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Immer hautnah dabei, hier gegen Luc Castaignos: A-Jugendtrainer Alexander Schur.

Interview Alex Schur

„Jeder trägt ein Päckchen“

Eintracht Frankfurts A-Jugend-Trainer Alexander Schur über Auf und Abs, Flows und Blockaden.

Von Manuel Schubert

Vor Alexander Schur liegen ein paar entspannte Tage. Seit vergangenen Dienstag hat der Trainer der U19 von Eintracht Frankfurt frei, erst am 3. Januar muss er die Arbeit wieder aufnehmen, dann steht zum Start der Vorbereitung auf die Rückrunde ein Turnier an. Zeit für ein Hinrundenfazit. Im Interview mit der FR spricht der Coach über den Fehlstart der A-Jugend, den darauffolgenden Aufschwung und wagt einen Blick in die Zukunft.

Herr Schur, Ihre Mannschaft steht nach holprigem Start auf dem siebten Tabellenplatz, im gesicherten Mittelfeld also. Da kann man doch ganz entspannt Weihnachten feiern, oder?
Das hätte ich sowieso gemacht. (lacht) Nein, im Ernst, es ist ein bisschen schade, dass wir in unseren letzten zwei Spielen nicht so erfolgreich waren. Aber sonst bin ich zufrieden. Das Derby gegen Darmstadt (0:1, Anm.d.Red.) war ein sehr, sehr umkämpftes, erwartet zähes Spiel. Da sind wir ein bisschen an uns selbst gescheitert, haben nicht das entscheidende Tor gemacht. Die Partie in Stuttgart (ebenfalls 0:1) war eigentlich gut. Unser Spiel war in Ordnung, das Ergebnis nicht.

Ihr Fazit zur Hinrunde?
Wir haben alles gezeigt, von sehr, sehr schwach bis super. Wir hatten turbulente Spiele und welche, die ganz einfach waren. Da wünsche ich mir natürlich, dass die Spieler ein bisschen stabiler werden. Daran müssen wir arbeiten.

Nur eines hat Ihr Team fast nie gezeigt: ein Unentschieden. In 14 Spielen gab es nur ein einziges Remis. Weshalb kann Ihre Mannschaft nur Hop oder Top?

Das will ich so. Wir geben immer Vollgas. Mir ist es lieber, wenn wir mal mit wehenden Fahnen untergehen, als wenn wir auf Unentschieden spielen. Wenn es zehn Minuten vor Schluss unentschieden steht, dann versuchen wir immer, noch zu gewinnen. Da passiert es halt auch mal, dass man in einen Konter reinläuft.

Wie konnte es zum Fehlstart mit vier Niederlagen aus vier Spielen kommen?
Wir waren gar nicht so schlecht, wie sich das anhört. Phasenweise haben wir schon damals sehr gut gespielt. Dass wir trotzdem viermal verloren haben, war natürlich ein bisschen blöd, aber die Mannschaft hat das sehr gut aufgefangen. Wenn wir jetzt am Ende noch drei, vier Punkte geholt hätten, wären wir in einer sehr guten Position. So stehen wir jetzt nur im Mittelfeld, da muss man immer aufpassen. Es ist nicht so, dass man sich da keine Gedanken mehr machen bräuchte.

Nach dem angesprochenen Fehlstart legte die Eintracht eine unglaubliche Serie hin: sechs Siege aus sieben Partien. Wie ist das gelungen?
Wenn du oft verloren hast und dann ein Spiel gewinnst, dann bekommst du eine Euphorie in der Mannschaft. Wir waren in so einem richtigen Flow drinnen. Wir wurden immer gieriger auf den nächsten Sieg.

Welches Ziel schreiben Sie für die Rückrunde aus?
Wir wollen stabiler werden, in der Abwehr besser stehen. Wir lassen in jedem Spiel zwei hundertprozentige Chancen zu, das geht nicht. Das große Manko dieser Mannschaft ist leider, dass manche nicht 90 Minuten lang ihre volle Konzentration aufrechterhalten können. Wir brauchen sehr viel Glück, um hinten die null zu halten. Daran müssen wir in der Vorbereitung hart arbeiten.

Es war zu hören, dass die Mannschaft anfangs ein wenig gebraucht habe, um zu einander zu finden. Stimmt das?
Mit Leon Bätge aus Wolfsburg, Eric Gründemann aus Magdeburg oder Niklas Thiel aus Hamburg haben wir Leute geholt, die ihre Familien verlassen mussten. Dass es da erst einmal ein paar Anpassungsprobleme gibt, ist normal. Dazu hatten wir Langzeitverletzte wie Yves Mfumu oder Aymen Barkok, die sehr gute Spieler sind, aber die komplette Vorbereitung verpasst haben. Auch Nico Rinderknecht, der ein wichtiger Mann für uns ist, konnte drei Viertel nicht mitmachen.

Rinderknecht wurde vergangenes Wochenende in Dortmund bei den Profis eingewechselt. Ist er einer, der näher heranrückt?
Er hat gespielt, das zeigt, dass Armin Veh ihn für gut befindet. Er ist sicher nicht die Nummer 18 oder 19 im Profikader, es sind ja viele verletzt zurzeit. Aber für den Jungen ist das trotzdem ein klasse Erlebnis, vor so einer Kulisse aufzulaufen. Das ist doch eine schöne Sache.

Sie verfolgen sicher auch den Werdegang Ihrer ehemaligen A-Jugend-Spieler Luca Waldschmidt und Yannick Zummack.
Luca bekommt viele Einsätze und er hat das bislang sehr, sehr gut gemacht. Er spielt aufopferungsvoll und bringt immer frischen Wind rein. Nur hatte er nicht die Fortune, ein Tor zu machen. Für Yannick ist es mit vier Torhütern natürlich eine schwierige Situation. Vor allem, wenn du so einen klasse Mann wie Hradecky vor dir hast. Aber das Training tut ihm gut, die Schüsse. Und die Flanken haben da eine ganz andere Qualität.

Wie ist der Austausch mit dem Trainerteam der Profis? Sie sind ja seit einiger Zeit nicht mehr beim Training dabei.
Dort mal einen Einblick zu bekommen, war total interessant und hat riesigen Spaß gemacht. Aber es war ein extremer Zeitaufwand für mich, ich war ständig unterwegs und hatte nicht immer Zeit, unsere Spiele in Ruhe zu analysieren. Aber der Austausch besteht weiterhin und ist auch viel besser geworden, ich bin noch ganz angetan davon. Wir telefonieren oft. Reiner Geyer kommt oft an den Riederwald, er trainiert hier eine Mannschaft mit Spielern aus drei Jahrgängen.

Wie beurteilen Sie die momentane Situation der Profis?
Als Spieler trägt man ein Päckchen mit auf den Platz, das ist ganz normal. Ich habe das auch ein paar Mal erlebt. Es heißt ja auch Fußball spielen, das hat etwas mit Spaß zu tun. Aber man sieht, dass momentan eine Blockade da ist. So etwas bietet aber eine Chance, zu zeigen, dass man eine Persönlichkeit ist. In Dortmund ist zum Beispiel Alex Meier vorangegangen, das hat mir sehr gut gefallen. Und wenn du aus so einer Situation rauskommst, bist du als Mannschaft gestählt.

Interview: Manuel Schubert

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