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Danny Blum spielt nun für Las Palmas, in Frankfurt wurde er nicht wirklich glücklich.

Eintracht Frankfurt

Das Karussell dreht sich im Schneckentempo

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Eintracht Frankfurt leidet darunter, dass der Transfermarkt kaum in Bewegung kommt. Danny Blum wechselt überraschend nach Las Palmas.

Um kurz nach ein Uhr am Mittag lugten die Jungs aus der Trainingsgruppe zwei hinüber auf das Übungsareal und vergewisserten sich, dass die dem Stammpersonal zugerechneten Profis der Frankfurter Eintracht ihren Dienst bald beenden würden. Irgendwann trauten sich dann Marc Stendera, Branimir Hrgota, Marijan Cavar und Daichi Kamada die steinerne Treppe hinunter und schlappten hinüber aufs Feld. Nelso Mandela hatte die Trinkflaschen vergessen und kam ein paar Minuten später, Simon Falette wurde nicht gesichtet, der Franzose ist angeschlagen und tritt kürzer. Marco Fabian war aus gutem Grund ebenfalls nicht zugegen, er weilte noch in Istanbul, auch wenn sein Wechsel zu Fenerbahce unter dubiosen Umständen in letzter Sekunde geplatzt war.

Der Mexikaner wird alsbald in Frankfurt zurückerwartet, dann kann er noch für ein paar Tage mit den sechs übrigen Schicksalsgenossen das Extratraining fernab der Kollegen aufnehmen. Was nach Transferschluss am 31. August mit der Sondereinheit geschieht, ist nicht ganz klar, sehr wahrscheinlich wird das unwürdige Dasein der Hinterbänkler beendet und sie wieder in den normalen Trainingsbetrieb aufgenommen. Wenn sie bis dahin den Verein nicht doch noch verlassen haben. Das kann passieren, muss aber nicht. Der Eintracht wäre das am liebsten, mit der Verbannung in eine gesonderte Einheit wollte die Sportliche Leitung ein nicht schwer zu erkennendes Signal senden: „Hier werdet Ihr nicht mehr gebraucht, sucht Euch was anderes.“ Das ist nicht so leicht.

Sportvorstand Fredi Bobic hat deshalb mit einiger Verwunderung die generelle Trägheit des Spielermarktes registriert. „So einen schweren Transfermarkt haben wir die letzten zehn Jahre nicht gehabt“, sagte der 46-Jährige. Viele Manager seien „ein bisschen irritiert, weil der Markt sich sehr langsam bewegt“. Viele Spieler würden zudem sehr gute Angebote ausschlagen. „Das haben wir auch bei uns in der Mannschaft. Da bin ich etwas irritiert.“

Gemeint ist in erster Linie Branimir Hrgota, der sogar eine Offerte des Ligarivalen Hannover 96 ausschlug und auch beim 1.FC Nürnberg gehandelt wurde. Auch Marc Stendera könnte sicher den Verein wechseln, doch er verdient in Frankfurt gutes Geld und ist nicht unbedingt willens, auf viel davon zu verzichten. Stendera lässt sich nicht unter Druck setzen, zur Not könne er ja auch im Winter noch woanders anheuern.

Da müssen die Spieler genau zwischen der sportlichen Ambition, der eigentlich erforderlichen Spielpraxis und der wirtschaftlichen Vernunft abwägen. Manchmal ist ein Wechsel einfach besser, um wieder zurück in die Spur zu finden und nicht zu lange raus zu sein aus dem Geschäft. Unbenommen ist andererseits, dass es ihr gutes Recht ist, den geschlossenen Vertrag zu erfüllen. Da gibt es nichts zu deuteln.

Eintracht Frankfurt könnte noch einmal aktiv werden

Für Bobic ist klar, dass auch deshalb alles schleppend läuft, weil die potenten Vereine der Premier League eine andere Strategie verfolgten: „Die haben schon 60, 70 Millionen in Transfers investiert. Aber es ist besser, wenn sie zehn Spieler für sechs Millionen holen. Dann ist eine größere Rotation im Markt drin. Und das ist eben nicht passiert.“

Der Vorstand schloss nicht aus, bis zum Ende der Transferfrist am Freitag noch einmal aktiv zu werden. „Es kann noch das eine oder andere passieren“, sagte er. Sowohl bei den potenziellen Streichkandidaten als auch bei neuen Spielern. „Vielleicht überlegen wir noch, einen Zugang mit reinzunehmen.“

Einer ist schon nicht mehr da, Flügelspieler Danny Blum hat sich bis zum Saisonende an UD Las Palmas ausleihen lassen. Der spanische Zweitligist erhält zudem eine Kaufoption für den 27-Jährigen. So richtig stringent ist dieser Deal nicht, denn Blum, der nur 24 Pflichtspiele für den Pokalsieger bestritt, hat zwar nie den Durchbruch geschafft, doch Trainer Adi Hütter steht auf schnelle Außenbahnspieler, er baute den Frankenthaler auf und setzte ihn in allen drei Pflichtspielen, zumindest als Joker, ein. Überdies: Nach der sinnvollen Verpflichtung von Flügelspieler Filip Kostic ist nun wieder eine Option für die Außenbahn weggebrochen.

Und der Blum-Abgang hat zur Folge, dass Eintracht Frankfurt einen weiteren deutschen Spieler unter Vertrag nehmen muss, um die DFL-Statuten zu erfüllen, wonach zwölf Deutsche im Kader stehen müssen. Der Neue kann erneut aus der eigenen Jugend kommen, schon vor dem ersten Pflichtspiel musste die Eintracht die Nachwuchskräfte Tobias Stirl und Patrice Kabuya mit Profiverträgen ausstatten, um die Quote zu erfüllen. Oder der Verein präsentiert noch einen deutschen Profi als Neuzugang.

Filip Kostic ist das erst einmal egal, der Serbe äußerte sich gestern erstmals öffentlich über seinen Wechsel zur Eintracht. Er habe viele Optionen gehabt, sagte der aus Hamburg gekommene 25-Jährige. „Aber die Eintracht hat eine gute Mannschaft, die eine sehr gute letzte Saison gespielt hat. Ich weiß, wohin ich komme.“ Gerade die Frankfurter „Spieler vom Balkan“ hätten ihm nur Gutes berichtet. Und für ihn sei es schön, etwa mit einem Spieler wie Ante Rebic zusammenspielen zu dürfen: „Ante ist ein super Spieler und ein sehr guter Typ.“ Schiefgehen kann da ja nicht mehr viel.

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