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Johannes Flum über den Coach: „Als klar war, dass Armin Veh kommt, war auch für mich klar, dass ich bleibe.“
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Johannes Flum über den Coach: „Als klar war, dass Armin Veh kommt, war auch für mich klar, dass ich bleibe.“

Interview Johannes Flum

„Jetzt bekomme ich wieder eine faire Chance“

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht-Mittelfeldspieler Johannes Flum über ein schweres Jahr unter Thomas Schaaf, seine Freude über Armin Veh und gelbe Leibchen im Training.

Nach einer guten halben Stunde im Gespräch mit der FR wird Johannes Flum unruhig. Er wolle das Interview nicht abbrechen, aber er müsse jetzt in die Kabine: Zuspätkommen kostet. Und da der 27-Jährige gebürtige Waldshuter mannschaftsintern als Schatzmeister fungiert, sollte er pünktlich kommen. Sonst ist Flum, der in seinem ersten Jahr bei Eintracht Frankfurt 36 Pflichtspiele absolvierte, bis ihn ein Schulterbruch stoppte, derzeit durchaus mit sich im Reinen: Der Mittelfeldspieler sieht sportlich endlich wieder Land – obwohl er bisher nicht zum Zuge kam. Unter dem ehemaligen Eintracht-Trainer Thomas Schaaf war er aufs Abstellgleis geschoben worden. Daran wäre er fast zerbrochen.

Herr Flum, um gleich mal provokant zu fragen: Im Grunde hat sich für Sie trotz der Rückkehr von Armin Veh nichts geändert: Sie haben immer noch keine Minute gespielt.
Auf den ersten Blick sieht das so aus, ja. Für mich persönlich war der Start nicht so gut. Nichtsdestotrotz ist es so, dass ich jetzt ganz anders ins Training gehe, ich habe eine völlig andere Sicht auf das Training, auf das Spiel, auf das Ganze. Ich weiß, dass ich jetzt wieder eine faire Chance bekomme und deshalb bin ich wirklich mit Begeisterung dabei. Daher kann man das überhaupt nicht vergleichen.

Was hat sich jetzt verändert?
Im vergangenen Jahr war es so, dass ich zu Beginn der Rückrunde gemerkt habe, unter Trainer Thomas Schaaf bekomme ich keine Chance mehr. Ich habe mich nie hängen lassen, habe versucht, immer gut zu trainieren und Gas zu geben. Dennoch war ich nie dabei. Und wir haben ja auch nicht so dominant gespielt, dass man hätte sagen können, die Mannschaft steht, da kommt man nicht rein. Alle anderen haben irgendwann mal gespielt, nur ich nicht.

Haben Sie mal das Gespräch gesucht mit Thomas Schaaf, haben Sie die Gründe für ihre Nichtberücksichtigung in Erfahrung bringen können?
Es ist klar, dass man sich Gedanken macht, sich selbst fragt: Was mache ich falsch, was machen die anderen besser. Ich habe aber keine Antwort gefunden und auch keine bekommen. Dann habe ich nur noch den Blick nach vorne gerichtet und nur noch für mich trainiert, um fit zu bleiben. Ich durfte das alles auch nicht zu sehr an mich herankommen lassen, sonst hätte mich das aufgerieben.

Das ist Ihnen oft nicht leicht gefallen.
Das stimmt. Vor allem, wenn man die ganze Woche aus meiner Sicht ordentlich trainiert hat und ich am Wochenende dann gar nicht im Kader war. Aber das ist alles Vergangenheit und vorbei. Lassen Sie uns über die Zukunft reden.

Okay. Was ist denn jetzt unter Trainer Veh anders?
Als Erstes: Er lässt einen anderen Fußball spielen. Einen Fußball, der meiner Art zu spielen viel mehr entspricht. Kurzpass, Kombination, damit bin ich groß geworden, das habe ich mein ganzes Leben gespielt. Das üben wir im Training ständig und darauf freue ich mich jeden Tag. Und nach so einem schwierigen Jahr ist man doppelt motiviert.

Und dann bekommt der Johannes Flum im ersten Training unter Veh im Training gleich das Gelbe Leibchen.
Ja (lacht). Das tat schon gut. Auch in der Vorbereitung habe ich meine Spielzeiten bekommen. Ich bin gut durchgekommen, war nicht verletzt, ich bin fit.

Hat es Sie gefreut, dass Armin Veh wieder Trainer wird.
Ja, das muss ich wirklich sagen.

Weil es eine persönliche Beziehung gibt zum Coach oder nur, weil Sie sich unter ihm größere Chancen ausrechneten?
Sowohl als auch. Ich schätze ihn als Mensch sehr und ich schätze, welche Auffassung er von Fußball hat. Ich fühle mich in Frankfurt richtig wohl. Gute Stadt, tolles Stadion, fantastische Fans. Und doch, glaube ich, hätte ich den Klub gewechselt, wenn Thomas Schaaf Trainer geblieben wäre. Als klar war, dass Armin Veh kommt, war auch für mich klar, dass ich bleibe.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Und doch haben Sie bislang in der Bundesliga noch nicht spielen dürfen.
Der Trainer hat sich bisher immer für andere entschieden. Das ist zu akzeptieren und das habe ich bislang immer getan. Das ist ärgerlich und enttäuschend. Aber wenn ich nicht enttäuscht wäre, dann kann ich aufhören und Hobbyfußball spielen. Ich hoffe, dass ich demnächst spiele, aber durch Reden ist noch keiner in die Mannschaft gekommen. Ich bin dennoch von meinen Qualitäten überzeugt.

Es gibt für Sie keinen Grund, an sich zu zweifeln?
Nein. Zweifel kommen bei mir nicht auf. Aber natürlich mache ich mir Gedanken, was ich besser machen kann, was ich besser machen muss. Aber Selbstzweifel habe ich nicht. Das wäre auch der falsche Weg.

Ihr letztes wirklich ernsthaftes Spiel datiert ja eigentlich aus dem April 2014. Wenn man so lange keine Wettkampfpraxis hat, wie schwierig ist es da, überhaupt wieder in einen Rhythmus zu kommen?
Stimmt, lange her. Es war das Heimspiel gegen Mainz, das wir 2:0 gewonnen haben und in dem ich mich an der Schulter verletzt habe. Es ist wirklich schon lange her, da haben Sie Recht. Wettkampfpraxis ist nicht zu ersetzen. Freundschaftsspiele wie vergangene Woche gegen Sandhausen kannst du ja mit der Bundesliga überhaupt nicht vergleichen. Ich hatte dieses Bundesliga-Gefühl schon lange nicht mehr. Gegen Ende der vergangenen Saison noch mal so zwei, drei Kurzeinsätze, aber das kann man nicht wirklich zählen. Aber wie gesagt: Ich habe alles mitgemacht, ich bin fit, ich fühle mich auch bereit zu spielen. Ich will im Training so überzeugen, dass der Trainer sagt: ,Okay, der Flumi ist da, den kann ich in der Bundesliga bringen, den kann ich von Anfang an stellen.‘ Ich bin überzeugt davon, dass mir der Trainer die Chance geben wird und ich dann auch meine Leistung bringen werde.

Jetzt kommt womöglich erst noch mal Alex Meier zurück.
Ja, klar, wenn Alex zurückkommt, wird es auch nicht einfacher. Aber ich bin dennoch überzeugt, dass ich meine Chance bekommen werde.

Aber so der klassische Einwechselspieler sind Sie eigentlich auch nicht, Sie brauchen immer einen Moment, um ins Spiel hineinzufinden.
Ich bin jetzt kein Typ, den man die letzten zehn Minuten bringen kann, um das Ergebnis zu halten. Ich sehe mich eher als Spieler, der dann noch mal neue Impulse setzt. Im Mittelfeld bin ich flexibel und variabel einsetzbar. Iggy (Aleksandar Ignjovski; Anm. d. Red.) hat es jetzt in Stuttgart vorgemacht, er hat auch noch was nach vorne gemacht. Das war gut. Obwohl er von der Ausrichtung ja eher defensiver ist als ich.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Haben Sie ein Gefühl für die Mannschaft entwickeln können, wie gut sie wirklich ist?
Ich denke, von der individuellen Klasse her sind wir sehr gut aufgestellt. Wir haben eine super Mischung, wir müssen es jetzt hinbekommen, so wie wir es auch am Samstag in Stuttgart hinbekommen haben. Wir haben eine richtig gute Mannschaft, die in der Bundesliga gut mithalten kann. Was dann dabei rumkommt, weiß ich nicht. Das weiß man ja nie so genau. Aber von der Art und Weise, wie wir Fußball spielen können, kann da etwas entstehen.

Aber die Mannschaften in der Liga sind ja von der Leistungsdichte alle nicht allzu weit auseinander. Wenn Martin Harnik in Stuttgart den Ball reinschießt und nicht über die Latte, wer weiß, wie dann das Spiel ausgeht.
Ja, Bundesliga ist einfach Wahnsinn. Das ist so eng, da entscheiden Nuancen. Es ist jede Woche ein Hauen und Stechen. Mit 98 Prozent Leistung verlierst du in der Bundesliga gegen jeden Gegner. Wenn man aber als Mannschaft bereit ist, für den anderen alles zu geben, dann können das die kleinen Unterschiede ausmachen. Wenn jeder Einzelne bereit ist, für die Mannschaft da zu sein und sein Ego nach hinten zu schieben und zurückzustecken, wenn er mal nicht spielt, also wenn wir wirklich ein Team sind, dann können wir eine richtig gute Saison spielen. Dass wir diese Mentalität haben, davon bin ich überzeugt. Jeder gönnt dem anderen den persönlichen Erfolg, auch wenn man vielleicht mal nicht spielt. Keiner spielt die beleidigte Leberwurst. Jeder unterstützt den anderen und steht dem anderen zur Seite.

Und trotzdem wundert es einen, dass es spielerisch bei der Eintracht noch nicht so wirklich rund läuft, da noch vieles holpert und hakt.
Ich denke, man muss uns schon ein bisschen Zeit geben. Jeder will am Anfang unbedingt und dann verkrampft man vielleicht ein bisschen. Ich bin auch so ein Typ, der manchmal zu viel will. Da muss man eher mal loslassen. Aber ich denke, das kommt schon. Das spielerische Niveau, das in uns steckt, das werden wir erreichen können. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Und wir haben da einiges an Potenzial.

Aber ist nicht vieles auch eine Frage der Sicherheit und des Selbstvertrauens? Gerade bei dieser Spielweise.
Klar, aber Lockerheit und Sicherheit muss man sich verdienen. Und die verdient man sich im Training und in Spielen, in denen du das zeigst, was du dir vorgenommen hast. Ich finde das bisher auch okay: Vier Punkte nach drei Spielen, davon zwei auswärts und eines in Wolfsburg, wo wir im Übrigen auch etwas hätten mitnehmen können. Und nächsten Samstag kommt dann Köln, das wird auch ein schweres Spiel. Die Kölner haben einen super Start, eine super Mannschaft, sie sind stabiler geworden. Ich bin aber überzeugt davon, dass wir ein gutes Spiel abliefern werden, weil ich einfach weiß, was wir können.

Interview: Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

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