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Auch beim Pokalfinale in Berlin dabei: Bernd Hölzenbein (m.), hier mit den anderen Eintracht-Legenden Jürgen Grabowski (r.) und Charly Körbel.

Eintracht-Legende Hölzenbein

50 Jahre Eintracht

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Seit einem halben Jahrhundert ist Bernd Hölzenbein für Eintracht Frankfurt tätig, erst als Spieler, zuletzt als Scout.

An sein erstes Erlebnis mit Eintracht Frankfurt kann sich Bernd Hölzenbein noch sehr gut erinnern, obwohl es mehr als 50 Jahre her ist. Zum Probetraining beim Bundesligisten erschien ein gerade 20 Jahre alter schmächtiger Bursche aus dem Örtchen Dehrn bei Limburg, schüchtern, zurückhaltend. Und dem Mann, der ein paar Jahre später Fußball-Weltmeister werden sollte, gelang zuerst einmal rein gar nichts. Dabei war auch ein gewisser Bernd Nickel, und „Bernd Nickel spielte so gut und ich so schlecht, da bin ich gleich wieder nach Hause gefahren“, erzählte Hölzenbein. „So konnte ich am Sonntag wenigstens bei meinem Heimatverein TuS Dehrn kicken.“ Ein Vierteljahr später spielte er dennoch bei der Eintracht, wo Jürgen Grabowski der Jung-Star war. Sein erster Vertrag bei den Hessen hat er zum 1. Juli 1967 unterschrieben.

Jetzt, 50 Jahre später, schließt sich ein Kreis. Am 30. Juni dieses Jahres läuft der Vertrag von Bernd Hölzenbein bei Eintracht Frankfurt aus. In den vergangenen 13 Jahren war der mittlerweile 71-Jährige in der Scouting-Abteilung des Klubs tätig, er war gerade in der Anfangszeit viel unterwegs, vornehmlich in Brasilien und in Osteuropa. Spieler entdecken wird der Holz jetzt nicht mehr, aber auch noch nicht in Rente gehen. Er wird einen Anschlussvertrag erhalten und auf der Eintracht-Geschäftsstelle ein anderes Büro beziehen; welche Aufgaben er dann übernehmen wird, steht im Detail noch nicht fest. Aber die Eintracht will nicht auf die Erfahrung ihrer Ikone verzichten.

Keiner prägte die Eintracht so lange

50 Jahre Eintracht Frankfurt – das ist eine lange Zeit mit vielen Höhen und Tiefen. Und es ist Bernd Hölzenbein, der wie kein Zweiter in diesem halben Jahrhundert den Klub geprägt und geführt hat. Er war viele, viele Jahre das Gesicht dieses Klubs, sein Aushängeschild. Kein anderer kann auf so viele Jahre zurückblicken, in denen er in den verschiedensten Positionen für Eintracht Frankfurt unterwegs war – erst als Spieler, dann als Vizepräsident, später als Manager, am Ende als Berater des Präsidiums und Scout. Es gehörte zu den ersten Amtshandlungen des Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen im Jahr 2004, Hölzenbein zurück auf einen verantwortungsvollen Posten zu holen.

Der Weg, den Bernd Hölzenbein eingeschlagen hat, war nicht immer geradlinig. „Es war immer auch Kampf dabei“, sagte er jetzt der FR, immer hat er sich durchsetzen müssen, hat andere verdrängen müssen. Es gab viele Höhepunkte, gerade in den Jahrzehnten, als er spielte und in 420 Partien 160 Tore erzielte. Er war das Schlitzohr, das Tore im Sitzen schoss und im rechten Augenblick zu fallen wusste. Noch heute ist er der erfolgreichste Stürmer der Eintracht, trotz eines Grabowski, trotz eines Nickel. Er war es, der im WM-Finale 1974 gegen die Niederlande den Elfmeter zu 1:1 Ausgleich herausgeholt hat, 40-mal hat er für die Nationalelf gespielt, dreimal holte er den DFB-Pokal, einmal den Uefa-Cup. Doch trotz aller Erfolge und Triumphe blieb Holz ein ewig Grübelnder, er war wankelmütig, unsicher. „Ich gehörte nicht zu den Spielern, die vor Selbstvertrauen platzten, ich hatte immer schon meine Zweifel“, hat er mal erzählt, einmal Versager, dann wieder Weltklasse. Seine aktive Karriere ließ er in den USA ausklingen, fünf Jahre spielte er nicht für die Eintracht, ehe er dann auf einer spektakulären Sitzung im Frankfurter Palmengarten zum Vizepräsidenten gewählt wurde.

Es war der Beginn seiner Funktionärskarriere, es wurde die erfolgreichste Eintracht-Zeit der jüngeren Geschichte. Die Eintracht spielte dank seiner „Bauchentscheidungen“ mit Okocha, Yeboah, Bein, Binz und Möller einen wunderschönen Fußball 2000, Holz gab einem Trainer-Unikum wie Dragoslav Stepanovic eine Chance und es klappte fast - die Eintracht wurde „beinahe Deutsche Meister“, wie Holz bitter sagt. 1992, das Trauma von Rostock, die verspielte Meisterschaft, das gehört zu seinen größten sportlichen Enttäuschungen. Danach ging es stetig bergab mit der Eintracht, der Klub stieg 1996 das erste Mal ab, bald darauf wurde Hölzenbein als festangestellter Manager entlassen, dann stand er, 2001, wegen steuerlichen Ungereimtheiten im Falle Anthony Yeboah vor Gericht. Da ging es Bernd Hölzenbein richtig schlecht, ein persönlicher Tiefpunkt. „Aber da habe ich auch gemerkt, wer zu mir steht und wer nicht.“ Wer zu ihm stand, war Bruchhagen, der ihn zurück zur Eintracht holte - auch gegen Widerstände.

Das Einzige, was Bernd Hölzenbein heute vermisst, ist das Fußballspielen. Trotz neuer Hüfte tun ihm selbst beim Golf die Knie weh. Manchmal guckt er dann die DVD, die er von der DFL zum 65. geschenkt bekommen hat, auf den all seine Tore zusammengeschnitten sind. „Da habe ich selbst gestaunt. Ich war richtig stolz auf mich.“

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