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Will wieder nach Europa: Torhüter Kevin Trapp.

Eintracht Frankfurt

Keine Zeit für Veränderung

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Eintracht Frankfurt baut nach einer Mini-Vorbereitung auf bekannte Taktik und bewährtes Personal.

Das Fazit fiel ziemlich zufrieden aus: „Es war ein intensives Trainingslager. Wir haben die Tage bestmöglich genutzt.“ Gesprochen hat diese zwei Sätzchen Christian Streich, Trainer des SC Freiburg. Der 53-Jährige bezeichnete anschließend noch die vorgefundenen Bedingungen als „sehr gut“ sowie das Ambiente als „angenehm“ und „abwechslungsreich“. Ja sapperlot, was muss das schön gewesen sein in Spanien, im andalusischen Sotogrande. Der SC Freiburg jedenfalls, er fühlt sich laut Streich „gut vorbereitet“ auf das Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt.

Und die Hessen? Die hatten ja bekanntlich kurz nach dem Jahreswechsel eine lange Reise angetreten. Nicht Spanien, auch nicht Portugal, die USA sollte es sein. Zehn Tage Florida, erst sechs in Bradenton südlich von Tampa, dann vier in Orlando östlich von Bradenton. Das Frankfurter Fazit: „Die Plätze waren super, das Hotel angenehm, das Wetter gut“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic, Trainer Adi Hütter ergänzte: „Die Mannschaft hat sich gut präsentiert.“ Ja sapperlot, diese Fußballer aber auch, suchen sie sich doch allesamt die schönsten Orte und besten Bedingungen heraus.

Intensive Vorbereitung

Nun ist es ja ganz ohne Ironie so, dass es selten Klubverantwortliche gegeben hat und auch geben wird, die freiwillig etwas anderes behaupten und solch Trainingslager als nicht förderlich für die restliche Saison bezeichnen würden, schließlich sind sie ja selbst für deren Auswahl zuständig.

Aber tatsächlich ließ sich jenes von Eintracht Frankfurt in Florida durchaus vielversprechend für den Ausgang der Restrunde an. In den ersten drei, vier Tagen arbeitete die Mannschaft hart. Trainer Hütter gestaltete die Einheiten intensiv, die Spieler absolvierten diese äußerst konzentriert und dennoch mit sichtbarer Freude. Viele Spielformen auf engen Feldern, noch mehr Zweikämpfe, dazu Übungen zur Förderung der „Schnelligkeitsausdauer“, wie Fredi Bobic die Läufe über das halbe Feld bezeichnete. Kondition zu bolzen, das sei ja etwas von gestern. Und in solch einem Winterpäuschen ja ohnehin nicht nötig. „Die Grundlagen werden im Sommer gelegt“, so der 47-Jährige. Nun gut, schon möglich. Fredi Bobic, der Ex-Profi, muss es schließlich wissen.

Der Sportvorstand der Eintracht, der entscheidenden Anteil an der Planung des winterlichen USA-Trips hatte und damit vor allem den Internationalisierungsprozess des Klubs vorantreiben wollte, übergab damit seinem Trainer eine sportliche nicht ganz einfache Situation. 

Von den ohnehin nur 16 Tagen zwischen dem Trainingsauftakt am 3. Januar und dem ersten Spiel am Samstag gegen Freiburg fielen wegen der Reise über den Atlantik noch zwei mögliche Übungsstage komplett weg. Zudem ließ Hütter seine Schützlinge nach der Rückkehr am Montagmittag verständlicherweise erst am Mittwochnachmittag wieder auf dem Gelände im Stadtwald antreten. Wichtiger als Training war, den Jetlag möglichst schnell aus den Knochen zu bekommen. Die Freiburger übrigens hatten nach ihrer Rückkehr aus Spanien bereits am Dienstagvormittag wieder fleißig für das Frankfurt-Spiel geübt. Aber das nur nebenbei.

Ablenkung vom Alltag

Letztlich wird entscheidend sein, ob die Eintracht im eigenen Stadion ihre Leistung abrufen kann. Gelingt das, wird sie Freiburg ziemlich sicher schlagen, ist die Frankfurter Qualität doch wesentlich höher angesiedelt als die der Gäste - im Zweifel eben auch mit zwei oder drei weniger absolvierten Trainingseinheiten. 

Denn ganz klar, Coach Hütter legte den Schwerpunkt bewusst auf Ablenkung vom Alltag. Neben der Arbeit auf dem Platz stand vor allem reichlich Vergnügungsprogramm für seine Profis auf dem Plan. Besuche der Universal Studios in Orlando, auch einer NBA-Partie, dazu vereinseigene Marketingtermine mit körbe-werfenden und footballeier-schießenden Berufskickern. Die mentale Frische sollte nach Monaten an der Belastungsgrenze, nach 25 Pflichtspielen bis zur Winterpause wieder hergestellt werden, um im besten Fall beim Erreichen des Europa-League-Endspiels - zugegeben, leicht wird das nicht - bis zum Saisonende noch weitere 26 absolvieren zu können.

Zur sportlichen Weiterentwicklung diente der Aufenthalt in den USA dagegen kaum, das hatte Hütter vorher schon so angekündigt und dann auch entsprechend gehandhabt. Zu kurz war schlicht die Zeit, um etwa neue Spielzüge einzustudieren. Die Eintracht wird also auch in der zweiten Saisonhälfte auf ihr sportliches Korsett der Hinserie setzen. Motto: Was in den vergangenen Monaten gut funktioniert hat, muss jetzt ja nicht schlecht sein. Könnte klappen. 

Neu im Kader ist bisher nur Sebastian Rode, er wird sich anfangs im Schatten von Gelson Fernandes (siehe Artikel unten) an die Startelf heranarbeiten können, um im Saisonverlauf möglicherweise eine Führungsrolle einzunehmen. Ansonsten werden die Stammspieler der Hinserie aller Voraussicht nach auch die der Rückrunde sein. Zwischen den Pfosten Kevin Trapp, davor Kapitän David Abraham, der seit gestern 35 Jahre alte Makoto Hasebe und Evan Ndicka in der Dreierkette, auf den Außen Filip Kostic und Danny da Costa, in der Mitte neben Fernandes noch Jonathan de Guzman und der derzeit verletzte Mijat Gacinovic, vorne natürlich Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastien Haller. 

Alles beim Alten

Von den Ersatzspielern drängte sich dagegen in der Pause kaum jemand auf. Klar, Stürmer Goncalo Paciencia machte es nach viermonatiger Verletzungspause ordentlich, auch Verteidiger Simon Falette fiel positiv auf. Für die erste Elf sind beide vorerst jedoch keine Kandidaten. Kurzum: Eigentlich ist alles beim Alten geblieben. 

Doch wohin kann diese Konstellation führen? Die Ziele der Mannschaft jedenfalls sind hoch gesteckt. Sebastien Haller etwa nahm in einem Interview schon die Qualifikation für die Champions League ins Visier. Kevin Trapp sprach davon, genug Qualität im Kader zu sehen, um „unter die ersten Sechs zu kommen“. Und Fredi Bobic findet: „Wir werden versuchen, uns in den Regionen, in denen wir gerade sind, festzubeißen. Damit wir vielleicht wieder die Chance haben, europäisch zu spielen. Das müssen wir nicht als Ziel ausgeben. Aber es muss Normalität sein, dass die Spieler jedes Spiel gewinnen möchten. Das versuchen wir der Mannschaft mitzugeben, Adi Hütter macht das sensationell.“

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