Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Vaclav Kadlec kann wieder lächeln.
+
Vaclav Kadlec kann wieder lächeln.

Eintracht Frankfurt

„Kadlec will es noch mal wissen“

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
    schließen

Eintracht-Stürmer Vaclav Kadlec nimmt einen neuen Anlauf bei den Hessen und hat sich wesentlich besser integriert. Armin Veh ist sichtlich beeindruckt.

Die erste Überraschung hält Vaclav Kadlec schon bereit, da hat das Interview noch gar nicht begonnen. Der Eintracht-Stürmer werde nämlich die Fragen auf Deutsch beantworten, der Übersetzer ihm nur im äußersten Notfall unter die Arme greifen. Dieser Notfall trifft genau zweimal ein. „Du sprichst ja richtig gut Deutsch“, ruft ihm einer zum Abschied zu, „wir können doch öfter mal sprechen.“ Kadlec lächelt schüchtern.

Es gibt nicht wenige in Frankfurt, die der festen Überzeugung sind, dass es der tschechische Nationalspieler in der Vergangenheit auch deshalb so schwer bei der Eintracht hatte, weil sich sein Wille zur Integration und zum Erlernen der deutschen Sprache doch arg in Grenzen hielt. Mittlerweile ist das anders, der 23-Jährige kann sich auch fernab der Prager Heimat in der fremden Sprache verständlich machen. „Ich bin viel besser integriert“, findet er selbst. „Ich habe auch keine Angst mehr, Deutsch zu sprechen.“ Er fühle sich gut, „es ist alles in Ordnung. Ich bin happy.“

Wie wichtig es ist, sich verständigen zu können und sich einzuleben in einer neuen Umgebung, führte erst kürzlich der Mainzer Manager Christian Heidel in einem FR-Gespräch aus. „Da kommt ein junger Mann in ein fremdes Land, in eine fremde Stadt und beherrscht nicht die Sprache – und soll sich dann gleich zurechtfinden. Das ist nicht so leicht.“ Die Integration sei „eminent wichtig“, die Betreuung der Spieler, findet Heidel, „müssen die Klubs forcieren. Denn der Wohlfühleffekt zeigt sich dann auf dem Platz.“ Egal, wie talentiert ein Fußballer sei – „wenn er sich nicht wohl und wie zu Hause fühlt, dann wird er keine Leistung bringen.“

Eintracht-Trainer Armin Veh, der den Angreifer vor zwei Jahren für immerhin 3,2 Millionen Euro von Sparta Prag nach Frankfurt lotste, sieht bei ihm mittlerweile deutlich mehr Bereitschaft, sich einzubringen. „Er integriert sich besser.“ Und er spreche sehr viel besser Deutsch. „Das ist entscheidend, denn sonst versteht man ja nicht mal einen Witz, und das macht doch eine Mannschaft auch aus.“

Veh will den introvertierten Profi fördern. „Ich gebe den Jungen nicht auf, ich glaube an ihn“, sagt der 54-Jährige. „Er hat seine Anpassungszeit gebraucht. Aber er ist ein Riesentalent. Er hat immer noch die Chance, ein richtig guter Spieler zu werden.“ Auch der Mainzer Heidel traut ihm den Durchbruch zu: „Kadlec hat alles Talent der Welt. Das ist ein Spieler, der noch explodiert. Da bin ich mir sicher.“ Kadlec, so viel ist klar, hat an Boden gewonnen. Er hat nicht Reißaus genommen, als etwa der dänische Spitzenklub FC Midtjylland anklopfte und ihn in den Norden holen wollte, da lehnte er dankend ab. „Die Liga ist nicht so gut, die Stadt ist klein, das Land auch nicht so gut für mich.“ Kadlec scheint entschlossen, einen neuen Anlauf zu nehmen in Frankfurt. „Die Bundesliga ist die beste Liga, die Eintracht ein super Klub.“

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Nach einem intensiven Gespräch mit seinem Berater Pavel Paska war für den schnellen Stürmer klar, dass er noch mal versuchen will, sich durchzusetzen. „Mein Berater hat mir auch dazu geraten.“ Im vergangenen Jahr spielte er auf Leihbasis bei seinem Heimatverein Sparta Prag. „Für mich war es gut, für den Klub nicht so“, erzählt Kadlec. Sparta ist nur Zweiter in der Meisterschaft geworden, hat keinen Pokal geholt, der Trainer musste ebenfalls gehen. Doch für den Spieler war die Ausleihe ein voller Erfolg. Er hat in 14 Partien zehn Tore erzielt. „Es war gut für meinen Kopf.“ Und für seine Perspektiven. Durch seine guten Leistungen in Prag hat er wieder den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft. Diesen Platz hatte er verloren. Über die abgelaufenen Spielzeit würde er am liebsten den Mantel des Schweigens decken. Obwohl er bei Veh im zweiten Halbjahr der Saison 2013/2014 kaum mehr spielte, ist er froh, dass Veh zurück ist. „Er hat mich geholt. Für mich ist das gut. Besser als bei Thomas.“ Schaaf hat nicht auf Kadlec gesetzt.

Veh nötigt Kadlec' Einstellung Respekt ab

Armin Veh scheint ernsthaft daran interessiert, ihn einzubauen und einzugliedern. „Kadlec will es noch mal wissen“, sagt Veh und ein bisschen hört man auch die Anerkennung in seiner Stimme. Vielleicht ist es übertrieben zu sagen, dass ihm diese Einstellung imponiert, doch der Trainer findet es allemal besser, als einfach die Flinte ins Korn zu werfen und den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, also den Klub zu verlassen. Veh nötigt es Respekt ab, wie der Angreifer mit seiner bei der U21-EM erlittenen Knöchelverletzung umgegangen ist. Er stand nämlich sehr viel schneller wieder auf dem Platz als vorhergesagt. „Er ist schon zäh und überhaupt nicht wehleidig.“ Kadlec selbst ist ebenfalls überrascht, wie schnell er wieder mitmischen kann. „Mein Arzt in Prag sprach von sechs Wochen Ausfallzeit, aber ich war nach vier Wochen wieder da.“ Die angerissenen Bänder im Sprunggelenk schmerzen zwar zu Beginn der Einheiten noch ein bisschen, „aber wenn ich warm bin, habe ich keine Probleme.“ Kadlec ist gut in Form, beim Testspiel gegen Leeds United war er viel unterwegs und steuerte den 2:1-Siegtreffer bei, als er einen Schuss von Stefan Reinartz ins Netz abfälschte. „War so ein bisschen mein Tor“, sagt er lachend.

Nun könnte er ausgerechnet von einer Verletzung profitieren, denn Luc Castaignos hat sich einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zugezogen. Das ergab eine Untersuchung am Mittwoch in Linz. Der niederländische Stürmer muss zwei bis vier Wochen pausieren. Die Chance für Kadlec, zumal Veh sagt, er sei der klassische Stürmer für ein 4-4-2-System als zweite Spitze neben Haris Seferovic oder eben Castaignos. Darüber macht sich Kadlec keine Gedanken. „Ich will gesund bleiben.“ Aber das System mit zwei Spitzen, ja, das findet er doch ganz charmant: „Das ist gut für mich“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare