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Glückloser Rückkehrer: Caio (l.) setzte mit Zürich keine sportlichen Akzente. Rechts: Slobodan Medojevic.

Eintracht Frankfurt

Klarheit in Sicht

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Eintracht Frankfurt glaubt an ein Ende in der unendlichen Geschichte rund um Trapp und Zambrano. Für Stürmer Vaclav Kadlec liegen Anfragen vor.

Beim Privatspiel am Freitag in Wiesbaden schmorte Vaclav Kadlec eine gute Stunde auf der Ersatzbank, obwohl Topstürmer Haris Seferovic krankheitsbedingt gar nicht mit dabei war. Das ist im Grunde nicht weiter dramatisch und allenfalls eine Randnotiz, aber irgendwie doch typisch für die missliche Situation des jungen Angreifers der Frankfurter Eintracht. Ebenso bezeichnend ist, dass Kadlec sich dann auch noch eine leichte Zerrung in der Leiste zuzog und am Samstag nicht beim Hallenkick in Frankfurt mittun konnte. Auf dem künstlichen Grün in Mannheim ein paar Tage zuvor hatte der 22-Jährige letztmals groß aufgetrumpft und insgesamt neun Tore erzielt. Seine letzte Duftmarke in Frankfurt?

Am Rande des Frankfurter Hallenturniers wirkte Kadlec geknickt und abwesend, kauerte ungerührt im Vip-Raum der Ballsporthalle, stierte Löcher ins Nichts. Kadlec ist immer noch nicht wirklich angekommen in Frankfurt, auch nach eineinhalb Jahren nicht, wirkt wie ein Fremdkörper im Mannschaftskreis. Und vielleicht neigt sich seine Zeit in Frankfurt dem Ende entgegen. „Für Vaclav gibt es ganz viele Anfragen“, sagt Sportdirektor Bruno Hübner. „Er ist sehr begehrt.“ Die Eintracht würde den Tschechen offenbar ziehen lassen, wenn das Angebot stimmt und ihre an ein Leihgeschäft geknüpften Bedingungen erfüllt werden. Kadlec soll bei seinem neuen Verein auf jeden Fall zu seinen Einsatzzeiten kommen, er soll andererseits aber nicht zu einem direkten Konkurrenten abgegeben werden, der den Frankfurtern gefährlich werden könnte. Die Hessen streben ein Leihgeschäft an, daran hat sich nichts geändert. „Verkaufen ist eigentlich nicht unser Ziel“, so Hübner. Nicht alle Verantwortlichen sind übrigens sonderlich angetan von der Idee, Kadlec abzugeben. Da gibt es unterschiedliche Meinungen. Verständlicherweise. Denn nach Seferovic gibt es keinen gelernten Stürmer mehr im Kader. Und es wird auch keine weitere Stelle in vorderster Linie geschaffen. Der japanische Testspieler Musashi Suzuki wird trotz seines Tores in der Partie gegen Wehen Wiesbaden (2:0) nicht verpflichtet. „Wir schicken ihn nach Hause, beobachten ihn aber weiter“, betonte der Manager. Der 20-Jährige hat nicht vollends überzeugen können, ist aber gleichwohl nicht total durchgefallen.

Hübner: "Wintertransfers sind schwer"

Vielleicht könnte man so oder so ähnlich auch die Situation von Jan Rosenthal beschreiben. Er soll abgegeben werden, doch das wird nicht so leicht. Der Vertrag des Offensivspielers ist gut dotiert und die Interessenten stehen nicht Schlange. „Rosi weiß um seine Situation, er weiß, dass es für ihn hier schwer wird“, sagt Hübner. Das gilt auch für Abwehrhüne Alexander Madlung. Es gibt Überlegungen, den 32-Jährigen ebenfalls abzugeben und durch einen jüngeren und schnelleren Verteidiger zu ersetzen. Konkret ist das noch nicht.

Größere Umbauarbeiten am Kader sind jetzt nicht zu erwarten. „Wintertransfers sind schwer“, sagt Hübner. „Entweder man holt Qualität, die kostet dann richtig Geld. Oder aber man geht Kompromisse ein.“ Das wollen die Frankfurter nicht machen. Über einen Spieler wie Pierre-Emile Hojbjerg, der jetzt bis Saisonende von den Münchner Bayern zum FC Augsburg ausgeliehen wurde, habe die Eintracht ebenfalls nachgedacht, erzählt der Manager. „Eine Leihe über anderthalb Jahre wäre interessant gewesen, da hätten wir uns bemüht. Aber so war das für uns kein Thema.“

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Wenn überhaupt, werden die Hessen den Transfermarkt nach einer schnellen Offensivkraft für die linke Außenbahn durchforsten. Denn mit einem Takashi Inui in Topform rechnen die Verantwortlichen vor März eigentlich nicht. Inui ist, genauso wie Landsmann Makoto Hasebe, für Japan beim Asien-Cup aktiv und wird die Vorbereitung und wahrscheinlich auch die ersten Spiele der Rückrunde verpassen. Als Alternative steht Lucas Piazon bereit, die Leihgabe aus Chelsea hat aber in der Hinserie nur allzu selten überzeugen können. Und bei Sonny Kittel spielt immer die Angst mit, dass sein vorgeschädigtes Knie womöglich nicht halten könnte.

Und dann haben die Frankfurter ja noch Aufgaben im eigenen Haus zu erledigen. Die fast schon unendliche Geschichte um Torwart Kevin Trapp und Carlos Zambrano nähert sich aber ihrem Ende. Bis zum Beginn der Rückserie wollen die Frankfurter Klarheit haben, wie es mit den beiden Leistungsträgern weitergeht, ob sie die Offerten annehmen oder eine andere Herausforderung suchen werden. Beide Spieler haben bestens dotierte Verträge bis 2020 vorliegen, beide zögern dennoch mit der Unterschrift. Zambrano, das ist kein Geheimnis, geht es in erster Linie ums Salär. Der Peruaner möchte sich eine finanzielle Absicherung für sich und seine Familie zulegen, die bis weit über das Karriereende hinaus halten soll. Sollte er nicht auf das Angebot der Eintracht eingehen, so wird er, glauben Insider, ins Ausland wechseln. Schon im vergangenen Jahr hatte Dynamo Kiew den beinharten Abwehrmann mit einem Jahresgehalt von 4,5 Millionen Euro geködert – damals schob die Eintracht einen Riegel vor. Bei Zambrano scheint die Eintracht nicht aussichtslos zu sein, aber auch nicht in der besten Position. Hübner sieht seinen Verein dennoch „sehr gut im Rennen“.

Ablöse für Trapp: Drei Millionen

Und bei Kevin Trapp, dem Kapitän? Da geht es zuvorderst um eine sportliche Perspektive, der Top-Torwart will unbedingt europäisch spielen in Zukunft. Er ist sehr interessiert an der Entwicklung der Eintracht, informiert sich regelmäßig über die Pläne und die Ausrichtung des Vereins, möchte auch wissen, wie viel Geld für neue Spieler zur Verfügung steht. Trapp möchte sich aber erst mal auf die Vorbereitung konzentrieren. „Druck muss man auf ihn nicht aufbauen“, sagt Hübner. Eher das Gegenteil. Aber auch hier möchte die Eintracht schnellstmöglich Klarheit. Denn von seiner Entscheidung hängt auch die Torwartsituation im Allgemeinen ab. Ersatzmann Felix Wiedwald hat eine Offerte aus Bremen vorliegen. „Er würde gerne wechseln, da ist die Wahrscheinlichkeit höher, zu spielen“, sagt Hübner. Doch das Angebot der Bremer über 350 000 Euro sei „nicht der Reißer“, und die Eintracht sieht keine Veranlassung, Wiedwald abzugeben. Zumindest nicht, so lange Trapp nicht verlängert hat. Und davon wiederum ist abhängig, was aus Timo Hildebrand wird. „Wir gehen jetzt mit vier Torhütern bis zum Ende des Monats – und danach setzen wir uns wieder zusammen“, führt Hübner aus. Eines soll in keinem Fall passieren: Dass Kevin Trapp die Eintracht im Sommer 2016 ablösefrei verlässt. „Wir wollen diese Situation jetzt zum ersten Mal auf jeden Fall vermeiden“, befindet Hübner. Bei Sebastian Rode etwa war ihr das nicht gelungen. Die Eintracht wäre sogar bereit, Kevin Trapp im Sommer ziehen zu lassen, wenn er das unterbreitete Angebot ausschlagen sollte. Nach dieser Saison könnte der Schlussmann die Eintracht für eine festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von drei Millionen Euro (und nicht, wie oft kolportiert, vier Millionen) verlassen. Auf dieses Geld würde der Frankfurter Bundesligist liebend gerne verzichten.

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