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Favorit: Sascha Lewandowski.

Trainersuche

Auf dem Karussell

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt macht sich auf die Suche nach einem Nachfolger für Thomas Schaaf - von Lewandowski über Schur bis Schuster.

Eine gewisse Flexibilität ist für einen Sportdirektor in der Bundesliga unabdingbar, und in Frankfurt kann der Aufgabenschwerpunkt schon mal binnen Stunden wechseln. Hatte sich Manager Bruno Hübner bis zum Pfingstmontag in erster Linie darum bemüht, den Spielerkader auf Vordermann zu bringen und etwa ein Auge auf die Herren Sydney Sam (Stürmer, FC Schalke), Reinhold Yabo (zentrales Mittelfeld, Karlsruher SC), Alexander Ring (defensives Mittelfeld, 1. FC Kaiserslautern) oder Willi Orban (Innenverteidiger, ebenfalls Kaiserslautern) zu werfen, so muss er ab sofort den Fokus auf eine andere Personalie richten: den Trainer. Immerhin kann er die Unterlagen aus dem Vorjahr hervorziehen. Auch da suchte die Eintracht mühsam einen Coach.

Hübner kann insofern die alten Papiere und Überlegungen herauskramen, weil sich ja am Anforderungsprofil des neuen leitenden Angestellten nichts geändert hat. Schon vor zwölf Monaten war die Maßgabe für den neuen Trainer, die offensive Grundhaltung fortzuführen. Eine richtige Linie hatte man dennoch seinerzeit vermisst: Nach der Absage von Wunschkandidat Roger Schmidt verhandelte die Eintracht über Wochen mit Roberto Di Matteo, der jüngst auf Schalke grandios gescheitert ist und alles spielen ließ, nur keinen Offensivfußball. Weitere Namen in loser Reihenfolge: Thorsten Fink, Bernd Schuster, Frank Kramer, André Breitenreiter. Am Ende wurde es Thomas Schaaf, im zweiten Anlauf, nachdem er erst abgesagt hatte.

Und nun, ein gutes Jahr später, muss Hübner wieder suchen. „Das Wichtigste ist“, sagt er, „dass der neue Mann Eintracht Frankfurt kennt.“ Ebenso wichtig: Darauf zu verzichten, ein Kind der Bundesliga zu holen.

Dem Frankfurter Trainerprofil am nächsten kommt sicherlich der Leverkusener Sascha Lewandowski. Der 43-Jährige genießt in der Branche einen guten Namen, er hat bei Bayer unter Beweis gestellt, dass er eine Profimannschaft betreuen kann. Er hat ein klares Konzept, steht für attraktiven, nach vorne gerichteten Fußball, nimmt die Spieler auf seiner Reise mit. Zum Problem könnte zweierlei werden: Zum einen könnte er abgeschreckt sein von den Turbulenzen um den Rücktritt von Thomas Schaaf. Aber eigentlich lässt es sich in Frankfurt für einen Trainer gut arbeiten, in der Regel erfüllt die Eintracht ihre Verträge. Nicht umsonst hebt Klubchef Heribert Bruchhagen oft genug hervor, wie „trainerstabil“ der Klub sei. „Das Umfeld hier ist in Ordnung“, sagt er.

Zum zweiten ist die Frage, ob Bruchhagen jetzt noch grünes Licht geben würde. Weil es angeblich Verhandlungen hinter dem Rücken von Schaaf und Bruchhagen gegeben haben soll – was nach FR-Informationen aber nicht der Wahrheit entspricht. Eine erste Kontaktaufnahme hat es über Dritte und informell gegeben, um auszuloten, ob sich Lewandowski vorstellen könne, wieder als Profitrainer zu arbeiten. Sollte es sportlich und menschlich keine Vorbehalte geben, dürfte es für den Klubchef keinen Hinderungsgrund geben. Zumal Lewandowski viele Anforderungskriterien erfüllt.

Das würde vielleicht auch André Breitenreiter, gegen den Eintracht-Boss Bruchhagen sicherlich wenig einzuwenden hätte, schließlich holte Bruchhagen den heutigen Coach des SC Paderborn und früheren Mittelfeldspieler 1994 zum Hamburger SV. Auch Breitenreiter war schon vor zwölf Monaten in der Verlosung, aber auch nicht so richtig. Der 41-Jährige hat beim SC Paderborn gute Arbeit abgeliefert, konnte die Ostwestfalen aber nicht vor dem Abstieg bewahren. Aktuell herrscht gerade Eiszeit zwischen ihm und SCP-Präsident Wilfried Finke, der dem Fußballlehrer ein Ultimatum gesetzt hat, wonach sich Breitenreiter bis Ende dieser Woche für oder gegen seinen derzeitigen Verein entscheiden soll. Den Coach hat das „sehr überrascht“, schließlich habe er einen Vertrag bis 2016 (der aber eine Ausstiegsklausel beinhalten soll) und man sei übereingekommen, die Saison in Ruhe analysieren zu wollen. Mehrere Medien berichteten, dass Breitenreiter vor dem Absprung stehe. Er könnte sich aber auch dem Konkurrenten Hannover 96 anschließen, der sich noch nicht durchringen konnte, dem Retter Michael Frontzeck einen neuen Vertrag anzubieten. Breitenreiter lebt mit seiner Familie in der niedersächsischen Landeshauptstadt.

Mit der Bewerbungsmappe gewedelt hat auch ein alter Frankfurter Bekannter: Jens Keller brachte sich bei Sport 1 selbst ins Gespräch: „In Frankfurt habe ich eine Vergangenheit, die nicht so schlecht war. Das ist ein sehr interessanter Verein für mich, ich war bei der Eintracht Kapitän und bin zweimal mit ihr aufgestiegen. Und da, wo man schon einmal gespielt hat, da kennt man die Strukturen und hat ein ganz anderes Gefühl als bei einem Klub, zu dem man ganz neu hinkommt.“ Das Problem: So richtig heiß ist die Eintracht nicht auf Keller. Intern gibt es Vorbehalte, zudem hat Boss Bruchhagen damals sogar durchgesetzt, den Anschlussvertrag des früheren Spielführers aufzulösen. Die beiden sind nicht die besten Freunde.

Das gilt auch für Bruchhagen und einen anderen früheren Kapitän, Alexander Schur. Bruchhagen ist auf den 43-Jährigen schon seit Jahren nicht gut zu sprechen. Der Vorstandsboss kam mit dem beliebten Spieler nicht klar, er fühlte sich nach dem Abstieg 2004 unter Druck gesetzt und sah sich von der Öffentlichkeit getrieben, den Vertrag der Identifikationsfigur zu verlängern. Sogar der damalige Bürgermeister Achim Vandreike habe ihn dazu gedrängt. Bruchhagen knickte ein – gegen seine Überzeugung.

Schur ist aber schon längst im Schoße der Eintracht-Familie wieder aufgenommen, allerdings im Leistungszentrum am Riederwald, das die Fußball-AG nicht unter ihren Fittichen hat. Der gebürtige Frankfurter gilt als großes Trainertalent, hat erst zuletzt die U19 vor dem Abstieg gerettet und verhalf der Eintracht zum ersten Jugendtitel seit 19 Jahren, mit der B-Jugend wurde er 2010 deutscher Meister. Schur soll herangeführt werden, vielleicht nicht sofort als Frontmann in die Bundesliga geschickt, aber als zweiter oder dritter Mann eingeführt werden. Mittelfristig soll er gemeinsam mit Uwe Bindewald die Profis anleiten. Diskutiert wurde auch diese Variante: Jens Keller (als Chef) und Alex Schur (als Co).

Ob Kosta Runjaic jetzt schon so weit wäre? Der Trainer des 1. FC Kaiserslautern gilt als kommunikativer Coach, als guter Analytiker. Und: Er ist gut bekannt mit Sportdirektor Hübner, sie verbindet eine enge Freundschaft. Doch gegen ihn gibt es Vorbehalte der anderen Entscheidungsträger. Zudem ist er mit dem 1. FC Kaiserslautern, obwohl klar auf Aufstiegskurs, zweimal hintereinander, „nur“ Vierter geworden. Das ist nicht unbedingt eine Empfehlung.

Vielleicht also doch Dirk Schuster. Der Darmstädter Aufstiegsheld, mit beeindruckender Kondition am Ballermann unterwegs, hat bewiesen, welch herausragender Coach er ist und was ein guter Trainer aus einer eher minder begabten Mannschaft herausholen kann. Aber ist er auch einer für die Eintracht?

Oder zieht Manager Bruno Hübner ein gänzlich anderes Ass aus dem Ärmel?

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