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Jonathan de Guzman sichert sich im Spiel gegen den BVB die Lufthoheit.

Jonathan de Guzman

Johnny geht steil

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Eintracht-Spieler Jonathan de Guzman legt einen rasanten Aufstieg hin - und findet endlich in seinen Rhythmus.

Eigentlich, so war der gar nicht mal so geheime Plan im tiefen Winter, sollte der mexikanische Regisseur Marco Fabian mit seiner Kreativität und seinem Spielvermögen die Eintracht fußballerisch auf ein anderes Level heben. Nach seiner überstandenen Bandscheibenverletzung samt komplizierter Operation wartete Fußball-Frankfurt sehnsüchtig auf die Rückkehr des 28-Jährigen, der Spieler selbst war wild entschlossen, brannte auf sein Comeback. Er konnte es kaum erwarten. Heute, zweieinhalb Monate später und kurz vor dem Frühlingserwachen, ist Marco Fabian nur noch eine Randnotiz. Am Sonntag in Dortmund hat er es mal wieder nicht in den Kader geschafft, ein grippaler Infekt, hieß es offiziell, habe dem Mittelamerikaner zu schaffen gemacht. Fabian wäre aber so oder so nicht dabei gewesen.

Für den Techniker aus Mexiko ist ein anderer Techniker in die Bresche gesprungen, den wiederum überhaupt niemand auf der Rechnung und von dem keiner etwas erwartet hatte: Jonathan de Guzman, der Niederländer mit kanadischen Wurzeln. Trainer Niko Kovac zauberte den 30-Jährigen vor der Partie gegen Hannover 96 urplötzlich aus dem Hut, und der Routinier schlug sofort ein, erwies sich als Volltreffer.

Steigerung nach der Verletzungspause

Niemand hätte geglaubt, dass der in der Versenkung verschwundene de Guzman auf einmal einen Platz in der Startelf finden würde, zumal er es in dieser Saison nicht einmal ins Aufgebot gepackt hatte. Sein letztes Spiel hatte er Ende Oktober gegen Mainz 05 absolviert, im darauffolgenden Testspiel gegen den SV Sandhausen stürzte er unglücklich und zog sich eine Schultereckgelenksprengung zu. Eine schwerwiegende Verletzung. Seitdem lag der frühere niederländische Nationalspieler auf Eis, und man muss ehrlich sagen: So wirklich vermisst wurde er nicht.

Dazu waren seine Leistungen zu Saisonbeginn einfach viel zu dünn, der Mittelfeldmann wirkte langsam, träge, ja phlegmatisch, eben wie ein Akteur, der seine beste Zeit lange hinter sich hat, dem auf einmal alles zu schnell geht und der seine Karriere ausklingen lässt. Doch Pustekuchen.

Der de Guzman, der sich zurzeit auf den Bundesligaspielfeldern präsentiert, hat mit dem de Guzman aus dem alten Jahr nicht das Geringste zu tun, es scheint, als sei er in einen Jungbrunnen gefallen. Viele reiben sich verwundert die Augen.

Schon gegen Hannover hat er nach anfänglichen Schwierigkeiten eine gute Partie abgeliefert, und in Dortmund kam die Eintracht mit seiner Einwechslung zur zweiten Halbzeit erst so richtig in Fahrt. Er hat frischen Wind gebracht, das Spiel mit seiner fußballerischen Qualität belebt. „Johnny kam super rein, war sehr präsent und hat sich die Bälle abgeholt, er hat das richtig gut gemacht“, lobte Trainer Kovac.

Richtiges Gespür

Dem Fußballlehrer muss man hoch anrechnen, dass er oft den richtigen Zeitpunkt findet, um Spieler einzubauen, die vorher keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielten. Das zeigt zum einen die Aufbauarbeit, die im Training geleistet wird, zum anderen aber auch ein gutes Auge und ein feines Gespür, wann der Moment gekommen ist, um einen Akteur reinzuwerfen. Bei Marius Wolf, Danny da Costa und nun Jonathan de Guzman hat das perfekt funktioniert.

Weshalb der im kanadische Toronto geborene Profi auf einmal durchstartet, lässt sich vordergründig betrachtet nur schwerlich begründen. Vielleicht hat ihm sogar die schwere Verletzung, so merkwürdig sich das anhören mag, gut getan, so konnte er sich in Ruhe und ohne Druck an die Mannschaft heranarbeiten, so konnte er seinen Körper auf das höchste Level treiben. Er hat hart geschuftet – und „sich nie beschwert“, wie Coach Kovac sagte.

Als er nach Frankfurt kam, war er offenbar nicht richtig fit, vielleicht behinderten ihn auch noch frühere Blessuren, er fand jedenfalls nie seinen Rhythmus und kam nicht annähernd an sein altes Niveau heran. Dabei hatten die Verantwortlichen große Hoffnung in ihn gesetzt. Das Vertrauen zahlt er nun, mit etwas Verspätung, zurück. Von null auf hundert, wenn man so will.

De Guzman, dessen Bruder Julian zwischen 2002 und 2005 für Hannover 96 auflief und anders als Jonathan für die kanadische Nationalelf spielte, tut der Mannschaft mit seiner Ruhe, Spielintelligenz und Übersicht gut, er wirkt fit, sogar spritzig und schnell, und er prägt die Spiele. In Dortmund hatte er vor beiden Ausgleichstreffern seine Füße im Spiel, das 2:2 in der Nachspielzeit leitete er mit einem klugen Steckball in den Rücken der Abwehr ein. Er wäre auch einer der Frankfurter Helden gewesen, wenn das Unheil in der letzten Minute nicht noch seinen Lauf genommen hätte.

Der Herr der ruhenden Bälle

Denn auch das 1:1 durch Luka Jovic bereitete er mit einem Freistoß direkt vor, schon gegen Hannover führte sein feuriger Eckball zum Siegtreffer durch Danny da Costa. Die Standards sind sowieso seine größte Spezialität, eine richtige Waffe. „Sie sind phantastisch“, lobte Kovac.

Die Bälle kommen in der Tat mit der nötigen Schärfe, dem nötigen Effet und in der richtigen Höhe in die gefährlichen Zonen. Das fällt jetzt umso mehr auf, da Eintracht Frankfurt fast die gesamte Spielzeit über einen Schützen suchte, der eine gewisse Gefahr heraufbeschwören kann. Zumal Standards in der heutigen Zeit ein probates Mittel sein können, wenn es spielerisch mal nicht so läuft. De Guzman kann ruhende Bälle, keine Frage.

„Mit Johnny“, urteilte Kovac, „haben wir einen guten Fang gemacht.“ Es klang so, als habe es daran nie den Hauch eines Zweifels gegeben.

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