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Hat auch gerne mal gegen die Bayern getroffen: Bernd Nickel, akrobatisch.
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Hat auch gerne mal gegen die Bayern getroffen: Bernd Nickel, akrobatisch.

Der etwas andere Eintracht-Rückblick

„Jeder hätte den gemacht, auch Opa Erich“

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt und der FC Bayern München kreuzen am Samstag zum 100. Mal die Klingen – Vater und Sohn erinnern sich an epische Heimspiele im Stadtwald.

Vater und Sohn sitzen auf der Couch, bei Chips, Limo und Bier, der Fernseher läuft, Samstag, 15.10 Uhr, gleich wird das Spitzenspiel Eintracht Frankfurt gegen Bayern München angepfiffen. Eigentlich wären beide im Stadion.

Sohn: Papa, meinst du, die schmeißen den Flick raus nachher?

Vater: Weil die Bayern wieder fünf Stück kriegen?

Sohn: Logo.

Vater: Glaub ich net…, das mit den fünf Stück.

Sohn: Aber der Opa erzählt doch immer von diesem 6:0, und diesen Grabis, Hölzenbeins und wie die all hießen…

Vater: Und Nickel, derwo von allen vier Ecken ins Tor…

Sohn: …getroffen hat. Jaa, hast du schon 1000-mal erzählt.

Vater: War ja auch ne schöne Zeit, und jung waren wir…

Sohn: Und die Eintracht hat die Bayern immer weggefiedelt.

Vater: Immer nicht, aber bald 20 Jahre lang konnten die nie im Stadion gewinnen. Nie. Bis Auge kam.

Sohn: Auge?

Vater: Klaus Augenthaler, Libero, Ur-Bazi, von der Mittellinie hat der ins Tor geschossen, der Uli Stein stand zu weit davor, 1989 war das, ist später zum Tor des Jahrzehnts gewählt worden. Ende der Serie.

Sohn: Aber der Preußi hat doch auch mal ein Tor des Jahrzehnts geschossen?

Vater: Nee, nur des Monats, 2007, Ochs hat geflankt, Preuß per Rückzieher, bumm, drin, der Kahn hat vielleicht verdutzt geguckt. Majestätsbeleidigung. Damals waren die Bayern richtig gut, van Bommel, Podolski, Pizarro, Schweinsteiger, hat nix genutzt, 1:0 gewonnen.

Sohn: Papa, erzähl mal von diesem Fenin.

Vater: Was soll ich sagen. Eigentlich waren die Bayern besser, wie so oft, sie führten 1:0 durch Miro Klose, das Spiel war gelaufen, zwei, drei Minuten waren’s noch. Skibbe hat gewechselt, erst Martin Fenin, dann Juhvel Tsoumou.

Sohn: Juwel, is ja lustig

Vater: Juhvel Tsoumou, einer aus der U23, die gab’s damals noch, zuvor hatte der nie in der ersten Mannschaft gespielt. Drei Minuten vor Schluss gibt’s einen Pressschlag und der Ball ist drin. Der Junge wusste selbst nicht, wie ihm geschah. Kurz danach hat Martin Fenin den Alaba ausgetanzt, auffem Bierdeckel, sag ich dir, vom Innenpfosten ging der Schuss rein, 2:1, Jubel, Jubel, Spiel aus. So ham wir mit den Bayern gespielt.

Sohn: Alaba, ist das der Alaba?

Vater: Ja, Bub, 17 war der damals, wie einst der Charly, als er zum ersten Mal gegen Gerd Müller gespielt hat. Nur halt besser. Viel Lehrgeld hat er bezahlen müssen, der Alaba. Wie der Trap.

Sohn: Der Trapp? Unser Trapp im Tor?

Vater: Nee, Bub. Der Was-erlaube-Struuunz-Flasche-leer-Trap. Der hat mal in Frankfurt 5:2 gewonnen und am Ende 0:2 verloren.

Sohn: Wie das?

Vater: Früher durften nur drei sogenannte Amateure mitspielen, die Bayern hatten drei auf dem Feld, dann hat der Trapattoni einen vierten gebracht, Didi Hamann, derwo heute im Fernsehen schlaue Sprüche klopft. Oben auf der Tribüne hat das der Markus Hörwick mitgekriegt, der war Pressesprecher von den Bayern, wie der Blitz ist der die Treppe runtergesaust, zur Trainerbank, Handys gabs 1995 nicht. Er kam zu spät, Hamann war schon drin, die Bayern haben noch zwei Tore geschossen zum 5:2, umsonst. Der Hölzenbein, der Vizepräsident, hat sich ins Fäustchen gelacht. 2:0 am grünen Tisch. Was für Amateure.

Sohn: Das ist aber fies. Wir waren auch nicht immer die Cleversten. Erinnerst du dich an diesen Griechen, diesen Gekas.

Vater: Komm geh fort. Die Rückrunde der Schande 2011, der sinnloseste aller Abstiege.

Sohn: Aus drei Metern hat der den Ball nicht reingebracht, aus drei Metern. Daran kann ich mich ja noch erinnern. Jeder hätte den gemacht, selbst Opa Erich, in Puschen und nach seinem Frühschoppen. Es wäre das 2:0 gewesen, und wir wären niemals abgestiegen. So hat Gomez in letzter Minute noch das 1:1 erzielt, Elfmeter. Der Daum hat den Gekas in einem Denkgefängnis vermutet. Wahrscheins ist ihm ein drittes Bein gewachsen.

Vater: Ja, der Daum hat ganz schön auf die Kacke gehauen. Gebracht hat’s nix, nullkommanix. Echt doof haben die sich freilich öfters angestellt, die Frankfurter.

Sohn: Wann denn noch?

Vater: Als bei den Bayern mal beide Torhüter kaputt waren, erst Kahn mit Gehirnerschütterung raus, dann Ersatzmann Dreher mit Kreuzbandriss, 99 war das. Tanne Tarnat, ein Feldspieler, ist ins Tor. 1:0 haben wir geführt, und der Übersteiger-Fjörtoft hat vorher noch einen Elfer versemmelt. Da war der Kahn noch in der Kiste, zwei Minuten später isser raus.

Sohn: Da hat die Eintracht doch sicher aus allen Rohren geschossen, wenn kein richtiger Tormann drin stand?

Vater: Eben net. Der Tarnat im Trikot vom Dreher hat einen einzigen Schuss halten müssen, kurz vor Schluss. Im Gegenteil: Erst hat der Elber den Ausgleich gemacht, dann der Samy Kuffour, der vorher mit dem Kahn zusammengerasselt war, das 2:1. Blöd hammer da ausgesehen. Auch der Oka sah nicht gut aus.

Sohn: Unser Oka, der mal 230 Torschüsse in München abgewehrt hat?

Vater: Genau der. Aber es waren nur 38 beim Nullnull.

Sohn: Sag Papa, was waren denn die höchsten Siege daheim gegen diese Bayern? Außer dem 6:0 und dem 5:1 letztes Jahr.

Hat die Bayern kurz vor Schluss besiegt: Martin Fenin (links), hier gegen den blutjungen Alaba.

Vater: 5:1 haben sie öfters gewonnen, etwa 1980 als sie den Uefa-Pokal gewonnen haben, da haben sie die Bayern im Halbfinale mit 5:1 nach Verlängerung heimgeschickt, mit zwei Treffern vom Schädel-Harry. Und 1995, aber das war wieder typisch Eintracht.

Sohn: Wieso?

Vater: Weil sie in der Saison dann abgestiegen sind. Vorher haben sie die Bayern 4:1 abgezogen, Matthias Hagner hat zwei Tore erzielt, Manni Binz eins, Jay-Jay hat sie schwindlig gespielt. Und ein Ivica Mornar hat getroffen. Das war so ein grimmig aussehender Kroate mit ner Frisur, die Ronaldo später bei der WM 2002 getragen hat. Der wurde in dem Spiel noch vom Platz gestellt. Hat den Bayern nix genutzt. So, Bub, gleich geht’s los. Weißt du eigentlich, dass mal ein Linienrichter unseren Grabi beleidigt hat?

Sohn: Nee, weiß ich nicht. Was hat er gesagt?

Vater: Du alter Dreckspatz. 1974 war das, dein Opa hat’s mir erzählt, Hans Wahmann hieß der Mann. Vier Spiele Sperre hat er gekriegt. So, das Spiel fängt an.

Sohn: Wer gewinnt?

Vater: Wir. 3:1.

Sohn: Dann darf der Flick bleiben.

Aufgeschrieben von

Thomas Kilchenstein

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