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Tor vorbereitet, Tor gemacht: Mijat Gacinovic.

Mijat Gacinovic

Immer unterwegs

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Eintracht-Mittelfeldmann Mijat Gacinovic zuletzt mit mehr Licht als Schatten.

Das eingetauschte blaue Trikot von Apollon Limassol hatte Mijat Gacinovic falsch herum angezogen, als er müde und erschöpft, aber natürlich glücklich ans Flatterband trat, dort, wo die Reporter Fragen stellen. Gacinovic bleibt meistens stehen, wenn er gefragt wird, das ist ein feiner Zug von ihm, er drückt sich auch nicht vor klaren Worten, wenn sie angebracht sind. Auf Zypern gab es wenig zu bekritteln. „Es war nicht einfach für uns“, sagte der schmächtige Serbe dann, der immer so aussieht, als trage er einen viel zu schweren Rucksack auf dem Rücken. „Wir waren nicht frisch, weil wir zuletzt viel gespielt haben.“ 

Mijat Gacinovic ist einer, der sich immer viele Gedanken macht, manche sagen, er mache sich zu viele Gedanken, hinterfrage selbstkritisch sein eigenes Spiel, er lässt sich leicht runterziehen. Die Partie auf Nikosia war ein typisches Mijat-Gacinovic-Spiel: Anfangs gelang ihm nicht viel, die leichtesten Bälle brachte er nicht zum Mann, er spielte dann wieder Risikobälle, die nie und nimmer ankommen können, selbst wenn sie gut gedacht waren. Aber er war auch derjenige, der die verloren gegangenen Bälle sofort wieder ergatterte. Er hat ja etwas Leichtfüßiges, Filigranes, dazu ist er wieselflink und nicht müde zu kriegen. Aber eigentlich missriet ihm im ersten Abschnitt so viel, dass selbst die Kollegen in der Pause ihn aufmuntern mussten. „Kopf hoch, spiel einfach weiter“, hatten sie ihm geraten, erzählte er dann. „Ich muss konzentrierter sein, muss ruhiger spielen“, habe er zu sich gesagt.

Taute richtig auf

Mit einer seiner ersten Aktionen in der zweiten Halbzeit bereitetet er mustergültig das 2:0 vor. Jetro Willems hatte ihn links auf die Reise geschickt, er passte die Kugel flach und scharf nach innen, wo Sebastien Haller nur noch den Fuß hinhalten musste – 2:0. Keine vier Minuten später erzielte dann Gacinovic ein Tor, von der Strafraumgrenze, trocken, fest, knapp neben dem Pfosten – die Entscheidung. Und es war das erste Tor des immer noch erst 23-Jährigen seit dem Pokalfinale im Mai gegen die Bayern, als er in der letzten Minute über das ganze Feld sprintete und den Ball ins verwaiste Tor schoss – ein unvergessener Augenblick.

Auf Zypern taute der junge Mann nach seinem Treffer richtig auf. Auf einmal gelangen die Pässe, auf einmal war er richtig gut drin im Spiel, von Minute zu Minute wurde er besser. Eine Vorlage, ein Tor – mehr kann man von einem viele Kilometer abspulenden Mittelfeldspieler fast nicht erwarten.

Zu harte Entscheidung

Im gleichen Maß aber, wie Gacinovic immer stärker wurde, wurde Nebenmann Marc Stendera immer schwächer. Negativer Höhepunkt war die wahrlich überzogene Gelb-Rote Karte neun Minuten vor dem Ende, die die Mannschaft noch einmal in die Bredouille brachte. Dabei hatte Stendera in seinem ersten Pflichtspiel von Anfang an seit fast genau einem Jahr richtig gut begonnen. Er war gleich da, er wirkte bissig, nicklig, ging keinem Zweikampf aus dem Weg, schoss zudem gleich zweimal aufs Tor. Unübersehbar war, dass er sich zeigen wollte auf seiner Lieblingsposition hinter den Spitzen – und verzettelte sich doch mehr und mehr. Unnötig war seine Rangelei mit Apollon-Trainer Sofronis Avgousti um einen Ball, es brachte ihm eine Verwarnungskarte ein und dem Coach der Gang auf die Tribüne. Die zweite Gelbe Karte war eine viel zu harte Entscheidung. Dennoch: Es ist schon das zweite Europapokalspiel, das die Eintracht in Unterzahl zu Ende führen musste, in Marseille zum Auftakt flog Jetro Willems vom Platz, nun der 22 Jahre alte Stendera – beide Male ohne gravierende Folgen.

Am Ende aber reichte es zum Einzug in die K.o.-Runde. „Wir haben uns qualifiziert, nur das zählt“, sagte Mijat Gacinovic. Dann schlurfte er in die Kabine, das blaue Trikot falsch herum angezogen. 

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