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Kevin Trapp: Böse Geister vertreiben

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Von: Daniel Schmitt

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Untröstlich nach dem 8. März 2017 im Camp Nou: Kevin Trapp, damals Keeper bei Paris St. Germain.
Untröstlich nach dem 8. März 2017 im Camp Nou: Kevin Trapp, damals Keeper bei Paris St. Germain. © imago/Action Plus

Das Duell zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Barcelona ist auch eines der deutschen Nationaltorhüter Kevin Trapp und Marc-André ter Stegen.

Damals im März 2017 sackte der Torwart Kevin Trapp enttäuscht in sich zusammen. Plötzlich war er ganz einsam unter 96 000, ein menschliches Häuflein Elend, selten passte diese Beschreibung im fußballerischen Kontext besser. Sechs Gegentore, davon drei in den finalen acht Minuten, „La Remontada“, die Aufholjagd des FC Barcelona gegen Paris St. Germain, Trapps damaligem Arbeitgeber, brannte sich tief und schmerzhaft bei ihm ein - ins Gedächtnis, ins Herz.

„Ich versuche es seit Jahren zu vergessen“, sagte der heutige Torwart von Eintracht Frankfurt einmal den vereinseigenen Medien, „werde aber immer wieder daran erinnert, weil es leider eine historische Niederlage war.“ Eine, nach der Trost nicht reichen sollte. Weder von Marc-André ter Stegen, dem deutschen Gegenüber im Kasten der Katalanen, der Trapp lange drückte an seine Brust nach dem Abpfiff, noch von der FR, die dem heute 31-Jährigen trotz allem ihm geschehenen Übel abschließend beschied: „Er ist und bleibt ein herausragender Torwart.“ Trapp dankte via Textnachricht für „die aufmunternden Worte“, der Frust aber blieb. Die „schlimmste Niederlage“ seiner Karriere sei das 1:6 im Camp Nou gewesen, das trotz des 4:0-Hinspielsiegs für die Franzosen das Aus bedeutet. Ein denkwürdiger Augenblick in der Geschichte der Königsklasse.

Nun also tritt Kevin Trapp wieder gegen den großen FC Barcelona an, diesmal mit der kleinen Frankfurter Eintracht in der Europa League (Donnerstag, 21 Uhr/RTL). Neben ihm durfte es aus dem hessischen Kader lediglich Sebastian Rode einmal mit Barca aufnehmen, 2015 im Champions-League-Halbfinale mit dem FC Bayern, Rode spielte 22 Minuten. Ansonsten betreten die Frankfurter Fußballer totales Neuland. Trapp freilich fährt eine nach vorne gerichtete Taktik, die bösen Geister von damals sollen keinen Einfluss mehr nehmen. „Ich freue mich auf den FC Barcelona, für solche Spiele spielen wir Fußball“, sagt er: „Es ist toll, sich gegen solche Topmannschaften messen zu können. Unser großes Ziel ist es, weiterzukommen – daran glauben wir auch.“

Die Eintracht wird ohne Zweifel einen herausragenden Kevin Trapp benötigen für diese Herkulesaufgabe. Wie passend, dass der Ballfänger seit Wochen, ach was Monaten, in bestechender Form zwischen den Pfosten steht. Nachdem Trapp, Kindheitsidol Oliver Kahn, zu Saisonbeginn wie die Kollegen noch einige Leichtsinnsfehler in sein Spiel eingestreut hatte, packt er nun konstant zu - ob bei schwierigen Schüssen oder den vermeintlich leichten, die gerade dadurch mitunter auch tricky sein können. Trapp jedenfalls hält derzeit, was er halten muss und noch deutlich mehr darüber hinaus.

Das Ligahinspiel beim FC Bayern, kurz nach einer Ausbootung im DFB-Team, diente Trapp als Wendepunkt. In München lieferte der Saarländer eine Weltklasseleistung ab. Seitdem bestätigt er seine Topform regelmäßig. Längst wird er wieder von Bundestrainer Hansi Flick berücksichtigt, zog im deutschen Torhüterranking zu Recht an Arsenal-Bankdrücker Bernd Leno vorbei und rückte näher ran an Barcelonas ter Stegen.

Zuletzt beim Länderspiel gegen Israel durften die beiden Manuel-Neuer-Vertreter jeweils eine Halbzeit spielen, womöglich ein Fingerzeig, dass das Rennen um die Nummer zwei für der WM noch nicht ganz entschieden ist. Zumal Trapp mit einem gehaltenen Elfmeter zusätzliche Eigenwerbung betrieb. Natürlich: Ter Stegen ist weiterhin im Vorteil, strahlt in Trainingseinheiten der Nationalmannschaft viel Ruhe aus, agiert längst nicht mehr so hibbelig wie zu Zeiten, als er sich Hoffnungen machte, an Neuer vorbeiziehen zu können. Auch in Barcelona hat der gebürtige Gladbacher sein Tief überwunden.

Wurden noch im Dezember mögliche Nachfolgekandidaten für den 29-Jährigen im Umfeld des Klubs gehandelt, ist er unter Neu-Trainer Xavi wiedererstarkt. Sein einstiger Mitspieler vertraut dem Schlussmann, und der zahlt mit Leistung zurück. Beim 4:0-Clasico-Erfolg der Katalanen in Madrid parierte ter Stegen ein ums andere Mal herausragend. „Ich versuche immer mein Bestes zu geben, wenn ich nicht in guter Form wäre, würde ich nicht auf dem Platz stehen“, sagt ter Stegen: „Ich fühle mich großartig. Die Mannschaft ist gut in Form und ich werde mein Bestes geben.“

Kevin Trapp, ein Profi durch und durch, der seine Torwarthandschuhe stets höchstpersönlich mitbringt zu Spielen, damit sie auch ja niemand vergessen kann, „da bin ich schon sehr eigen“, hat im Gegensatz zu ter Stegen in den vergangenen Monaten jedoch einen Sprung nach vorne gemacht - im übertragenen Sinne jedenfalls. Denn natürlich springt Trapp nicht plötzlich höher und weiter, mental aber wirkt er gereift, stabil. Gegenüber der ARD erklärte er: „Iker Casillas hat mal gesagt, dass sich bei einem Torwart 70 bis 80 Prozent im Kopf abspielen.“ Trapp sieht das ähnlich.

Angesprochen auf seine ganz persönlichen Barca-Erinnerungen sagt er mittlerweile: „Das ist jetzt eine komplett andere Situation. Wir haben unheimlich viel Lust auf das Spiel. Was vor sechs Jahren war, hat nichts mehr damit zu tun.“

Trost nach der 1:6.Pleite: Barcelonas Keeper Marc Andre ter Stegen bei seiner Aufmunterung.
Trost nach der 1:6.Pleite: Barcelonas Keeper Marc Andre ter Stegen bei seiner Aufmunterung. © imago/ZUMA Press

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