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Zugang Kevin-Prince Boateng, hier für Las Palmas aktiv, soll die Eintracht in der Offensive verstärken.
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Zugang Kevin-Prince Boateng, hier für Las Palmas aktiv, soll die Eintracht in der Offensive verstärken.

Eintracht Frankfurt

Kevin-Prince Boateng vor Wechsel zur Eintracht

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt steht kurz davor, Kevin-Prince Boateng an den Main zu lotsen. Trainer Niko Kovac kennt und schätzt ihn schon lange.

Eintracht-Trainer Niko Kovac hatte am Mittwoch zur Mittagszeit große Mühe, seine Begeisterung zu zügeln, ja er geriet fast schon ins Schwärmen. „Da haben wir endlich mal einen Kerl“, sagte er im Überschwang der Gefühle und klopfte einem Journalisten mit Verve auf die Schulter. Der 45-Jährige meinte damit einen Spieler, den die Hessen verpflichten wollen und wohl auch werden: keinen geringeren als Kevin-Prince Boateng. Ein Hammer zur Mittagszeit. „Er ist ein Spieler, der vielen Klubs in der Bundesliga weiterhelfen könnte“, sagte Kovac. „Auch Eintracht Frankfurt.“ 

Die Verpflichtung des Enfant terrible wäre eine ziemliche Sensation. Kevin-Prince Boateng, der Halbbruder des deutschen Nationalspielers Jerôme, hat am Mittwoch seinen Vertrag beim spanischen Erstligisten UD Las Palmas einigermaßen überraschend aufgelöst, aus „persönlichen Gründen“, wie er mitteilte.

Erst im Mai hatte der 30 Jahre alte offensive Mittelfeldspieler seinen Kontrakt um drei weitere Jahre verlängert. Er wolle künftig näher bei seiner Familie sein, teilte der spanische Klub mit. Boateng, der Skandalkicker schlechthin, zieht es zurück in die Bundesliga, ausgerechnet zu Eintracht Frankfurt. 

Noch ist der spektakuläre Wechsel des nicht pflegeleichten Spielers nicht perfekt, es könnte sich noch ein wenig ziehen. Der Medizincheck etwa steht noch aus, und die Knie des 30-Jährigen sind ja nicht mehr wirklich taufrisch. Die Eintracht würde für den Routinier keine Ablöse zahlen müssen, selbst das Gehalt sei moderat. Über die Laufzeit herrscht noch keine endgültige Klarheit, zwei bis drei Jahre sind im Gespräch. 

Kovac hat wenig Zweifel daran gelassen, dass der Prince künftig das Trikot der Eintracht tragen wird. „Ich weiß, was für ein Typ er ist, er hat seine Qualitäten“, sagte der Coach, der sogar noch mit ihm bei Hertha BSC zusammengespielt hat und in der Kabine neben ihm saß. „Ich war am Ende meiner Karriere, er am Anfang.“

Beide hatten damals direkt einen guten Draht, haben eine sehr intensive Beziehung zueinander gepflegt. Boateng soll bei der Eintracht die Lücke stopfen, die der Ausfall des Spielgestalters Marco Fabian gerissen hat. Der Mexikaner laboriert weiter an seiner Rückenblessur; zunächst werde versucht, die Schmerzen mit einer konservativen Behandlung zu lindern. Aber auch eine Operation wird nicht mehr ausgeschlossen.

Kevin-Prince Boateng, der mit einem üblen Tritt gegen das Sprunggelenk den WM-Auftritt von Michael Ballack 2010 in Südafrika verhindert hatte und daraufhin in Deutschland erst einmal als nicht mehr vermittelbar galt, hat in Spanien in der abgelaufenen Saison immerhin 29 Spiele absolviert und dabei zehn Tore erzielt, zudem stehen fünf Vorlagen in seiner Bilanz.

Zuvor spielte er eine Saison mehr schlecht als recht beim AC Mailand. In der Bundesliga hat er zuletzt von 2013 bis 2015 beim FC Schalke gespielt; dort kam er in 46 Spielen auf sechs Treffer.  Nach anfänglichem Hype auf Schalke um den polarisierenden Boateng eckte der Mann an, am Schluss spielte er keine Rolle mehr und wurde suspendiert.

Seit dieser Zeit halten sich auch hartnäckige Gerüchte, wonach Boateng erhebliche Knieprobleme habe. Kovac wiegelt ab: Auch bei Makoto Hasebe habe es immer entsprechende Spekulationen gegeben – „und er spielt immer noch.“ 

Dass Boateng als einer der größten Skandalnudeln im Fußball gilt, ficht Niko Kovac nicht an: „Es ist leicht, mit dem Finger auf einen zu deuten, das machen viele. Zu viele maßen sich an, über Menschen zu urteilen, die sie nicht kennen“, sagte Kovac. Zwar pflegte Boateng in der Tat einen eher ausschweifenden Lebensstil, in der Kabine gilt der ghanaische Nationalspieler aber als Teamplayer. Die avisierte Verpflichtung ist für die Eintracht sicher ein kleines Risiko, andererseits kann er der eher gesichtslosen Mannschaft auch Kontur und Profil geben. Eine Attraktion ist der bunte Hund in jedem Fall. 

Kevin-Prince Boateng, ziemlich tätowiert, war oft in den Schlagzeilen, und oft nicht im Sportteil. Schnell hatte er sich einen Ruf wie Donnerhall erarbeitet, er galt als Anarcho-Fußballer, ihm wird eine Straßenkämpfermentalität nachgesagt, er sei ein „zorniges Problemkind“, das viel zu früh viel zu viel Geld verdiente. Er selbst sagte damals über sich und seine Kumpels Änis Ben-Hatira und Ashkan Dejagah: „Wir sind Ghetto-Kids. Dort, wo wir herkommen, wirst du entweder Gangster, Drogendealer oder Fußballspieler.“ Er stammt aus Berlin-Wedding, er ist einer der berühmten Berliner Käfigkicker. 

Vor einigen Jahren hat er bereits seine Biografie veröffentlicht „Ich Prince Boateng – mein Leben, mein Spiel, meine Abrechnung“. Das Werk, 352 Seiten stark, hatte seine damalige Frau wegen pikanter Details aus ihrem Leben aus dem Verkehr ziehen lassen. Boateng hat sein Machwerk so überschrieben: „Über ein Leben zwischen Mord und Millionen, Skandalen und Trophäen.“

In dem Buch berichtet er auch von seiner Zeit in England bei den Tottenham Hotspur (2007 bis 2009), während der er häufig nicht nur auf dem Rasen steil gegangen war. „Ich war jeden Tag bis sechs Uhr morgens unterwegs, wog 95 Kilo, dick vom Trinken und vom schlechten Essen. Sechs Tage die Woche in Nachtclubs, trinken, fast ein Jahr lang. Ich konnte nicht Fußball spielen, also habe ich mir einen Lamborghini gekauft.“

Boateng gehörte zu jener Berliner Gang um Patrick Ebert, die 2009 nachts um die Häuser zog und Autospiegel abtrat. Dafür musste er sich vor Gericht verantworten, er wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 56 000 Euro verurteilt. Aus der ghanaischen Nationalelf ist er 2014 während der WM in Brasilien rausgeflogen.

Während eines Testspiels mit dem AC Mailand 2013 verließ Boateng das Feld, weil  er rassistisch beleidigt worden war. Wochen später hielt er vor den UN einen Vortrag zum Thema „Rassismus ist Malaria“. Dafür wurde er in Italien zur Galionsfigur im Kampf gegen Fremdenhass. Mittlerweile, sagt Kovac, habe Boateng ein gewisses Alter erreicht und genug Erfahrung gesammelt. Man darf gespannt sein.

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