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Hat noch viel mit Inter Mailand vor: Präsident Steven Zhang.

Eintracht-Gegner Inter Mailand

In chinesischer Hand

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Inter Mailand will mit Geld aus dem Reich der Mitte wieder in die europäische Spitzenklasse.

Mit Tränen in den Augen lief Steven Zhang im vergangenen Mai auf den Rasen ins Stadio Olimpico. Um ihn herum feierten die Spieler von Inter Mailand ihren 3:2-Erfolg im direkten Duell um den vierten Champions-League-Platz bei Lazio Rom und die mitgereisten Tifosi waren außer Rand und Band. Auf den letzten Drücker hatten sich die Nerazzurri, die Schwarz-Blauen, für die Königsklasse qualifiziert, zum ersten Mal seit 2012. Zhang, seinerzeit Mitglied im Aufsichtsrat, erlebte erstmals hautnah, welche Emotionen Fußball auslösen kann. Fünf Monate später, am 26. Oktober 2018, wurde der Chinese im Jahr des hundertjährigen Bestehens des italienischen Traditionsklubs zum Präsidenten ernannt. Im zarten Alter von 27 Jahren. „Ich bin sehr stolz, den Klub in eine neue Ära zu führen“, ließ er damals verlauten.

Wenn Zhang, wieder ein paar Monate später, über Inter Mailand spricht, dann kommt vielmehr der kalkulierende Unternehmer statt des leidenschaftlichen Fußballfans durch. Dann sagt er so Sätze wie: „Als Firma wollen wir uns ständig verbessern.“ Oder: „Wir wollen der Gesellschaft positive Energie geben und die Leute unterhalten.“

„Erfolgreiches Unternehmen werden“

Steven Zhang ist der Sohn von Jindong Zhang, Vorstandsvorsitzender des chinesischen Einzelhandelsriesen Suning. In China besitzt das milliardenschwere Unternehmen aus Nanjing bereits einen Fußballklub. Im Juni 2016 kaufte die Suning Commerce Group für 280 Millionen Euro 68,5 Prozent der Anteile am FC Internazionale. Der ehemalige Besitzer, Erik Thohir aus Indonesien, der 2013 die Mehrheit vom Öl-Tycoon Massimo Moratti übernahm, reduzierte seine Anteile auf 31 Prozent - blieb aber Präsident des Klubs. Bis vergangenen Oktober. Vor zwei Wochen verkaufte Thohir seine restlichen Anteile endgültig an die chinesische Investmentgruppe Lionrock Capital.

Inter Mailand ist wie Stadtrivale AC längst zum Spielball von Investoren geworden. Moratti und der langjährige Milan-Boss Silvio Berlusconi waren zwar kapriziöse Eigentümer, aber ihnen wurde zumindest abgenommen, sich mit dem Klub zu identifizieren. Bei den neuen Investoren, beim AC war es zunächst ein chinesisches Unternehmen, jetzt ist es der US-Hedgefond Elliott, ist die Skepsis riesig. Denn das Ziel von Elliot und auch Suning ist eindeutig: den Wert ihres Unternehmens, ähm, Klubs zu steigern.

Seit Chinas Präsident Xi Jinping 2015 die große Fußballrevolution im eigenen Land ausgerufen hat, fühlen sich die heimischen Großkonzerne bestärkt, in den europäischen Fußballmarkt zu drängen. Zwischen 2014 und 2017 investierten chinesische Unternehmen 2,2 Milliarden Euro in England, Spanien, Frankreich und Italien. Während einige dieser Investments krachend scheiterten, wie bei Aston Villa oder dem AC Mailand und dort die Mehrheit der Anteile schon wieder verkauft wurden, scheint sich Suning bei Inter Mailand eine bessere und vor allem langfristigere Strategie zurechtgelegt zu haben.

Im Dezember gab der Klub die Verpflichtung von Giuseppe Marotta als Manager bekannt. Ein kluger Schachzug. Der 61-Jährige war acht Jahre lang das Superhirn von Juventus Turin, die in dieser Zeit alle acht Meisterschaften gewannen. „Das ist eine wichtige Wendung für den Klub im Bestreben, ein siegreicher Fußballklub und ein erfolgreiches Unternehmen zu werden“, sagte Steven Zhang. Von den erfolgreichen Zeiten ist der dreimalige Champions-League- und Uefa-Cup-Sieger weit entfernt. 2011 gewann Inter den italienischen Pokal. Die letzte der 18 Meisterschaften gab es 2010, dem erfolgreichsten Jahr der Klubgeschichte mit Champions-League- und Pokalsieg sowie Scudetto unter Trainer Jose Mourinho0. Mit dessen Abschied zu Real Madrid begann aber der Abstieg der Mailänder vom europäischen Schwergewicht zum Mittelklasseklub.

Aktuell hat Inter in der Serie A als Tabellenvierter nur drei Punkte Vorsprung auf den Fünften AS Rom. Zuletzt gab es eine 1:2-Pleite in Calgiari. Der Rückstand auf Tabellenführer Juventus Turin beträgt nach 26 Spielen 25 Punkte. Aus der Königsklasse musste sich Inter als Dritter hinter dem FC Barcelona und Tottenham Hotspur in die Europa League verabschieden. In der Zwischenrunde besiegte man Rapid Wien souverän zu Hause 4:0, nach einem 1:0-Auswärtserfolg. Nun will das Team von Luciano Spalletti die Achtelfinalhürde Eintracht Frankfurt (18.55 Uhr) auf den Weg ins Finale nach Baku nehmen.

Nicht dabei mithelfen werden der suspendierte argentinische Stürmerstar und abgesetzte Kapitän Mauro Icardi (Marktwert 90 Millionen Euro) sowie der belgische Mittelfeldmotor Radja Nainggolan wegen einer Wadenverletzung. Geht es nach den Marktwerten gehört Inter Mailand immer noch zu den europäischen Spitzenteams. Alleine der slowakische Innenverteidiger Martin Skriniar (24) und sein niederländischer Kollege Stefan de Vrij (26) werden mit 60 Millionen Euro beziehungsweise 45 Millionen taxiert. Die Stars sind neben Icardi jedoch die kroatischen Vizeweltmeister Marcelo Brozovic (26) und Ivan Perisic (30).

Nächste Saison könnte ein größerer Umbruch anstehen. Aufgrund von Verstößen gegen das Financial Fairplay muss Inter in der Sommertransferperiode 40 Millionen Euro erlösen. Bereits vergangenen Sommer hat der Klub fast alle Spieler per Leihe verpflichtet. Steven Zhang und Giuseppe Marotta werden sich also etwas einfallen lassen müssen, wie sie den Klub, ähm, das Unternehmen auf die nächste Stufe hieven wollen. Ohne Investitionen wir das schwierig.

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