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„Mit der Eintracht in der Champions League, das wäre ein Meilenstein in meiner Karriere“, sagt Djibril Sow.
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„Mit der Eintracht in der Champions League, das wäre ein Meilenstein in meiner Karriere“, sagt Djibril Sow.

Djibril Sow im FR-Interview

„Jeder erwartet, dass wir einbrechen“

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht-Mittelfeldspieler Djibril Sow über Druck im Endspurt, Gänsehaut bei bestimmten Hymnen und seinen persönlichen Aufstieg

Herr Sow, nur zwei Punkte aus den letzten drei Spielen: Muss man sich Sorgen machen um Eintracht Frankfurt?

Absolut nicht. Gerade wenn man gesehen hat, wie wir in Leipzig, vor allem in der zweiten Hälfte, aufgetreten sind, nein, da muss man sich gar keine Sorgen machen um uns. Wir sind wieder nach einem Rückstand zurückgekommen. Das zeigt, dass die Mannschaft intakt ist und wir große Qualität haben.

Die Mannschaft steht schon längere Zeit auf dem vierten Rang, die Champions League ist zum Greifen nahe. Macht sich da nicht das Gefühl breit, dass man etwas zu verlieren hat?

Die Vorfreude auf das, was wir erreichen können, überwiegt. Das spürt man in Frankfurt und in der Mannschaft. Jeder ist hungrig, und niemand hat wirklich Angst. Der Druck liegt ganz klar bei den anderen Mannschaften.

Spürt man im Training eine höhere Anspannung?

Nein, die Stimmung ist immer gut bei uns. Das war sie auch, als es nicht so top lief. Das ist das, was Eintracht Frankfurt auszeichnet. Es stimmt einfach bei uns. Die Spieler, die nicht so oft spielen, pushen die Stammspieler im Training. Es ist eine gute Mischung.

Auf was kommt es im Endspurt an? Die Nerven im Zaum zu halten?

Bei jedem Spieler muss der Fokus darauf liegen, dass wir Großes erreichen können. Da dürfen keine Nebengeräusche ablenken, jeder muss sich voll auf diese Aufgabe konzentrieren. Das hat bisher super geklappt. Das hier ist eine besondere Mannschaft. Wir können noch mal eine Serie starten und müssen uns vor niemandem verstecken.

Apropos Nebengeräusche: Es scheint nicht so, als sei das Thema Fredi Bobic eines, das die Mannschaft belasten würde.

Nein, da hat sich auch im Umgang nichts verändert, er kommt immer noch zu den Spielen, die Stimmung ist wie vorher. Das ist von außen viel größer gemacht worden, als es ist. In der Mannschaft war das kein Thema. Das haben wir auch auf dem Platz gezeigt. Wenn dieses Thema uns irgendwie beeinflussen würde, wären wir jetzt nicht zweimal, gegen Stuttgart und in Leipzig, nach Rückständen zurückgekommen.

Sie sprechen die Rückstände an: Die Mannschaft lag bereits 14-mal hinten, hat aber elfmal nicht verloren und 17 Punkte geholt. Nur die Bayern sind da besser. Ist das ein Ausdruck des Behauptungswillens im Team?

Das kann man so sehen. Das ist ein Skill von uns. Wir wissen, dass wir ein Spiel drehen können. Andererseits ist der Aufwand größer, wenn man so oft einem Rückstand hinterherläuft. Für uns wäre es wichtig, häufiger in Führung zu gehen. Wenn uns das gelungen ist, haben wir auch oft gewonnen.

Nun ja, in Bremen wart ihr in Führung – und habt trotzdem verloren.

Bremen war ein spezielles Spiel. Da haben wir uns selbst geschlagen. Wenn wir da konzentriert bis zum Schluss spielen und uns nicht von dieser Hektik anstecken lassen, holen wir drei Punkte. Das ärgert jeden von uns bis heute. Ich glaube aber, das würde uns heute nicht noch einmal passieren.

Sie haben mit Young Boys Bern in der Champions League gespielt. Was ist das Besondere?

Zur Person

Für Djibril Sow , 24, war der Start in die aktuelle Saison gar nicht so einfach. Die meiste Zeit saß der Schweizer Nationalspieler draußen, erst am 8. Spieltag gegen RB Leipzig zählte er erstmals zur Startelf – seitdem ist er aus dieser nicht mehr wegzudenken. Sow hat sich etabliert, ist zum Stammspieler gereift. Das erfüllt den Mittelfeldmann mit einigem Stolz, denn seine erste Saison in Frankfurt war schwierig, einige hatten den aufgeweckten Typen bereits abgeschrieben – viel zu früh. FR

Es ist dieses besondere Flair, man spielt gegen die Besten der Welt. Damals, als diese Hymne erklungen ist, das war ein Gänsehautmoment, den ich nicht vergessen werde. Das ist ein Gefühl, das ich wieder erleben möchte. Wenn mir das mit der Eintracht gelingen würde, wäre das ein Meilenstein in meiner Karriere.

Um mal etwas Wasser in den Wein zu gießen: Die Eintracht ist bekannt dafür, auf den letzten Metern gerne mal einzubrechen. Weshalb, würden Sie sagen, passiert es dieses Mal nicht?

Das erinnert mich an die erste Zeit in Bern. Damals waren wir als Tabellenführer zwölf oder 15 Punkte vor dem Zweiten, und plötzlich kamen viele Leute und sagten: „Okay, aber Bern hat schon mal zwölf Punkte verspielt. Bern ist der ewige Zweite.“ Wir haben uns aber gar nicht beeinflussen lassen, haben uns geschworen, dass wir das durchziehen. Und zum Schluss sind wir mit 15 Punkten Vorsprung Meister geworden. Hier ist es ähnlich: Jeder erwartet, dass wir einbrechen. Das muss noch mal Extramotivation sein, dass wir es jedem zeigen wollen.

Sie haben für Ihr Spiel gerne einen starken Partner im Mittelfeld an der Seite, einen wie Makoto Hasebe zum Beispiel. Nun könnte Hasebe am Samstag in der Abwehr benötigt werden. Ändert sich dadurch Ihr Spiel?

Hasebe macht vieles mit Auge, er ist ruhig und besonnen. Und agiert defensiver, vor der Abwehr. Das gibt mir natürlich mehr Spielraum. Wenn ich etwa mit Seppl Rode im Zentrum agiere, müssen wir gegenseitig aufeinander achten, damit wir nicht beide zu offensiv agieren. Denn die Balance in der Mannschaft muss immer stimmen. Aber wir haben schon gezeigt, dass wir gemeinsam harmonieren. Im Grunde ist es einerlei, ob ich mit Hase oder Seppl im Mittelfeld spiele.

Und am Samstag gegen Union könnte im Angriff mal wieder das „Duo infernale“ beginnen, Luka Jovic und André Silva. Glauben Sie, das könnte passen?

Gegen den VfB Stuttgart hat das doch gut geklappt, und Luka hilft uns immer mit seiner Präsenz, wenn er reinkommt. Man sieht sofort, welch Topstürmer er ist, und wenn er in diesen Flow kommt, wird er wieder Tore schießen. Es ist extrem wichtig für uns, dass die beiden Stürmer für uns die Tore machen.

Sie selbst haben ja etwas gebraucht, um in die Saison zu starten. Mittlerweile sind Sie gesetzt. Was gab denn den Ausschlag, dass es jetzt so gut läuft?

Das ist auch ein Punkt, der Fußball so speziell macht. So genau kann ich das auch nicht erklären. Aber im Herbst bei der Schweizer Nationalmannschaft, in einer anderen Umgebung, habe ich neues Selbstvertrauen tanken können. Ich spürte, der Trainer (Vladimir Petkovic; Anm. d. Red.) hat auf mich gebaut, hat mir Vertrauen geschenkt. Für mich ist das sehr wichtig. Wir spielten damals gegen Mannschaften wie Deutschland und Spanien, und ich konnte da super mithalten. Ich habe mich gefragt, wenn ich gegen diese großen Mannschaften gut spielen kann, wieso soll mir das nicht auch bei Eintracht Frankfurt gelingen?

Was sind die größten Unterschiede zur ersten durchwachsenen Saison? Auffällig ist, dass Sie jetzt sofort offensiv Impulse setzen statt wie früher zögerlich quer- oder zurückzuspielen.

Es musste klick machen, bis ich da bin. In der ersten Saison war es nie so richtig gut. Okay, da gab es auch gute Spiele, dann gab es wieder zwei, drei Spiele, in denen es nicht so rundlief. Ich bin nie richtig reingekommen. Dann kamen Selbstzweifel auf, das Selbstvertrauen war nie wirklich da. Jetzt hat es sich total geändert, es hat klick gemacht. Ich bin wieder ich selbst. Und ich bin extrem stolz, das so geschafft zu haben. Ich sage Ihnen: Es ist nicht einfach, nach solch einem ersten Jahr so zurückzukommen.

In der kommenden Woche stehen wieder Länderspiele an, die Schweiz spielt in Bulgarien und gegen Litauen. Geht man da angesichts der Pandemie mit einem mulmigen Gefühl auf Reisen?

Es ist eine schwierige Situation, für alle. Freilich frage ich mich auch: Muss das wirklich sein? Gut, wir sind in der Nationalmannschaft gut geschützt, wir leben in dieser Blase, abgeschottet von der Außenwelt. Andererseits habe ich eine Familie, die ich auch sehen will und die mich auch mal besuchen kommen will. Da mache ich mir schon meine Sorgen: Wo soll das alles enden? Die Ungewissheit ist groß.

Sie engagieren sich für die Initiative „My Jersey 4 Kids“ zugunsten der Kinderstiftung Arche. Ist Ihnen das ein besonderes Anliegen?

Ich habe in dieser Hinsicht keine spezielle Priorität. Wenn ich helfen kann, bin ich immer dabei, sei es für Unicef oder jetzt in diesem Fall für das Arche-Projekt, bei dem aus Eintracht-Sicht noch Seppl Rode und André Silva mitmachen. Wir Fußballprofis sind so privilegiert, da will ich gerne was zurückgeben.

Interview: Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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