerkt, dass der Serbe „drei Tore“ hätte machen müssen. „Die macht er sonst blind, das ist ja das Faszinierende an ihm.“ Jovic habe sich aber sehr wohl „angeboten“. Womöglich kehrt aber auch Sébastien Haller ins Team zurück.

Einer wird das nicht mehr schaffen: Der bereits aussortierte Innenverteidiger Andersson Ordonez wird den Bundesligisten noch im Winter wieder verlassen. Der Abwehrspieler, der vor einem Jahr für rund eine Million Euro aus Ecuador kam, wird nach FR-Informationen zu seinem Stammverein Barcelona SC Guayaquil zurückkehren. Der 23-Jährige soll schon wieder in Südamerika weilen. Es ist das Ende eines Missverständnisses.

Auch interessant

Kommentare