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Joker wider Willen

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Von: Ingo Durstewitz

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Hat trotz Jokerrolle einiges zu lachen: Karim Matmour.
Hat trotz Jokerrolle einiges zu lachen: Karim Matmour. © getty

Der Frankfurter Mittelfeldspieler Karim Matmour braucht keine lange Eingewöhnungszeit. Das ist sein persönliches Pech - und das Glück von Eintracht Frankfurt.

Der Frankfurter Mittelfeldspieler Karim Matmour braucht keine lange Eingewöhnungszeit. Das ist sein persönliches Pech - und das Glück von Eintracht Frankfurt.

Karim Matmour bringt es für seinen neuen Arbeitgeber Eintracht Frankfurt bisher auf eine Spielzeit von exakt 73 Minuten. Matmour ist in allen drei Zweitligapartien eingewechselt worden, zweimal in der Schlussphase, einmal gegen St. Pauli zur zweiten Hälfte für den indisponierten Caio. Das ist nicht viel für einen, der aus der Bundesliga von Borussia Mönchengladbach kam. Doch es genügte dem Algerier, um nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen.

Sein Leistungsnachweis liest sich fast schon beeindruckend. Am ersten Spieltag in Fürth erzielte der Rechtsaußen in der letzten Spielminute mit einem abgefälschten Linksschuss den 3:2-Siegtreffer. Zweifelsfrei ein eminent wichtiges Tor, zumal Matmour nicht unbedingt als nervenstark und eiskalt vor des Gegners Gehäuse gilt.

In Gladbach erzielte er in 77 Bundesligapartien ganze vier Tore, er bereitete auch nur zwei Treffer vor ? einen von beiden kurioserweise Ende Januar beim Gastspiel in Frankfurt. Es war das 1:0, der Siegtreffer für die Gladbacher ? und so etwas wie der Anfang vom Ende für die Eintracht. Das ist Vergangenheit.

In der Gegenwart erzielte Matmour für die Eintracht nicht nur einen entscheidenden Treffer, er bereitete schon zwei Treffer vor. Beide am vergangenen Sonntag in Braunschweig, beide fast identisch. Zweimal war der schnelle Flügelstürmer auf der rechten Seite in den Rücken der Abwehr gekommen, zweimal legte er mustergültig und mit viel Übersicht zurück auf Alexander Meier, der zunächst per Kopf und danach mit rechts den 3:0-Endstand besorgte. „Ich kann mich bei Karim nur bedanken“, sagte Meier artig.

Unkonventionell und wuselig

In 73 Spielminuten an drei entscheidenden Szenen beteiligt zu sein und damit an fast der Hälfte aller Frankfurter Treffer ? das ist aller Ehren wert und mehr als man sich erhoffen durfte. Einen Stammplatz wird sich der 26-Jährige deshalb allerdings ganz sicher nicht erspielt haben.

Nun ist Matmour keiner, der sich öffentlich beklagen würde. Das hat er auch in Gladbach nie gemacht. „Natürlich würde ich gerne spielen, natürlich freue ich mich, wenn ich spielen darf. Aber der Erfolg der Mannschaft ist wichtiger.“ Matmour, ein sehr freundlicher, offener Zeitgenosse, fügt sich in seine Reservistenrolle, weil sich die Mannschaft in der zuletzt aufgebotenen Formation einspielen soll.

Das ist nachvollziehbar. Doch Matmour, in Gladbach aufgrund seiner unkonventionellen und wuseligen Spielweise in Anlehnung an eine Fledermaus Batmour genannt, ist für Trainer Armin Veh meist eine der ersten Optionen, wenn es etwas zu verändern gilt. Das hat er sich durch seine jüngsten Auftritte und auch seine Spielweise verdient.

Denn der Algerier, der sich bis Donnerstag mit der Nationalmannschaft in Paris auf einem Lehrgang befindet, sorgt mit seiner Interpretation des Spiels für frischen Wind, weil er sich gänzlich von den übrigen Spielern abhebt. Das ist für Matmour ? ähnlich wie für den in seiner Spielanlage sehr ähnlichen Ümit Korkmaz ? Fluch und Segen zugleich. Schließlich ist bekannt, dass Armin Veh ein Trainer ist, der auf Ballzirkulation und Ballsicherheit setzt, Spieler wie Pirmin Schwegler, Alexander Meier, Benjamin Köhler, Sebastian Rode sind da Paradebeispiele.

Bisher fällt nur Matthias Lehmann etwas ab, der Neuzugang kommt nicht ins Rollen, weshalb schon manch einer die Variante ins Spiel brachte, Lehmann auf die Bank zu rotieren, Rode als zweiten defensiven Mittelfeldspieler neben Schwegler zu postieren und Matmour nach rechts zu beordern. Wahrscheinlich ist das nicht, weil die Mannschaft in Braunschweig herausragend spielte, Lehmann ganz sicher viele, viele Spiele braucht ? und Veh natürlich nichts gegen einen so zuverlässig stechenden Joker wie Matmour einzuwenden hat.

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