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Dürfte sein letztes Spiel für die Eintracht gemacht haben: Luka Jovic.

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Irgendwie doch verdient

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Immerhin steht Eintracht Frankfurt jetzt nicht mit gänzlich leeren Händen da, das wäre nach dieser lange Zeit so überragenden Saison arg bitter, wäre ein echter Tiefschlag gewesen.

Routiniert und abgeklärt haben die Bayern die Glückwünsche aus der Liga abgearbeitet, haben die siebte Meisterschaft in Folge, die 29. insgesamt, gefeiert, wie Bayern Meisterschaften halt feiern, mit Musik vom Band, mit obligatorischen Bierduschen, Konfettiregen, eine dreiviertel Stunde nach Schlusspfiff war das Stadion leer. Business as usual. Sie sind es ja gewohnt, bis auf Trainer Niko Kovac. Und wenn nicht alles täuscht, dürfte das auch in den nächsten Jahren so sein. Dann nämlich, wenn die Bayern, wie angekündigt, Ernst machen.

Lange war es nicht mehr so einfach, Deutscher Meister zu werden wie in diesem Jahr. In einem Jahr, da Bayern München viele Fehler gemacht hat, den notwendigen personellen Umbruch verpasst, uninspiriert Fußball gespielt, sich eine unwürdige, schäbige Trainerdiskussion und eine hochnotpeinliche Pressekonferenz - Stichwort: Die Würde des Menschen ist unantastbar - geleistet hat - und zeitweise neun Punkte Rückstand hatte. Und wenn in solch einer Spielzeit, in der es wirklich klemmt und kriselt beim Branchenführer, es die Konkurrenz, vulgo: Borussia Dortmund, wieder nicht schafft, die Bayern vom Thron zu stürzen, ja wann denn sonst? Die Dortmunder müssten sich wirklich grün und blau ärgern, die Gunst der Saison leichtfertig verstreichen lassen zu haben - neun Zähler Vorsprung und 3:0- und 2:0-Führungen (gegen Hoffenheim und Bremen) verspielt und eine Heimniederlage gegen abstiegsbedrohte Schalker sind einfach zu viele liegen gelassene Chancen.

Ähnlich wäre es ums Haar auch der Frankfurter Eintracht ergangen, der auf den letzten Metern sichtbar die Puste ausgegangen ist und die sich gerade mal so eben, dank freundlicher Nachbarschaftshilfe, auf den siebten Platz rettete. Immerhin steht sie jetzt nicht mit gänzlich leeren Händen da, das wäre nach dieser lange Zeit so überragenden Saison arg bitter, wäre ein echter Tiefschlag gewesen. Und das hätte diese Eintracht wahrlich nicht verdient. Es hätte sich falsch angefühlt, wenn auch die Ergebnisse auf derartige Befindlichkeiten keinen Rücksicht nehmen

Eintracht Frankfurt war sicherlich eine der ganz großen Überraschungen in der Liga. Weil die Hessen über weite Strecken der Runde einen hochgradig attraktiven Fußball gespielt, weil sie mutig und ohne Angst attackiert und stets den Weg nach vorne gesucht und gefunden haben. Sie haben etwas riskiert, drei Stürmer aufgestellt und viele Tore erzielt. Und sie haben die Auftritte in Europa – auch dank ihrer reiselustigen Anhängerschaft - zu reinen Festspielen werden lassen, haben die internationalen Spiele nicht als Strapazen empfunden, sondern als Belebung und Bereicherung. Vor allem haben sie diese Partien ernst genommen und nicht, wie der eine oder andere Bundesligaklub, auf die leichte Schulter.

Die Rechnung für derlei Engagement hätten die Frankfurter beinahe schmerzhaft präsentiert bekommen, am Ende robbten sie sich quasi auf den Brustwarzen noch irgendwie ins Ziel.

Und die Eintracht hat in dieser Saison gewaltig das eigene Image aufpoliert. Gerade in den letzten Spielen in der Europa League hatte Fußball-Deutschland Daumen gedrückt, weil die Frankfurter als letzter hiesiger Klub in beeindruckender Art und Weise die deutsche Fahne in Europa sehr respektabel hochgehalten hat. Zeitweise zählte Eintracht Frankfurt zu den beliebtesten Klubs im Lande.

Und als am Samstag, gegen 17.20 Uhr, feststand, dass die Eintracht dann doch was gewonnen hat, und wenn es nur Rang sieben war, da applaudierten auch Bayern-Fans in München - sie hatten das untrügliche Gefühl, dass die Richtigen belohnt wurden.

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