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„Jeder Investor, der zu uns kommt, muss die Kultur der Eintracht akzeptieren“, sagt Eintracht-Vorstand Axel Hellmann.

Eintracht Frankfurt Axel Hellmann

"Jeder Investor, der zu uns kommt, muss die Kultur der Eintracht akzeptieren"

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann spricht im Interview über den Aufschwung, die Strahlkraft des Klubs in der Region und den Stadionausbau.

Von Ingo Durstewitz, Jörg Hanau, Thomas Kilchenstein, Jan Christian Müller, Timur Tinç

Axel Hellmann, 45, ist bei Eintracht Frankfurt für die oftmals sperrigen Themen abseits des Fußballplatzes zuständig. Das Vorstandsmitglied bringt im Hintergrund, im Schatten des Scheinwerferlichts vieles auf den Weg. In der Öffentlichkeit hatte sich der Vater zweier Söhne rar gemacht in den vergangenen Monaten. Für die FR hat sich der Jurist, der seit 15 Jahre in verschiedenen Positionen für die Eintracht arbeitet und dem Vorstand seit viereinhalb Jahren angehört, viel Zeit genommen, rund zwei Stunden lässt er sich auf den Zahn fühlen.

Herr Hellmann, es muss für Sie doch eine ungewöhnliche Situation sein: Eintracht Frankfurt spielt guten und erfolgreichen Fußball – und Sie müssen keine Brände austreten.
Es ist sehr angenehm. Es war aber auch nicht so, dass wir seit dem Wiederaufstieg nur turbulente Zeiten im Übermaß hatten.

Die Rückrunde der zurückliegenden Saison war keine Extremsituation?
Es war eine Extremsituation, aber eine für Eintracht Frankfurt unübliche. Da war die Lage aufgedreht und überhitzt. Aus der Trainerfrage (Armin Veh; Anm. d. Red.) ist ja quasi ein Glaubenskonflikt gemacht worden. Es ging weit über Diskussionen um die Aufstellung und Taktik hinaus. Ich erinnere in Schlagworten nur daran: Aufhebung des Leistungsprinzips, Seilschaften, Rotwein-Fraktion. Die Trainerfrage war eine Frontlinie, die den Verein und seine Anhänger zeitweise gespalten hat.

Die Eintracht stand zeitweilig mit eineinhalb Beinen in der zweiten Liga. Wie schwierig war diese Zeit rückblickend?
Ich weiß noch genau, wann ich mich gedanklich mit der zweiten Liga abgefunden hatte. Das war nach dem Leverkusen-Spiel, in dem wir stabil waren, eine riesige Chance durch Sonny Kittel vergeben und glatt 0:3 verloren haben. Ich erinnere mich auch noch an den wehmütigen Rest-in-Peace-Blick von Rudi Völler und an die Heimfahrt, in der es sehr still war in unserem Auto. Ich muss aber sagen: Auch ein Abstieg wäre kein Untergangsszenario gewesen. Wir waren vorbereitet.

Und jetzt der Aufschwung. Ist so etwas auch nur im Ansatz planbar?
Nein. Aber ich gebe auch zu bedenken, dass erst ein Viertel der Saison gespielt ist. Es kann noch so viel passieren. Der große Unterschied ist jetzt jedoch, dass wir im sportlichen Bereich ein einhelliges Bild abgeben in Bezug auf Einsatzbereitschaft und Willen, welche Grundlagen man legen muss, um Erfolg zu haben. Und es werden mittlerweile Finger in Wunden gelegt, um die man vorher einen Bogen gemacht hat. Eine neue sportliche Führung bringt immer auch die Chance mit sich, völlig unbelastet die Frage zu stellen, wo die Schwächen im System lagen und liegen.

Können Sie das konkretisieren?
Es ging zum einen um bestimmte Positionen in der Mannschaft, zum anderen aber auch im Funktionsteam. Auch infrastrukturelle Mängel sind klar benannt worden. Ich werde niemandem attestieren, schlechte Arbeit geleistet zu haben. Ich merke aber jetzt, was eine gute, engagierte Arbeit ist, nämlich: Nie zufrieden zu sein. Dafür braucht man eine Trainerfigur, die diese Professionalität dem gesamten Team abverlangt. Und diese Aufarbeitung, die wir im Sommer vorgenommen haben und die gleichermaßen Personal und Infrastruktur betroffen hat, scheint in die richtige Richtung zu führen.

Also ist die in Frankfurt wohl bekannte Theorie, wonach alles zementiert ist, endlich obsolet?
Es steht außer Frage, dass es wirtschaftlich starke Verein gibt, die auf lange Sicht die Liga dominieren. Das System ist aber auch durchlässig. Es gibt immer Wege nach oben. Das haben uns andere Vereine vorgemacht, etwa Mainz 05 oder Gladbach, jetzt Köln oder Hertha Berlin. Wenn man kontinuierlich an bestimmten Stellschrauben dreht, kommt man auch nach vorne. Wenn dann Begehrlichkeiten von anderen, potenteren Klubs kommen, musst du als aufstrebender Verein immer reagieren können, wenn dir deine Leistungsträger weggekauft werden. Die größte sportliche Herausforderung für uns ist doch: Haben wir einen Plan, präzise gesagt: einen gleichwertigen Ersatz, wenn uns unsere Leistungsträger weggeholt werden. Schauen Sie nur auf unseren Torwart: Was machen wir, wenn einer fünfzehn Millionen Euro für Lukas Hradecky bietet? Da brauchst du sofort ein, zwei Ideen, was danach kommen kann. Denn Eintracht Frankfurt ist kein Klub, der eine Fünfzehn-Millionen-Offerte einfach ablehnen kann. Hierüber haben wir im Vorstand absolute Einigkeit.

Das ist doch der springende Punkt: Wie kommt Eintracht Frankfurt an frisches Geld, wenn man keinen Kevin Trapp oder Lukas Hradecky verkaufen kann oder will?
Das berühmte „frische Geld“ kann nur aus drei Positionen erwachsen. Erstens aus einer Steigerung der Erlöse, zweitens aus geringeren Kosten und drittens über eine Kapitalaufnahme. Idealerweise kommen die ersten beiden Punkte zusammen. Zur Kostenseite sind unsere Leitplanken ja allseits bekannt. Hier sind wir durch den Stadionvertrag und den Vermarktungsvertrag bis 2020 eingeschränkt. Auf der Erlösseite, das heißt vor allem im werblichen Bereich, sind unsere Wachstumsmöglichkeiten fast ausgeschöpft. Da ist kaum noch Luft nach oben, da sprechen wir von Erlösen von bestenfalls drei Millionen brutto. Der zweite Strang sind die Medienentgelte. Da gibt es einen gut dotierten TV-Vertrag für die nächsten vier Jahre, und da geht es jetzt um die Verteilung.

Sie haben mit der Gründung des Teams Marktwert eine Diskussion angestoßen, wonach Traditionsklubs bei der Verteilung der TV-Gelder besser gestellt werden sollen. Zuletzt ist es aber ruhig geworden um diese Initiative.
Schauen Sie sich doch mal die Zuschauerzahlen bei Sky an. Das Spiel Darmstadt gegen Leipzig haben sich 5000 Menschen angeschaut, Mainz gegen Ingolstadt 10 000. Wenn wir gegen Köln am Samstagabend spielen, wollen das 800 000 oder mehr Leute sehen. Wenn also Pay-TV der große wirtschaftliche Treiber der Bundesliga ist, muss es am Ende bei den Vereinen einen stärken Rückfluss geben, die mit ihren Fanmassen das Pay-TV-System speisen und den Marktwert der Liga noch oben schrauben. Im Ligapräsidium wird dieses Thema sicherlich noch vor Weihnachten behandelt. Alle Argumente sind ausgetauscht und liegen bei den Verantwortlichen auf dem Tisch. Es gibt keinen Grund, darüber jetzt eine öffentliche Debatte zu führen. Schauen wir erst einmal, was entschieden wird.

Welche Möglichkeiten, finanzielle Töpfe anzuzapfen, gibt es überdies?
Jenseits von Erlössteigerungen bleiben dann nur die üblichen Finanzierungsformen. Hier haben wir in der letzten Saison ein Genussscheinmodell entwickelt, das aber aufgrund unserer sportlichen Situation nicht platzierbar gewesen ist. Genussscheine kann man nur ausgeben bei stabilen sportlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Wir ziehen das aber in angepasster Form weiterhin in Erwägung.

Wie sieht es mit Investoren aus? Öffnet sich die Eintracht da? Oder ist das, so lange es die 50+1-Regel gibt, gar kein Thema?
Zweifelsfrei gibt es auch für uns die Möglichkeit, einen Strategischen Partner mit ins Boot zu holen. Aber ich sage allen, die schnell einer Lockerung der 50+1-Regel das Wort reden: Guckt euch die Investorenmodelle im europäischen Fußball ganz genau an. Wenn wie bei einigen Vereinen in Italien und England die Finanzierungskosten für den Kauf des Klubs diesem aufgebürdet werden und das laufende Geschäft belasten, dann begrenzt das auf Sicht das sportliche Wachstum und schafft überdies große Abhängigkeiten. Hier muss man ganz genau hinsehen. Das Wegwischen von 50+1 bedeutet am Ende nicht zwangsläufig, dass es dem Fußball oder der Eintracht dann besser gehen würde. Das ist ein Trugschluss. Ich warne auch vor Modellen, die einen Klub in den Abgrund reißen können, etwa wenn Einzelpersonen als Investoren Einfluss auf das operative Geschäft nehmen. Beispiele gibt es hier ja auch in der Bundesliga. Und es ist sehr schwer, die Fluttore wieder zu schließen, die einmal geöffnet wurden. Wir haben das 2002/03 gerade mal so geschafft, uns von den Fesseln des Octagon-Deals zu befreien.

Aber 50+1 wird von vielen keine Zukunft mehr gegeben.
Ich halte die Regel für sinnvoll und gut, glaube aber auch, dass wir in der Liga bei 50+1 ein Rückzugsgefecht führen. Wir sollten diese Zeit nutzen, um uns mit dem Thema Investoren langfristig und konstruktiv zu beschäftigen. Wir müssen lernen, mit Investoren richtig umzugehen. Wir haben diese Erfahrungen bei Eintracht Frankfurt doch gemacht mit dem Kampf der Kulturen. Es traf ein angloamerikanischer Investor auf einen etwas angestaubten Bundesligaklub. Da prallten Welten aufeinander. Da sagte die Neue Welt zur Alten Welt: Jetzt machen wir Fußball mal richtig – und dabei wussten die gar nicht, wie Fußball bis in die letzten Enden des Nachwuchsfußballs und der Fankultur funktioniert. Wir haben bei Eintracht Frankfurt zehn, zwölf Jahre gebraucht, um die Folgen dieser Paralleluniversen in der Eintracht-Welt zu überwinden. Jeder Investor, der zu uns kommt, muss die Kultur des Klubs und die Mentalität einer Region akzeptieren. Wenn er kommt und sagt: „Wenn ich Geld gebe, bestimme ich auch, was die Kapelle zu spielen hat“, wird das bei uns nicht funktionieren.

So wie Kühne in Hamburg?
Das lasse ich mal unkommentiert stehen.        

Zehn Jahre waren Visionen in Frankfurt verboten. Nun können Sie es ja sagen: Welche Visionen haben Sie für die Eintracht?
Ich habe keine, die ich in Tabellenplätzen ausdrücken möchte. Ich würde es so formulieren: Ich würde gerne die tiefe Verankerung in der Region ausbauen. Von Wetzlar über Fulda bis nach Aschaffenburg und in den Odenwald hinein: Die Eintracht muss immer der Klub Nummer eins der gesamten Region sein. Die Menschen in der Region sollen stolz auf ihre Eintracht sein. Wir müssen immer wieder und immer mehr junge Menschen zum Fußball holen, und der Stadionbesuch muss bezahlbar sein.

Aber Sie haben sich doch auch die Internationalisierung auf die Fahnen geschrieben.
Die Internationalisierung der Bundesliga hat längst begonnen und wir sind Teil davon. Wir werden das Spiel international mitspielen. Da müssen wir deutschen Klubs noch viel lernen und mehr machen. Meine Überzeugung ist, dass dies nur im Schulterschluss zwischen Liga und Klubs gehen wird. Um die internationale Vernetzung in den Zielmärkten, um Freundschaftsspiele auf allen Kontinenten und um Kooperationen mit Klubs in China, USA und Indien wird kein Weg herum führen. Denn dass wir noch mal eine solche Wertsteigerung der nationalen Medienerlöse erreichen werden, das kann ich mir nicht vorstellen. Die zukünftigen Wachstumshebel liegen im Bereich der internationalen Erlöse aus der Verwertung der Medienrechte der Bundesliga.

Wo gibt es weitere Wachstumschancen? Wie wäre es zum Beispiel mit einem Stadionausbau?
Wir teilen die Position des Stadionbetreibers, das Stadion auf annähernd 60.000 Zuschauer auszubauen. Ich sehe da Chancen im Bereich der Business-Seats und vor allem im Stehplatzbereich. Wir sind ein Volksverein. Fußball muss für alle da sein, es muss die Möglichkeit geben, für Schüler, Studenten, Rentner und auch sozial Schwächere Live-Fußball zu erleben. Dieses Angebot müssen wir bei Eintracht Frankfurt immer aufrechterhalten und wollen es gerne noch ausbauen. Und deshalb ist ein erweiterter Stehplatzbereich für uns von größerem Interesse. So kann man im Stadion auf eine Zuschauerkapazität von bis zu 60.000 kommen. Klar ist aber auch, dass wir einen möglichen Ausbau nicht alleine durchführen können, da das Stadion der Stadt gehört.

Da sind wir ja schon bei einem anderen Punkt: Die Heimat der Eintracht-Profimannschaft soll das Stadion im Stadtwald sein. Doch da platzt alles aus allen Nähten. Es gibt Pläne, die Geschäftsstelle dorthin zu bauen, wo jetzt Tennis gespielt wird. Wie weit sind Sie bei diesem Thema?
Das Stadion-Gelände ist der Ort, an dem sich der gesamte Profi-Fußball in den kommenden 50 Jahren bei der Eintracht abspielen wird. Als Spielstätte, als Trainingszentrum für die Profis, vielleicht auch für bestimmte Jugendmannschaften und für die Geschäftsstelle. Alles andere ist unrealistisch und wäre falsch gedacht. Wir haben da großen Nachholbedarf. In den vergangenen zehn Jahren haben fast alle Bundesligisten ihre Infrastruktur in allen Bereichen ausgebaut. Wir konnten das nicht. Wir platzen aber jetzt in der Tat aus allen Nähten. Das gilt für den administrativen und den sportlichen Bereich. Es ist einfach so: Im Wettbewerb um Spieler müssen wir auch da nachlegen. Es gibt heute keinen Spieler mehr, der sich nicht vorher alles zeigen lässt. Und klar hört man da häufig: „Tolle Tradition, super Klub, klasse Perspektive, überragende Fans…“ Aber bei der Infrastruktur sagt keiner: „Wow, das ist aber geil hier.“ Das jedoch müssen wir schaffen. Denn der Kampf um die Spieler, die wir haben wollen, funktioniert auch über die emotionale Schiene.

Noch mal, ganz konkret: Wie stehen die Chancen, die Geschäftsstelle auf das bisherige Tennisgelände zu bauen? Man hört immer wieder, dass Ex-Tennisprofi Alexander Waske dort eine Tennisakademie errichten will.
Wir haben im letzten Frühjahr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Grundlage für die Studie war unsere Planung, dass wir in zehn Jahren im sportlichen Bereich bis zu 100 Mitarbeiter und im administrativen Bereich etwa 200 Mitarbeiter haben werden. Dafür brauchen wir ein geeignetes Baugrundstück. Auf dem Stadiongelände kommen dafür nur zwei Flächen in Frage. Die eine ist der Busparkplatz, P9, dort werden momentan aber die Busse der Gästefans hingeleitet. Das ist für die Polizei sehr wichtig, weil die Anhänger von dort schnell in den Gästeblock geleiten werden können. Das ist nicht zu unterschätzen. Dennoch wäre das ein denkbarer Standort, aber eben aus unterschiedlichen Gründen nicht optimal. Der ideale Standort wäre die so gut wie nicht genutzte Tennisanlage. Dort gibt es sowieso einen gewissen Sanierungsbedarf. Wir favorisieren ganz klar diesen Standort, weil er uns die nötigen Wachstumsmöglichkeiten bietet und unsere Wettbewerbsfähigkeit sichert.

Aber das wird doch einen Aufschrei geben. Der Profifußball macht den Breitensport platt.
Damit ist nicht zu rechnen, weil die Tennisanlage aktuell kaum genutzt wird und auch das Konzept einer Tennisakademie an dem Standort ja nicht Breitensport, sondern Elitenförderung zum Gegenstand hat. Der Sportflächenplan der Stadt weist aus, dass es in der Stadt ein Überangebot an Tennisplätzen gibt. Deshalb verstehe ich nicht, weshalb man nicht versucht, die bestehenden Tenniskapazitäten in der Stadt voll auszuschöpfen und die Akademie ausgerechnet dort errichten will. Wir hingegen können nicht an einen anderen Standort ausweichen. Für uns geht es nur am Stadion. Wir brauchen dort eine langfristige Entwicklungsmöglichkeit, weil der Wettbewerb in der Bundesliga das uns abverlangen wird, ja bereits abverlangt. Von daher kann ich unseren Trainer schon verstehen, der Druck in dieser Frage gemacht hat.

Von welcher finanziellen Größenordnung sprechen wir?
Wir planen mit 25 bis 30 Millionen Euro. Die können wir über 20 Jahre finanzieren. Und die steigenden Medienerlöse erlauben uns, einen Teil davon in die Infrastruktur zu stecken. Das haben wir auch im Vorstand so entschieden. Es soll nicht alles in den sportlichen Bereich fließen. Die Politik der wirtschaftlichen Vernunft der letzten Jahre zahlt sich jetzt aus, denn wir können als schuldenfreier Klub nun in die Zukunft investieren. Wir sind gesund, weshalb wir Fremdkapital in Höhe von 25 Millionen Euro schultern könnten.

Wie geht es jetzt weiter?
Die Stadt muss nun entscheiden, und wenn wir das zielgerichtet angehen wollen, muss eine Entscheidung vor Weihnachten fallen, damit wir mit allen konkreten Bauplanungen und Genehmigungsverfahren beginnen können, um im Laufe der Saison 2019/20 in dem neuen Komplex die Arbeit aufnehmen zu können. Es geht darum, ein wettbewerbsfähiges Umfeld für unsere Profimannschaft zu schaffen, die auch in der Zukunft erfolgreich Fußball spielen soll – und zwar idealerweise in der ersten Tabellenhälfte der Bundesliga.

Die Eintracht fühlt sich von der Stadt nicht immer pfleglich behandelt. Hat sich das geändert?
Aus der Distanz gewinnt man manchmal den Eindruck, dass andere Städte ihre Bundesligaklubs stärker unterstützen. Ich habe hier manchmal das Gefühl, dass man der Meinung ist, wir würden schon irgendwie gute Ergebnisse in der Bundesliga hinzaubern. Dabei ist unsere Ausgangslage mit dem Stadionvertrag erheblich schlechter als die unserer Mitbewerber. Nehmen Sie Berlin, da hat die Hertha über Jahre gar keine Stadionmiete gezahlt, weil der Verein finanziell die Mittel für die sportliche Entwicklung benötigt hat. Und jetzt befindet sich die Hertha auf dem Weg nach vorne. Das kann sich für den Berliner Senat noch doppelt und dreifach auszahlen, wenn die Hertha international spielen sollte. Oder der 1.FC Köln. Hier werden Modelle mit der Stadt für einen Stadionausbau auf 60 000 Zuschauer oder mehr diskutiert. Und die werden bald 100 000 Mitglieder haben. Ein Verein mit 100.000 Mitgliedern ist für Sponsoren oder Investoren höchst interessant. Und man spürt doch jetzt schon die Wucht des 1.FC Köln. Die haben Ruhe, gehen nach vorne, sind erfolgreich, arbeiten an ihrer Infrastruktur. Und die Leute rennen ihnen die Bude ein. Da müssen wir aufholen. Aber dazu brauchen wir die Stadt, die auch sagen könnte: „Die Eintracht ist eine so integrative Institution in dieser Region, sie leistet gesellschaftspolitisch etwas Einmaliges für Frankfurt – wenn wir die Eintracht stärken, werden wir noch lange wirtschaftlich und ideell davon profitieren.“ Diese Erkenntnis würde ich mir im stärkeren Maße wünschen.

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