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„Ich kann die Natur nicht überlisten“, sagt Alex Meier.

Alexander Meier

Karriereende? „So ein Schwachsinn“

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Der verletzte Eintracht-Topscorer Alexander Meier wehrt sich gegen Gerüchte: Auch bei früheren Operationen an der Patellasehne sei er wieder zurück gekommen.

Die freitägliche Partie im Stadtwald hat Alexander Meier aus sicherer Entfernung verfolgt. Der Toptorjäger der Eintracht sah sich die Nullnummer, die nur toremäßig eine Nullnummer war, vom Krankenbett in der Baseler Rennbahnklinik aus an. Ein guter Freund hatte dem jüngst am rechten Knie operierten Frankfurter Profispieler einen Zugang zu den Bundesligaspielen besorgt, und so schaute sich der 32-Jährige die Partie zwischen der Eintracht und Borussia Mönchengladbach auf seinem Laptop an. „Haben gut gespielt, die Jungs“, sagte er anderntags. „Schade, dass es nicht zu einem Sieg gereicht hat.“

Vor und nach dem Spiel stand der Eintracht-Angreifer mit seinen Kollegen in regem SMS-Kontakt, aber so richtig dabei ist Alex Meier natürlich nicht mehr. Das geht ganz schnell im Profisport, die, die nicht mehr im Kreise der Mannschaft sein können, entfernen sich nicht nur physisch automatisch von der Gruppe, recht schnell werden Langzeitverletzte zu Einzelkämpfern, fast schon zu Außenstehenden. Das bringt das Geschäft so mit sich. Alex Meier weiß das. Er ist lange genug dabei. „Das ist ganz normal“, sagt der Routinier. „Man kann ja nur mal vorbeischauen, aber man ist nicht mehr mittendrin. Und man konzentriert sich auf die Reha.“ Er spürt schon jetzt, wie sehr er die Mannschaft, die Kabine und die Rituale vermissen wird. „Das Training wird mir fehlen.“

Zurzeit ist an Fußball spielen nicht zu denken, nicht im Entferntesten, auch aktive Rehamaßnahmen sind noch nicht drin. Bis heute ist der Torschütze vom Dienst in der Klinik, seine Eltern waren über das Wochenende bei ihm in der Schweiz, nun wird er ein Hotel beziehen und dann noch eine Woche Reha hinter sich bringen, ehe er zurück nach Frankfurt fahren und in dem renommierten Studio von Ex-Eintracht-Physio Björn Reindl in Neu-Isenburg an seinem Comeback arbeiten wird. Das wird auf sich warten lassen. Länger als ursprünglich gedacht.

Meier wird der Eintracht mindestens vier Monate fehlen, vielleicht aber auch ein geschlagenes halbes Jahr. Ursprünglich war man von einer Ausfallzeit von drei Monaten ausgegangen. Insider rechnen erst im Oktober, womöglich erst Anfang November wieder dem dienstältesten Eintracht-Spieler. „Das war für mich auch erst mal ein Schlag“, sagte der Offensivmann der FR. „Ich habe nur mit drei Monaten gerechnet.“ Doch er könne es ja nicht ändern, lamentieren und jammern machen die Situation auch nicht besser. „Ich kann die Natur nicht überlisten“, erkannte Meier.

Zwei Operationen im Jahr 2008

Immerhin: Knorpel und Kreuzband seien völlig in Ordnung, bedeutete er, doch die Patellasehne war doch schwerer beschädigt als zunächst angenommen und ist mit einer anderen körpereigenen Sehne verstärkt worden. Für einen Hochleistungssportler ist dieser Eingriff und seine Folgen schwerwiegend. Am Wochenende kamen in Frankfurt sogar Gerüchte auf, wonach die Sehne sehr stark angegriffen sei und Meiers Karriere in Gefahr sein könnte. Darüber kann der beste Eintracht-Torschütze der letzten 20 Jahre nur lachen. „So ein Schwachsinn“, sagte er. „Das ist lächerlich.“ Auch bei früheren Operationen an der Patellasehne sei er wieder zurück gekommen.

Dass Alex Meier schon eine richtige Odyssee mit der Sehne über der Kniescheibe hinter sich hat, ist ein bisschen in Vergessenheit geraten. Schon 2008, da war Meier zarte 25, musste er zweimal unters Messer, damals ist ebenfalls die Patellasehne behandelt worden. Meier klagte seinerzeit über starke Schmerzen – satte anderthalb Jahre lang. „Meier, einst als Überflieger gefeiert, ist ganz unten angekommen“, schrieb die FR damals über seine Leidenszeit. Nach den beiden Eingriffen, einer im März, der andere im Oktober 2008, hatte Meier lange Zeit Ruhe, er konnte lange beschwerdefrei spielen.

Doch seit einiger Zeit die Beschwerden zurückgekommen, schon in der vergangenen Saison klagte er über Schmerzen im Knie. Seit eineinhalb Jahren ging er sehr umsichtig mit seinem Kniegelenk um, hat sich immer wieder gezielt behandeln lassen. In dieser Saison fuhr er regelmäßig nach Hannover, um sich mit einer Spritzenkur der Reizung zu entledigen. Das klappte lange, war aber kein Dauerzustand. Nun ging es nicht mehr weiter. Alex Meier wird einen neuen Anlauf nehmen, sich wieder rankämpfen. Das ist ein mühseliger und beschwerlicher Weg, denn auch ein Fußballgott wird nicht jünger.

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