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Daichi Kamada steht bei Eintracht Frankfurt auf der Kippe

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Von: Ingo Durstewitz

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Daichi Kamada von Eintracht Frankfurt
Daichi Kamada von Eintracht Frankfurt. (Archivfoto) © Eibner-Pressefoto/Imago Images

Für den müden Eintracht-Regisseur Daichi Kamada könnte in Köln der schussgewaltige Ajdin Hrustic spielen.

Frankfurt – Es wäre ein klein wenig übertrieben und nicht ganz gerecht, den Leistungsabfall der Frankfurter Bundesligamannschaft im neuen Jahr am Formverlust ihres Kreativspielers Daichi Kamada festzumachen. Der japanische Internationale hat gut hineingefunden in die Rückserie, starke Stunde gegen Borussia Dortmund, Zaubertor in Augsburg – doch dann ging nicht mehr viel. In den letzten Heimspielen gegen Arminia Bielefeld und den VfL Wolfsburg (beide Male 0:2) gehörte Kamada zu den wirkungslosesten Akteuren auf dem Platz, das Fachmagazin „Kicker“ urteilte mit geharnischten Noten: 4,5 und fünf, die FR nicht minder scharf: zweimal „schwächelnd“.

Und in dem Maße, in dem der 25-Jährige abbaute und in ein kleines Loch fiel, nahm auch Esprit und Offensivkraft im Eintracht-Spiel ab. Bemerkenswert: Den einzigen Sieg in 2022 feierten die Frankfurter beim 3:2 in Stuttgart – ohne Kamada (und ohne andere Stützpfeiler wie Filip Kostic sowie Martin Hinteregger). Insofern ist der Spielleiter aus Nippon vielleicht nicht das große Teil im unvollständigen Eintracht-Puzzle, aber doch ein wichtiger Mosaikstein.

Eintracht Frankfurt: Kamada in Köln auf der Bank?

Eintracht Frankfurt braucht einen guten, spritzigen Kamada, weil das Angriffsspiel ohnehin auf nur wenige Schultern verteilt ist. Da sind neben Kamada Flitzer Jesper Lindström, Alleinunterhalter Rafael Borré und Dampfmacher Filip Kostic, dem zuletzt aber Dampf fehlte, weil ihm eine Corona-Infektion und eine hartnäckige Grippe arg zusetzten. Die vergangene Trainingswoche habe dem serbischen Nationalspieler aber gutgetan, sagt Trainer Oliver Glasner: „Er wird sich nun Schritt für Schritt seiner Bestform nähern.“ Für die Auswärtspartie am Samstagabend (18.30 Uhr/Sky) in Köln stellte der Coach seinem Musterschüler eine Einsatzgarantie aus. Klar: Eintracht Frankfurt ist zu einem gewissen Grad noch immer abhängig von Filip Kostic.

Und von Daichi Kamada? Verwunderlich wäre es nicht, wenn der „Zehner“ mit den geschmeidigen Bewegungen im Rheinland erst mal auf der Bank sitzen würde. Das hat weniger mit seinen Fähigkeiten als mit seiner momentanen Verfassung zu tun. Auch Kamada ist so ein bisschen aus dem Tritt und dem Rhythmus gekommen, in der Begegnung gegen Bielefeld vor einem Monat hatte er sich einen kleinen Muskelfaserriss zugezogen und musste eine gut zweiwöchige Zwangspause einlegen. In Topform ist er beileibe nicht.

Der Nationalspieler ist zudem so ein bisschen Opfer der abgewandelten Spielweise. Die zuletzt wieder vermehrt eingestreuten langen Schläge aus der Abwehr heraus sind für einen feingliedrigen Techniker wie ihn sicher nicht optimal. Er bevorzugt das flache Spiel zwischen den Linien.

Insofern wäre es vorteilhaft, wenn Kamada verletzungsfrei bliebe und das Spiel wieder prägen könnte, denn von seinem Potenzial gehört er klar zu den leistungsstärksten Frankfurter Spielern. Er gilt – genauso wie Filip Kostic und Evan Ndicka – als Verkaufskandidat im Sommer, bei allen läuft der Vertrag 2023 aus und Sportvorstand Markus Krösche hat unlängst im FR-Interview klargestellt. „Wir wollen mit keinem Leistungsträger ins letzte Vertragsjahr gehen.“ Mit anderen Worten: verlängern oder verkaufen. Kamada, dessen Marktwert von 25 Millionen auf 22 Millionen gesunken ist, hatte schon im vergangenen Sommer mit einem Abgang geliebäugelt.

Eintracht Frankfurt: Sebastian Rode nirgends reinjagen

In Köln, wo Oliver Glasner ein intensives Spiel und einen heißblütigen Gegner erwartet, könnte der etwas zweikampfstärkere Ajdin Hrustic die Position Kamadas in der offensiven Halbposition einnehmen. Der Australier ist zwar ein anderer Spielertyp, nicht so wendig und raffiniert, hat aber auch das Momentum auf seiner Seite: In Stuttgart avancierte der 25-Jährige mit zwei Treffern zum Matchwinner – und wurde dann trotz mächtigen Rückenwinds im Heimspiel gegen Wolfsburg erst fünf Minuten vor Schluss in die Partie gebracht. Das konnte nicht jeder verstehen, am wenigsten der Spieler selbst. Ein weiterer Vorteil: Hrustic hat eine mächtige linke Klebe, kann auch aus der zweiten Reihe für Gefahr sorgen – das ging der Eintracht zuletzt wieder völlig ab.

Seit sieben Partien hat keiner der übrigen defensiven Mittelfeldspieler ins Tor getroffen, obwohl Kristijan Jakic im letzten Spiel gleich fünf verzweifelte Versuche unternahm – allesamt unbrauchbar. Einmal wurde er sogar vom Kollegen Lindström übersehen. Jakic wird in Köln wohl dennoch an der Seite von Djibril Sow auflaufen, Kapitän Sebastian Rode klagt zwar nicht mehr über Probleme am geschädigten Knie, dafür aber über verhärtete Muskeln. „Da muss man das Risiko abwägen“, sagt Trainer Glasner. „Wir wollen keinen Spieler in eine Muskelverletzung reinjagen.“ Erst recht nicht den Spielführer, der dann wohl auf der Bank sitzen wird – womöglich neben Daichi Kamada. (Ingo Durstewitz)

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