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Zu zartes Geschöpf für den harten Bundesligaalltag? Takashi Inui und Trainer Armin Veh (von links) beim Abklatschen.

Eintracht Frankfurt

Die Karten neu gemischt

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Warum manche Profis von Eintracht Frankfurt dem Trainingsstart am 1. Juli mit klopfendem Herzen entgegensehen.

Die Akte Jan Rosenthal ist bei Eintracht Frankfurt endgültig geschlossen. Der Vertrag mit dem 29-Jährigen ist bekanntlich aufgelöst worden – es ist das Ende eines riesengroßen Missverständnisses. Der Offensivspieler schließt sich dem Ligakonkurrenten SV Darmstadt 98 an, für den er bereits im vergangenen halben Jahr auflief – ohne Spuren zu hinterlassen, sieht man mal vom doch ziemlich wichtigen Siegtor in der letzten Minute gegen Eintracht Braunschweig ab. Viele glauben, dass sich für die Lilien alleine schon deshalb die Verpflichtung des sensiblen Akteurs gelohnt hat. In Darmstadt wagt der schnelle Mann einen neuen Anlauf, vielleicht kann er den Südhessen mit seiner Erfahrung und seiner fußballerischen Klasse im Fußball-Oberhaus tatsächlich helfen. In der ersten Klasse sind ein paar mehr spielerische Mittel gefragt als die 98-er in der zweiten Liga haben anbieten können (oder wollen). Rosenthal, der sich den Wechsel mit einer Abfindung im mittleren Bereich schmackhaft machen ließ, wollte in der Rhein-Main-Region bleiben, vielleicht kommt ihm das familiäre Darmstädter Umfeld tatsächlich entgegen.

Bei der Eintracht hatte er spätestens zu dem Zeitpunkt keine Chance mehr, als Armin Veh als Cheftrainer zurückkehrte. Veh war zum Ende seiner ersten Amtszeit schwer genervt von Rosenthal. Rosenthal machte es sich oft selbst nicht leicht, er hinterfragt sich und sein Umfeld permanent. Dass Rosenthal der einzige Abgang bleibt, ist schwer vorstellbar. An oberster Stelle der Verkaufsliste steht natürlich Kevin Trapp, den die Eintracht aber nur gehen lassen würde, wenn sie eine entsprechend hohe Entschädigungszahlung einfahren könnte. Paris Saint-Germain, das ist bekannt, möchte den 24-Jährigen gerne in seinem Kasten wissen.

Bei Stürmer Vaclav Kadlec, 23, verhält sich das etwas anders, da wären die Frankfurter froh, wenn sie in etwa den Einkaufspreis erzielen könnten – der Tscheche kam vor zwei Jahren für rund 3,2 Millionen Euro. Ein Wechsel nach Dänemark hat sich zerschlagen, angeblich buhlen noch Ajax Amsterdam und der PSV Eindhoven um den Stürmer. Es ist gut möglich, dass Kadlec die Frankfurt erst einmal die Vorbereitung aufnimmt. Aber es ist schwer vorstellbar, dass er noch mal für die Eintracht aufläuft. Zum einen gibt es grundsätzliche Zweifel, ob sich der Prager in der Bundesliga durchsetzen kann. Zum anderen ist der Angreifer in Frankfurt auch nie wirklich angekommen, hat sich nie wirklich integriert und wohl gefühlt. Die Zeichen stehen eher auf Trennung.

Man darf überdies bezweifeln, dass Slobodan Medojevic bei Armin Veh die besten Karten hat. Der Serbe hat schon unter Vorgänger Thomas Schaaf nur eine Nebenrolle inne gehabt. Veh ist nicht dafür bekannt, dass er besonders hohe Stücke auf Spieler hält, die keine allzu große Passsicherheit haben. In der abgelaufenen Saison war der 25-Jährige, der vor einem Jahr für die stattliche Summe von 1,8 Millionen Euro aus Wolfsburg kam, so ziemlich das Gegenteil von passsicher.

Auch Aleksandar Ignjovski wird es unter Veh schwer haben, der 24-Jährige hat einen großen Kampfeswillen und ein riesiges Herz, aber ungeheuer große Defizite, wenn der Ball ins Spiel kommt. Der Serbe hat immerhin den Vorteil, als rechter Verteidiger aushelfen zu können – eine der Baustellen bei der Eintracht. Zumal Timothy Chandler durch die Reisen mit der US-amerikanischen Nationalmannschaft erst sehr spät zum Eintracht-Team stoßen wird. Über die Rolle des Backups wird Ignjovski ganz sicher nicht hinauskommen – wenn überhaupt.

„Bei Veh fangen alle wieder bei Null an“

Die Frage wird auch sein, ob es einen Platz für Nelson Valdez geben wird. Der Stürmer, ein Schützling von Thomas Schaaf, wird es unter Veh nicht leicht haben, selbst wenn er immer alles gibt und in der Mannschaft anerkannt ist. Valdez kam ablösefrei, mit ihm wird sich sicherlich kaum Geld verdienen lassen. Es ist natürlich auch eine Fragen der Alternativen, ob er bleiben wird.

Takashi Inui, das „zarte Geschöpf“ aus Japan, könnte die Eintracht ebenfalls noch verlassen, aber nur wenn ein adäquater Ersatz kommt – und die Ablösesumme stimmt. Verschenken wird die Eintracht den Dribbler gewiss nicht.

Schwer dürfte es Bamba Anderson haben – das liegt zum einen an seiner schweren Knieverletzung (Knorpelschaden) und an der Rückkehr von Veh. Während seiner letzten Amtszeit schob der Coach den wankelmütigen und manchmal bockigen Brasilianer fast schon aufs Abstellgleis. Auch unter Thomas Schaaf spielte Anderson zuletzt keine Rolle mehr. Intern bereuen es einige schon, den Vertrag mit dem Innenverteidiger im Winter vorzeitig um drei Jahre verlängert zu haben.

Für Sonny Kittel, das große Talent, gilt es in erster Linie, nach seinem Kreuzbandriss wieder gesund zu werden. Veh hatte ihm seinerzeit vorgeworfen, „keine Strategie“ in seinem Spiel zu haben. In dieser Runde hat der 22-Jährige bei 18 Einsätzen durchaus unter Beweis gestellt, dass er dazu gelernt hat.

Und Marco Russ? Er wird es bei Veh nicht schwer haben, der Trainer setzte sich damals für eine Rückkehr aus Wolfsburg ein. Und dem Hanauer ist in punkto Einsatzwillen und Bereitschaft nicht der geringste Vorwurf zu machen. Doch sein Einfluss in der Mannschaft dürfte sinken. Dass sich Russ zum Wortführer emporgeschwungen hat, der Mitspieler und verdiente Ehrenspielführer kritisierte, hat Veh nicht gefallen. Der Fußballlehrer wird dem Verteidiger den gut gemeinten Rat geben, sich wieder mehr auf den Fußballsport zu konzentrieren.

Wieder mehr Spaß am Fußball spielen wird auch Johannes Flum haben. Der Mittelfeldspieler kam in der letzten Saison so gar nicht zum Zug, wurde links liegengelassen. Er war schon auf dem Absprung. Unter Veh war er Stammspieler, entsprechend groß war seine Freude über die Rückkehr des alten Coachs. Und doch weiß Flum ganz genau: „Bei Veh fangen alle wieder bei Null an.“

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