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Einer mit Zukunft: Marc Stendera.

Marc Stendera

Keiner von vielen

Für seine 19 Jahre kann Marc Stendera nicht klagen: Er ist Star der deutschen U19-Europameister, bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag, einer der jüngsten Bundesliga-Profis. Abgehoben? Stendera nicht.

Der Weg in die Umkleide dauert für Marc Stendera nach dem Training mittlerweile deutlich länger. Autogramme schreiben, für Fotos posieren, Hände schütteln. Der Andrang auf dem Trainingsgelände des Frankfurter Stadions ist häufig groß. Die jungen Fans wollen ihre Stars sehen - als Fußball-Profi von Eintracht Frankfurt ist Stendera inzwischen einer von ihnen.

Nicht nur mehrere Zeitungen haben den Jungstar schon "Mini-Götze" genannt, auch Eintracht-Legende Karl-Heinz Körbel verglich den Mittelfeldspieler im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung bereits mit dem Bayern-Star: "Marc Stendera hat vom Talent her die gleichen Chancen wie Mario Götze. Er hat sportlich die gleichen Möglichkeiten. Seine Ecken und seine Freistöße erinnern mich oft an Götze."

Allein ans Steuer durfte der gebürtige Kasseler mit seinen damals 17 Jahren, drei Monaten und 27 Tage noch nicht, als ihm sein Debüt im Spiel gegen den FC Bayern vor gut zwei Jahren einen Platz auf der Liste der jüngsten Bundesliga-Profis der Geschichte sicherte. Mit der deutschen U17 erreichte er 2012 das EM-Finale, im Juli 2014 wurde er dann mit der deutschen U19-Nationalmannschaft Junioren-Europameister. Den Profi-Vertrag bei der Eintracht für die kommenden zwei Jahre hat er auch schon in der Tasche. Und wäre Stendera mit einem Kreuzbandriss nicht fast die gesamte Saison 2013/14 über ausgefallen, könnte man fast schon sagen: Bislang ist das eine Karriere nach Maß.

Er wirkt älter

Für viele große Talente in seinem Alter galt das auch schonmal. Die große Frage ist: Warum scheitern viele am Übergang vom Nachwuchsstar zum etablierten Bundesliga-Profi - und Stendera offenbar nicht? "Keiner ist perfekt. Von daher muss ich weiter hart an mir arbeiten", meint er selbst. Und dieser Satz sagt viel über ihn aus.

Wer große Worte hören will, der wartet bei Stendera vergeblich. Auf dem Platz überlässt er das laute Johlen und Jubeln den anderen. Er ist hochkonzentriert, weiß was er tut - spielt wie einer, der früh erwachsen geworden ist. Besser gehe immer, sagt er anschließend mit abgeklärter Stimme. "Da gehört auch ein bisschen Glück dazu, in dem richtigen Moment seine Chance zu nutzen. Talent allein reicht nicht", meint er. Sein Gesicht verzieht keine Miene, auf Fragen antwortet er routiniert. So wie es die Älteren machen, so macht er es auch. Stendera ist erst 19. Nicht nur sein Vollbart lässt ihn älter wirken.

"Er ist ein junger Mann, der gezielt seinen Vorstellung folgt und der sich durch seine Leistung auch dieses Vertrauen verdient", sagt Eintracht-Trainer Thomas Schaaf. Der 53-Jährige ist seit 1999 Bundesliga-Trainer, er hat schon viele begabte junge Spieler scheitern sehen. Von Stendera hält er viel, er sagt aber auch: "Er muss erst mal die Beharrlichkeit, die er jetzt hat, behalten, und die Qualitäten, die er besitzt, muss er ausbauen."

Ziel: Champions League und WM

Beharrlichkeit hat Stendera früh gelernt. Er begann in der Jugend des TSV Heiligenrode, 2007 spielte er für den OSC Vellmar. Schon drei Jahre später stand er für die Eintracht auf dem Platz - zunächst für die B-, dann für die A-Jugend. "Ich bin mit 14 von zu Hause weg. Da wusste ich schon, dass ich das Ziele habe, Fußballprofi zu werden." Seit der Saison 2012/13 trainiert Stendera mit der ersten Mannschaft. Dass er gut ist, weiß er. Einfach so zugeben, will er es nicht. Er sucht sich immer wieder neue Ziele und will für die kämpfen.

Und welche Ziele sind das? "Jeder träumt irgendwann davon - hochgegriffen - Champions League, oder eine WM zu spielen", sagt der 19-Jährige. Natürlich seien das alles nur Träume, wer habe diese nicht. Aber als Mario Götze sieht er sich noch lange nicht: "Ich bin erst 19, habe noch vieles vor mir und muss noch vieles tun, um so zu sein, wie Mario Götze jetzt gerade ist." Dennoch sei der Bayern-Profi für ihn ein Beispiel "an dem man sich sehr gut orientieren kann."
Seinem Trainer Schaaf gefällt diese Haltung. "Er ist Marc Stendera. Und die anderen haben einen anderen Namen." (dpa)

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