+
Das war nix: Carlos Zambrano im Spiel gegen den BVB.

0:2-Niederlage für Eintracht Frankfurt

Klägliche Eintracht hisst die weiße Fahne

  • schließen
  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
    schließen

Blutleer, hasenfüßig und bieder: Die mutlose Frankfurter Eintracht ist mit dem 0:2 in Dortmund noch gut bedient, zeigt eine indiskutable Leistung  und schafft es tatsächlich, in 90 Minuten nicht einmal ernsthaft aufs Tor zu schießen.

Im Nachgang musste der Brasilianer Lucas Piazon als Lehrbeispiel dafür herhalten, wie es nicht geht.  Der Frankfurter Trainer Thomas Schaaf monierte nach der völlig verdienten und in dieser Höhe noch schmeichelhaften 0:2 (0:2)-Niederlage der Eintracht bei Borussia Dortmund die „fehlende Entschlossenheit“ seiner Mannschaft. „Wir haben das Zwingende nicht auf die Reihe gekriegt.“

Und dann zog Schaaf die Leihgabe des FC Chelsea als Beispiel heran. Piazon war in der 41. Minute quasi aus dem Nichts vor BVB-Keeper Mitch Langerak aufgetaucht, ganz frei, gänzlich unbedrängt, das musste der Anschlusstreffer sein, die Offensivkraft hätte die Kugel nur noch am Keeper vorbei schieben müssen, doch er zögerte, wartete, schaute noch einmal auf – und dann kam der Dortmunder Verteidiger Sokratis angerauscht und spitzelte dem Südamerikaner den Ball mit der Zehenspitze vom Fuß.

Eine Partie zum Vergessen

Es war eine klasse Rettungstat, doch der Grieche hätte gar nicht mehr die Möglichkeit haben dürfen, noch mal klären zu können. Piazon hätte sehr viel schneller abziehen müssen. „Da muss er das Tor machen und den Abschluss suchen“, mäkelte Schaaf zurecht. Machte er nicht – und so verpuffte  die  einzige halbwegs ernsthafte Eintracht-Chance im Nichts. „Die Entschlossenheit hat uns gefehlt. Das ist der Hauptunterschied gewesen“, befand Trainer Schaaf. Das stimmt, greift aber zu kurz.

Denn die ersatzgeschwächten Hessen zeigten gerade im zweiten Abschnitt eine Partie zum Vergessen, zum Abgewöhnen,  sie schossen während der kompletten Spielzeit nicht einmal ernsthaft aufs Tor, im zweiten Abschnitt näherten sie sich dem Kasten der Westfalen gar nicht mehr gefährlich. Die Eintracht, die auf vier Stammspieler  verzichten musste,  agierte völlig mutlos, saft- und kraftlos. Es war eine niederschmetternde, indiskutable Leistung, die sich natürlich auch durch die Ausfälle erklären lässt, aber nicht in Gänze. Dazu war die Darbietung zu blutleer, zu hasenfüßig und bieder.

Und die Frankfurter schleppten zu viele Spieler durch, die nicht mal annährend Normalform erreichten, mehr als die Hälfte der Mannschaft blieb weit unter den Erwartungen. Carlos Zambrano, Aleksandar Ignjovski, Timothy Chandler, Lucas Piazon  und die beiden Stürmer Haris Seferovic und Nelson Valdez zeigten denkbar schwache Leistungen, das war schlichtweg ungenügend. „Es ist ja eindeutig, dass Qualität fehlt“, resümierte Schaaf. Dieses Gefühl hatten auch die Spieler auf dem Platz.

Der blasse  Nelson Valdez fasste zusammen: „Es ist natürlich sehr, sehr schwer, wenn man sich gar keine Torchance herausspielt. Man hat gemerkt, dass uns Spieler fehlen. Das ist Qualität, die uns am Ende fehlt.“

Dabei war es so, dass auch die Dortmunder nicht gerade ein fußballerisches Feuerwerk abbrannten. Die Anfangsphase verlief relativ ausgeglichen, da dümpelte das Spiel so  vor sich hin, BVB-Trainer Jürgen Klopp fand das Dargebotene gar „ein bisschen langweilig“, der Gegner habe nun auch nicht den „maximalen Druck ausgelöst“ – und so brauchten die Borussen einen Strafstoß, um das Pendel zu ihren Gunsten ausschlagen zu lassen.

Eintracht-Flügelspieler Sonny Kittel hatte eine Flanke von Marcel Schmelzer mit dem hohen Arm abgewehrt. Schiedsrichter Michael Weiner zeigte auf den Punkt. Eine vertretbare Entscheidung, auch wenn das Thomas Schaaf nicht unbedingt so sah: „Er dreht sich ab, der Arm ist hinten. Man kann sich alles so zurechtlegen, wie man es braucht. Werfen Sie eine Murmel hoch und gucken Sie, was dabei herauskommt“, beklagte der Fußballlehrer eine Willkür bei den Handentscheidungen.

Bender verzichtet auf zweite Amtszeit

So sah es auch Angreifer Valdez: „Das ist eine 50:50-Entscheidung. Die Schiedsrichter pfeifen aus Laune heraus.“  Für die Dortmunder war der verwandelte Strafstoß durch Pierre-Emerick Aubameyang (24.) der Türöffner, die Eintrittskarte in dieses Spiel, das spätestens acht Minuten später entschieden war. Da gab Carlos Zambrano dem schnellen Aubameyang nur Geleitschutz und dessen  Hereingabe verwandelte Shinji Kagawa in der Mitte zum 2:0. Da war die Partie schon gelaufen.

Im zweiten Abschnitt brachte die Eintracht, bei der Aufsichtsratschef Wilhelm Bender am Vormittag seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit bekanntgab,  eigentlich keinen einzigen gescheiten Angriff mehr zustande, auch hinten hatte sie Glück, dass der BVB sehr großzügig mit seinen Chancen umging.

Die Eintracht, bei der Alexander Madlung seine fünfte Gelbe Karte sah und am Samstag in Bremen ausfallen wird, hatte den Platzherren nichts mehr entgegenzusetzen. Immerhin: Die Knöchelverletzung von Marc Stendera soll nach Angaben von Mannschaftsarzt Christoph Seeger nicht so dramatisch sein. „Er ist umgeknickt, aber es scheint nicht so schlimm zu sein“, sagte Seeger. Stendera war erst zur zweiten Hälfte für Slobodan Medojevic eingewechselt worden und musste nach 79 Minuten dann wieder runter.

Die Luft scheint endgültig raus bei der Eintracht, die wohl die letzte Chance auf Europa verspielt hat. In einer Woche muss sie beim SV Werder Bremen antreten, an der Weser hat sie zumindest die Möglichkeit, ihre desaströse Auswärtsbilanz in diesem Jahr aufzubessern. Von 21 möglichen Punkten hat die Eintracht genau einen Zähler geholt. Das ist leicht ausbaufähig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare