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Vaclav Kadlec wird bis zum Saisonende an seinen früheren Verein Sparta Prag verliehen.

Eintracht Frankfurt

Kadlec flieht in die Heimat

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Der Frankfurter Bundesligist verleiht seinen Stürmer zu seinem Heimatverein Sparta Prag. Eine sinnvolle Entscheidung. „In Prag ist er ein Superstar“, sagt Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner.

Am Mittwoch stiefelte Vaclav Kadlec genauso vom Trainingsplatz wie in den vergangenen Wochen auch: missmutig und irgendwie traurig. Die schwarze Mütze hatte er quasi wie einen Turban um den Kopf geschlungen, die Miene war verfinstert, auf dem Weg in die Kabine schrieb er noch ein, zwei Autogramme, dann war sein Arbeitstag beendet. Besonders glücklich sah er nicht aus. Das sollte sich alsbald ändern.

Was zu diesem Zeitpunkt am Vormittag kaum jemand ahnte: Es war die letzte Einheit des 22-Jährigen im Zeichen der Eintracht. Zumindest in dieser Saison. Denn am Mittwochmittag war klar, dass der bis 2017 an den Erstligisten gebundene Stürmer die Eintracht verlassen und sich seinem Heimatverein Sparta Prag anschließen wird. Auf Leihbasis bis zum Ende dieser Spielzeit. Darauf verständigten sich der hessische Klub und der amtierende tschechische Meister. Der Leihvertrag erhält nach Angaben der Eintracht keine Optionen.

„In Prag ist er der absolute Star“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner der FR. „Da ist er gesetzt. Die Einschätzung, dass er bei Sparta spielt, sehen wir bei 100 Prozent.“ Er hat in der Goldenen Stadt noch eine Wohnung, er ist dort geboren, seine Freundin lebt in der Hauptstadt. „In Prag ist er seit seinem 16. Lebensjahr ein Superstar“, wie Hübner betont. „Da fallen Integrations- und Umstellungsprobleme weg.“

Für Kadlec sei es, wie Manager Hübner ausführte, auch wichtig, sich für die U-21-Europameisterschaft in seinem Heimatland im Sommer zu empfehlen. „Er wird dann gestärkt zur EM fahren und seine Situation insgesamt verbessern“, glaubt der 54-Jährige. „Ich denke, das ist eine gute Geschichte für alle.“ Es sei mitnichten so, dass Kadlec nun seine Zelte in Frankfurt endgültig abbrechen werde, auch wenn vordergründig betrachtet nicht besonders viel dafür spricht, dass der talentierte, aber wenig durchsetzungsfähige Angreifer ab Sommer groß durchstarten wird.

Er spielt bei Trainer Thomas Schaaf keine Rolle, kam in dieser Saison nur zu vier Einsätzen, dreimal wurde er davon in der Schlussphase eingewechselt, machte aber immerhin ein Tor beim 2:2 am zweiten Spieltag in Wolfsburg. Das war es noch warm in Deutschland. Warum also sollte sich das in der neuen Saison ändern? Hübner ist anderer Meinung. „Der Junge hat Qualität, wir glauben an ihn. Ich denke, er wird gestärkt aus der Situation herausgehen. Er braucht jetzt einfach nur Erfolgserlebnisse und Selbstvertrauen.“

Die Eintracht kann aber auch deshalb relativ entspannt mit dieser Situation umgehen, weil sie den Angreifer im Sommer auch noch verkaufen könnte. „Und durch so eine Europameisterschaft kann der Wert ja noch gesteigert werden“, sagte Hübner. „Und Qualität hat der Junge sowieso.“ Die vielen Angebote, die für den Tschechen eingegangen waren, bestärken den Sportchef in dieser Annahme. Die Option, ihn temporär zu Sparta zurückzugeben, habe man schon die ganze Zeit gehabt, und weil in Tschechien das Transferfenster erst am 21. Februar schließt, habe man keine Eile gehabt. So konnten die Verantwortlichen noch die ersten vier Spieltage der Rückrunde abwarten. Und da ist Kadlecs Situation nicht wirklich besser geworden, er hat keine Sekunde gespielt, stand zweimal gar nicht im Kader. Er wusste, woran er ist. Und der Vorstand wusste es auch, denn in der Chefetage war man lange Zeit nicht angetan von der Idee, ihn ziehen zu lassen angesichts der dünn besetzen Personaldecke im Angriff.

Viele konkrete Offerten

Man sträubte sich in der Winterpause, obwohl es viele konkrete Offerten gab – aus Dänemark vom FC Midtjylland, aus Deutschland vom 1. FC Kaiserslautern, dem Hamburger SV, dem SC Paderborn und aus den Niederlanden vom PSV Eindhoven. Doch die Angst, dass man eingeholt werde von der Tagesaktualität, von Verletzungen oder Formkrisen wog schwer im Führungszirkel. Jetzt aber wusste ein jeder, dass Kadlec auch nicht spielen würde, wenn Haris Seferovic und/oder Alexander Meier ausfallen würden. Sollte einer nicht mal dann auflaufen würde, wenn er eigentlich gebraucht wird, kann man die Sinnfrage eines erzwungenen Verbleibs stellen.

„Seine Situation wird nicht besser“, bekundete Hübner. „Jetzt kommt noch Nelson Valdez zurück, mit ihm rechnen wir innerhalb der nächsten 14 Tage.“ Und es sei so, dass man durch die vier Punkte in den zurückliegenden beiden Spielen eine „größere Sicherheit“ habe. „Deshalb denken wir, dass es jetzt Sinn macht.“

Kadlec, das muss man sagen, hat nie einen großen Integrationswillen an den Tag gelegt, er war ein Einzelgänger, fast schon einsam und isoliert. Obwohl ihn die Eintracht und auch die Mitspieler versuchten, zu unterstützen. „Wir haben da schon gelernt“, sagte Hübner und spielte auf den Brasilianer Caio an.

Für den Manager ist die sportliche Entwicklung des Spielers ausschlaggebend, und die war rückläufig – nicht erst seit dieser Saison, das fing schon in der Rückrunde unter Armin Veh an. „Er fällt in ein Loch, dann kommt Resignation dazu“, erzählte Hübner. „Das muss man einem jungen Spieler aber auch zugestehen, jeder hat mal so eine Delle. Aber er ist erst 22, er hat noch alles vor sich.“

 Es ist das vorläufige Ende einer Zusammenarbeit, die verheißungsvoll begann, aber sich als mittelgroßes Missverständnis herausstellte. Als Kadlec in Frankfurt ankam, da wurde er fast schon wie ein Heilsbringer gefeiert. In jedem Gespräch betonte Hübner, man solle nur ja keine Wunderdinge von diesem jungen Mann erwarten, der als Rohdiamant gehypt wurde und für den die Eintracht 3,2 Millionen Euro bezahlte – nach monatelangen zähen Verhandlungen. Er war der Königstransfer. „Der Armin“, sagte Hübner einmal und meinte Ex-Trainer Veh, „der Armin hat mich 20-mal nach Prag geschickt, um Kadlec zu holen.“

Gestern hat er ihn zurück nach Prag verliehen. Erst mal nur für drei Monate.

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