Kevin Trapp möchte mit seiner Eintracht auch gegen den FC Bayern jubeln.
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Kevin Trapp möchte mit seiner Eintracht auch gegen den FC Bayern jubeln.

SGE vor Spiel in München

Kevin Trapp richtet Kampfansage an die Bayern: „Fahren nicht dahin, um Hütte voll zu kriegen“

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Der Frankfurter Torhüter und Nationalspieler glaubt an die Chance seiner Mannschaft bei den übermächtig erscheinenden Bayern. Und tatsächlich: Die Hoffnung ist gut begründet.

  • Am Wochenende gastiert Eintracht Frankfurt beim FC Bayern München.
  • Kevin Trapp macht seiner SGE Mut und glaubt an die Chance seines Teams.
  • Trapps Optimismus ist begründet.

Frankfurt - In der Woche vor dem Bundesligaspiel von Eintracht Frankfurt bei den Bayern hat der Torwart Kevin Trapp im vereinseigenen Fernsehen gesagt, dies sei „mit das schönste Spiel der Saison“, er freue sich darauf. Eine Aussage, die auf den ersten Blick verwunderte. Denn man mag es sich nur schwer vorstellen, was so erstrebenswert daran sein soll, von der Münchner Übermannschaft Bälle um die Ohren geschossen zu bekommen.

Und der gute Kevin Trapp weiß doch sehr genau, was auf ihn zukommt: Siebenmal hat der mittlerweile auch schon 30-Jährige bislang in seiner bemerkenswerten Karriere in Fröttmaning gespielt, einmal noch mit dem 1. FC Kaiserslautern, sechsmal mit der Eintracht, das Ergebnis: 24 Tore hatte der Ballfänger bei seinen Stippvisiten in der Arena vor den Toren Münchens hinnehmen müssen, fast 3,5 Treffer pro Spiel. Und wer den Ehrgeiz des Nationaltorhüters kennt, der weiß, wie sehr ihm jeder einzelne auf die Nerven geht.

Kevin Trapp macht Eintracht Frankfurt Mut - und richtet Kampfansage an FC Bayern

Ist der Mann also ein Masochist, weil er sich auf diese Partie freut? Natürlich nicht. „Glauben Sie mir, wir fahren nicht dahin, um die Hütte voll zu kriegen.“ Nur habe er keine Lust, diese Begegnung „gedanklich schon vorher abzuschenken“. Und: Er habe „nicht vor, es irgendjemanden leicht zu machen“, weder Robert Lewandowski noch sonst einem Bayern-Stürmer. „Wir wollen uns mit den Besten messen.“ Dass schon ziemlich viel zusammenkommen muss an diesem Samstag zwischen 15.30 und 17.20 Uhr, um etwas Zählbares aus Bayern mitzunehmen, ahnt der Tormann selbstverständlich auch. „Wir können nicht alles wegverteidigen“, selbst wenn Eintracht Frankfurt als krasser Außenseiter zunächst einmal allergrößten Wert auf die Defensive legen werde. Um dann vereinzelte Nadelstiche zu setzen, „die Bayern zu ärgern“, wie Trapp das ausdrückte. „Nur zu verteidigen, ist nicht unsere Idee.“

Genau dieses temporeiche Umschaltspiel nach Ballgewinn hatte die Mannschaft gestern in einer mehr als zweistündigen, intensiven Trainingseinheit versucht, einzustudieren. Passen musste dabei bald Kapitän David Abraham, der das Training mit Problemen im rechten Bein abbrach und vorzeitig die Kabine aufsuchte. Ein Ausfall des schnellen Routiniers in der Innenverteidigung wäre gerade gegen die flinken Außen der Münchner schwer zu kompensieren. Ohnehin, befindet Kevin Trapp, fühle er sich hinter der sehr erfahrenen Dreierabwehrreihe ziemlich wohl. Dessen ungeachtet werde man ans Limit gehen müssen, um den Bayern, „Europas beste Mannschaft, vielleicht sogar der Welt“, halbwegs Paroli zu bieten. „Wir müssen 90 Minuten leiden.“

Gegen den FC Bayern kommt es bei Eintracht Frankfurt auf Trapp an

Kevin Trapp, der Schlussmann, wird im Fokus stehen, so viel ist sicher. Er wird jede Menge Gelegenheiten erhalten, sich auszuzeichnen, genau das ist es, was Torleute lieben. Da passt es gut, dass sich der 30-Jährige momentan in ausgesprochen guter Form präsentiert, besser, viel besser jedenfalls als vor der Corona-Krise. Er selbst hat dies ebenfalls konstatiert, im Augenblick „fühle ich mich extrem gut, nicht nur fit, sondern topfit“. Er finde, er habe einen Schritt nach vorne getan und könne die Latte höher legen. Sein hoher Anspruch an sich selbst ist sprichwörtlich.

Darüber hinaus gebe es ja gute Gründe, als Eintracht Frankfurt mit breiter Brust nach München zu reisen. „Unser Start war sehr gut, wir sind ungeschlagen und haben, trotz des enttäuschenden Ergebnisses von Köln, unsere Leistung immer gesteigert“, lobt Trapp, der nochmals betont, im Sommer niemals die Absicht gehabt zu haben, den Klub zu wechseln. „Ich hüpfe nicht so schnell von A nach B.“ Dazu könnten die Hessen womöglich den kleinen Vorteil ausspielen, ausgeruhter zu sein als die Bayern. Allerdings weiß auch der Schlussmann, „sind die dieses Pensum gewohnt.“

Gnabry fällt gegen Eintracht Frankfurt aus - Trapp „schockiert“

Ein weiterer Mutmacher sei der Blick auf die jüngsten Ergebnisse, die Bayern kassierten gegen Hoffenheim (1:4) und Hertha BSC (4:3) insgesamt erstaunliche sieben Gegentore, während die Eintracht beide Teams schlagen konnte (2:1 und 3:1). Und wer hatte die Bayern im DFB-Halbfinale (1:2) fast in die Knie gezwungen? „Wir waren das.“ Die Augen verschließt der gebürtige Saarländer, der sich im Zweikampf mit Bernd Leno um Platz drei bei der DFB-Auswahl in guter Position wähnt und im November wohl erneut einen internationalen Einsatz erhält, vor der Realität nicht: Die letzten beiden Bundesligaspiele in München endeten 2:5 und 1:5.

Dass beim FC Bayern Serge Gnabry wegen eines positiven Corona-Tests fehlen wird, ist zwar ein kleiner Vorteil, „schockiert und überrascht“ hat Kevin Trapp die Nachricht von der Infizierung seines Nationalmannschaftskollegen allemal. „Wir waren bis vor kurzem noch zusammen.“ Er selbst habe schon mit dem Außenstürmer telefoniert. „Man meint ja immer, Corona sei sehr weit weg, aber eigentlich ist es sehr nah. Und wenn es einen Kollegen trifft, weiß man, dass dies nicht ohne ist.“ Andererseits glaube er nicht, dass sich Gnabry „ständig draußen bewegt oder sich nicht an die Regeln gehalten hat.“ Trotzdem werde er positiv getestet. „Das ist alles nicht immer ganz so einfach.“ Er selbst werde seit Wochen praktisch jeden zweiten Tag getestet.

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