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Macht bereits Fortschritte: Carlos Salcedo (r.).

Eintracht Frankfurt Vorbereitung

Jovic top, Haller flop

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Die Gewinner und Verlierer des Eintracht-Trainingslagers in Südtirol.

Während ihres achttägigen Trainingslagers in Südtirol, das gestern zu Ende ging, hat die Frankfurter Eintracht eine ganze Menge bekannter Gesichter angelockt. Markus Hörwick etwa, der langjährige Mediendirektor des FC Bayern München und heutige Berater von Eintracht-Trainer Niko Kovac, stattete den Hessen einen zweitägigen Besuch ab, auch der Journalist und Buchautor Ronald Reng, gebürtiger Frankfurter und bekennender Eintracht-Fan, ließ sich am Rande des Trainingsplatzes blicken.

Und am Sonntag schaute sogar Reiner Calmund vorbei. Der frühere Manager von Bayer Leverkusen wird in der kommenden Saison als Experte fürs Pay-TV arbeiten und tourt derzeit von Trainingslager zu Trainingslager, um einen Eindruck von Freud und Leid der einzelnen Bundesligaklubs zu erhaschen. Calmund und die übrigen Beobachter konnten viele Eindrücke sammeln, der Ball rollte viel im Pustertal. Wer sind die Gewinner und Verlierer des Trainingslagers in Gais?

Gewinner

Luka Jovic: Trifft im Training wie er will. Ob mit rechts, links oder dem Kopf, ob im Stehen, Sitzen oder Liegen, ob Vollspann oder Lupfer – der Ball ist gefühlt in 99 Prozent der Fälle drin. Unheimlich abgeklärt für seine 19 Jahre. Im Test gegen Benevento war er 72 Minuten quasi unsichtbar, ehe ihm aus dem Nichts beinahe der Ausgleich gelang. Wird sich womöglich an Tempo und Intensität der deutschen Liga gewöhnen müssen, sein Torriecher ist jedoch unverkennbar. „Wenn er nur halb so viel zeigt wie im Training“, ist Kovac überzeugt, „wird er ein absoluter Volltreffer.“

Max Besuschkow: Vor dem ersten Trainingslager in den Vereinigten Staaten überlegte die Eintracht noch, ihn zu verleihen. Die Idee hat sich schnell verflüchtigt, denn der 20-Jährige hat sich zu einer echten Alternative im zentralen Mittelfeld aufgeschwungen. Wendig, ballsicher, torgefährlich – kaum ein Spieler präsentierte sich in Südtirol so auffällig wie Besuschkow. Auch Kovac ist das nicht entgangen: „Er hat sich außerordentlich gut entwickelt, macht einen super Eindruck“, sagt der Trainer über den Youngster. Besuschkow sei „gewillt, den Profifußball auf und außerhalb des Platzes zu leben“.

Carlos Salcedo: Bis kurz vor Abflug hatten sie bei der Eintracht gegrübelt, ob die Reise nach Gais für den neuen Innenverteidiger nach dessen Schulter-OP nicht zu früh kommt. Die Entscheidung, ihm einen Platz im Flugzeug zu reservieren, hat sich als goldrichtig erwiesen. Der Mexikaner macht erstaunliche Fortschritte, trainiert schon wieder mit Ball und teils auch mit den Teamkollegen. „Wir müssen ihn ein bisschen bremsen“, erklärt Kovac. „Ich sage ja immer: Die Azteken sind was ganz Besonderes.“ Der Trainer beschreibt den 23-Jährigen als „ruhig, ballsicher und weitblickend“. Bis er das auf dem Platz unter Beweis stellen kann, werden aber noch einige Wochen ins Land gehen.

Daichi Kamada: Beim Mannschaftsabend am Freitag, als alle Neuen ein Lied singen mussten, machte er den „Gangnam Style“. Das hätte dem unscheinbaren Japaner nicht jeder zugetraut. Auch sonst ist der 20-Jährige weiter, als viele dachten. Kamada dribbelt beid- und leichtfüßig, hat ein gutes Auge. „Balltechnisch ist er außerordentlich gut“, lobt Kovac. Kamadas Talent ist offensichtlich, genauso allerdings seine körperlichen Defizite. Der schmächtige Asiate wird noch ein paar Kilo draufpacken müssen. Kovac hat aber keine Bedenken: „Seine Laufleistungswerte aus Japan waren schon internationaler Standard.“

Verlierer

Sebastien Haller: Bislang der große Verlierer. Die Umstellung von der niederländischen Eredivisie zur Bundesliga fällt ihm spürbar schwer. Wirkte die komplette Zeit in Gais völlig ausgelaugt, ihm gelang so gut wie nichts, nicht einmal im Training traf er das Tor. Der baumlange Franzose wird jedoch vom ersten Spieltag an funktionieren müssen, schließlich ist er mit seiner Ablöse von rund sieben Millionen Euro bisher der Rekordtransfer der Frankfurter. Womöglich lastet genau das ein wenig auf seinen Schultern.

Gelson Fernandes: Kovac nennt ihn in einem Atemzug mit Jonathan de Guzman. Beide seien Nationalspieler „aus Ländern, die nicht weit hinten in der Weltrangliste stehen“, sagt er. „Beide haben bei Topklubs gespielt, mit Toptrainern an ihrer Seite.“ Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an Fernandes, erfüllen konnte er sie bislang nicht. Der Schweizer wirft sich in jeden Zweikampf, ist mit dem Ball am Fuß aber viel zu hektisch. In seiner aktuellen Verfassung mehr Risikofaktor als Stütze. Menschlich einwandfrei, aber ob das reicht?

Andersson Ordonez: Bei ihm reicht es einfach nicht für die Bundesliga. Hat immer noch Probleme, das Tempo bei der Eintracht mitzugehen. Musste in Gais immer wieder kürzer treten, auch im Test gegen Sassuolo hielt er nur 60 Minuten lang durch. Zudem hatten seine Pässe die Streuung einer Schrotflinte. Selbst der 19-Jährige Noel Knothe wirkt im Vergleich zu Ordonez deutlich abgeklärter. Eigentlich kommt die SGE nicht umhin, auf der Position des Innenverteidigers nochmal nachzulegen.

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