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Gibt immer alles: Simon Falette.

Interview Simon Falette

"Es ist immer noch schwierig für mich"

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    Ingo Durstewitz
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Eintracht-Spieler Simon Falette über die sehr harte Zeit auf der Tribüne, die Trainingsgruppe zwei und weshalb er innerhalb der Mannschaft so gut ankommt.

Herr Falette, in unserem letzten Interview, das liegt ein gutes Jahr zurück, sagten Sie, Sie hätten großen Spaß daran, die deutsche Sprache zu erlernen. Wie weit sind Sie gekommen? Wollen wir es in Deutsch versuchen?
Wenn Sie langsam sprechen, kann ich Sie verstehen. Dann kann ich es versuchen. Aber vielleicht hilft mir Stéphane (Dolmetscher Gödde; Anm. d. Red) noch ab und zu mit der Übersetzung. Da würde ich mich sicherer fühlen. 

Kein Problem. War es für Sie, als sie hier herkamen, schwieriger, Deutsch zu erlernen oder in die Mannschaft zu kommen?
In die Mannschaft zu kommen, keine Frage. 

Aber Deutsch ist ja jetzt wirklich keine leichte Sprache. 
Ich lerne gerne Sprachen, das macht mir Spaß. 

Wie wichtig ist das, um in einer Mannschaft anzukommen, um sich besser integrieren zu können?
Sehr wichtig. Ich musste ja auch gleichzeitig noch Englisch lernen, das konnte ich ebenfalls nicht. 

Wie ist die Amtssprache in der Kabine?
Beide Sprachen werden dort gesprochen. Der Trainer spricht Deutsch und Englisch. Die Mannschaftssitzungen hält er aber auf Deutsch. Für die, die das noch nicht so verstehen, wird es dann übersetzt. 

Wie hat sich Ihre Familie eingelebt? Ihre Ehefrau und ihre drei Kinder sind Ihnen natürlich sehr wichtig. 
Sehr gut, sie fühlen sich wohl. Meine Kinder gehen in den Kindergarten, sie lernen erst mal Englisch, dann kommt Deutsch noch dazu. 

Wie wichtig ist die Familie, um so eine kleine Wohlfühloase zu schaffen?
Das ist von großer Bedeutung für mich, sie geben mir Halt und Kraft. Deshalb war es für die Familie auch nicht so leicht, als ich nicht gespielt habe. Aber so ist der Fußball.

Nicht so leicht, weil man den Frust dann auch mit nach Hause bringt?
Klar, man kann das nicht komplett abstreifen. Für die Kinder war es ja auch komisch, wenn der Papa vorher immer auf dem Platz war und auf einmal nicht mehr. 

Kann man sich bei drei kleinen Kindern überhaupt auf den Fußball konzentrieren?
Klar, meine Frau kümmert sich rührend um die Kleinen. Und ich habe auch Familie, die immer wieder kommt, um zu helfen. So kann ich mich voll auf den Fußball konzentrieren. 

Wie ist Ihr persönlicher Wohlfühlfaktor? Besser als vor sechs, sieben Wochen, als Sie nicht mit der Mannschaft trainieren durften?
Es hat sich nicht gravierend geändert. Es ist immer noch schwierig für mich. Ich bin letztes Jahr hier hergekommen, um zu spielen. Und das hat geklappt, ich habe sehr oft gespielt. Am Ende der Saison war ich etwas müde, weshalb ich nicht mehr so oft zum Einsatz gekommen bin. Ich bin dann voller Elan und guter Absicht hinein in die neue Saison, um neu anzugreifen. 

War es für Sie ein Schlag, als Sie auf einmal in die zweite Trainingsgruppe abkommandiert wurden?
Natürlich kam das überraschend. Ich wollte an die vergangene Saison anknüpfen, als ich, bis auf das Ende der Spielzeit, sehr oft gespielt habe. 

Fühlt man sich irgendwie außenstehend?
Ein Stück weit ist man außen vor, was den Trainingsbetrieb angeht. Aber gegenüber meinen Mannschaftskollegen überhaupt nicht, wir sind eine Kabine, und ich weiß auch, dass ich ganz gut ankomme, ich bin ein Typ, der zu Scherzen aufgelegt ist. Da verlief zu keinem Zeitpunkt eine Trennlinie. 

Dennoch: Wie motiviert man sich, jeden Tag aufs Neue zum Training zu gehen und alles zu geben?
Das ist jetzt eine ältere Geschichte, aber klar ist: Ich hatte ja keine andere Wahl. Ich musste kämpfen und alles geben, um mir meinen Platz zurückzuholen. 

Stammspieler sind Sie auf nach der Wiedereingliederung nicht. Sie sind nach wie vor in der Rolle des Herausforderers. Wie gehen Sie damit um?
Ich muss darum kämpfen, meinem Beruf nachgehen zu können. Es ist für mich eine ungewohnte Rolle. Es ist erst einmal schwer zu akzeptieren, aber man muss es akzeptieren, es gibt keine andere Wahl. 

In unserem ersten Interview sagten Sie, dass Sie bei einem Vereinswechsel genau wissen wollen, woran Sie sind und dass Sie auf viele Spiele kommen wollen. 
Mein Vater hat mich so erzogen: Spielpraxis ist wichtiger als Prämien oder Finanzen. Ich liebe den Fußball und bin nur dann happy, wenn ich spiele. 

Das ist ja eine gesunde Einstellung.
Ich habe das immer so gehalten und es hat immer gepasst. Jetzt ist die erste Saison meiner Karriere, in der es etwas schwieriger ist.

Trotzdem haben Sie sich Ihr sonniges Gemüt bewahrt, Sie gelten als einer der beliebtesten Spieler im Mannschaftskreis, als einer, der für gute Stimmung sorgt und viel lacht. Fällt Ihnen das dann nun schwerer?
Nein. Wir müssen Spaß haben, zusammen zu spielen und zu trainieren. Man muss seriös arbeiten, aber auch Freude haben an dem, was man tut und am Umgang miteinander. Das macht eine Mannschaft erfolgreich. Wir gehen auch häufiger mal gemeinsam Essen. Das ist wichtig. Ich mag eine geschlossene Mannschaft um mich herum. 

Nach der 1:4-Auswärtsniederlage in München Ende April dieses Jahres ging es für Sie persönlich bergab. Danach standen Sie nicht mehr im Kader. War dieses Spiel der Knackpunkt? Würden Sie diese Sie diese Einschätzung teilen?
Das zweite Gegentor ging damals auf meine Kappe, und anschließend sagte mir Trainer Niko Kovac, dass er das Gefühl habe, dass ich etwas müde sei und er frisches Blut bringen müsse. Ich habe bis dahin ja auch sehr viel gespielt. Wir haben wohl auch eine gewisse Blutauffrischung benötigt, um den Pokal zu holen. Das hat ja letztlich auch geklappt. Deshalb kam ich in den letzten fünf Spielen nicht mehr zum Einsatz. Ich war vorher ja ein Vielspieler, kam konstant zum Einsatz. Es war vielleicht die richtige Entscheidung, wir haben den Pokal gewonnen, von daher: Alles richtig gemacht. Damit hatte ich auch gar kein Problem. 

War es dann so eine Art Genugtuung, als Sie vor kurzem beim Spiel in Marseille, Ihrem Heimatland noch dazu, den 2:1-Siegtreffer vorbereitet haben?
Nein. Ich habe 30 Minuten gespielt und versucht, das einzubringen, was ich kann. Auf einer Position, die ich sonst nicht bekleide. Ich war vor allem froh, dass wir die drei Punkte aus Marseille entführen konnten. Das war sehr wichtig für die Mannschaft. 

Das Spiel in Marseille war so eine Art Wendepunkt.
Kann man so sagen, ja. Bis dahin lief es nicht so optimal. Seitdem geht es deutlich besser. Das war so ein Sieg, den die Eintracht und ganz Frankfurt verdient haben. 

Was sind denn die größten Unterschiede zwischen den Trainern Niko Kovac und Adi Hütter?
Kovac war sehr verbissen, hielt die Leine straff. Jetzt scheint es zumindest etwas lockerer zuzugehen. Es sind zwei völlig verschiedene Stile, sie haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht, es gibt unterschiedliche Wurzeln und Ursprünge. Es ist sicher nicht dieselbe Fußballschule, jeder hat eine andere Sicht der Dinge auf den Fußball. 

Fällt einem das als Spieler gleich auf?
Das merkt man sofort, ja. 

Und die ganzen Geschichten mit Ernährung, Fahrradfahren, CK-Wert-Messung. Hat das genervt und atmet man jetzt durch?
Mir persönlich ist es nicht auf den Zeiger gegangen. Es ist ja auch von jedem Spieler abhängig, wie er es empfindet und was er und sein Körper brauchen. Ich habe es nicht als nervig empfunden. Jeder Trainer verfolgt seine eigenen Ideen und verfährt so, wie er es für richtig hält.

Was sind Ihre persönlichen Ziele? Und was erwägen Sie, wenn es so weitergeht wie bisher?
Ich werde um meinen Platz kämpfen. Ich weiß, das wird nicht leicht. Aber ich mache meinen Job und gebe alles.

Also haben Sie sich eine Deadline bis zur Winterpause gesetzt?
Ich muss weiterhin Spielpraxis sammeln. Ich werde weiter hart trainieren, bis ich meine Chance bekomme und spielen kann. Generell gilt: Ich mag den deutschen Fußball sehr, deshalb würde ich auch gerne in Deutschland bleiben. 

Ist es nicht komisch für Sie, dass Ihnen im Grunde ihr blutjunger Landsmann Evan Ndicka, gerade mal 19, den Platz weggenommen hat? 
Ach was. Sie können auch gerne bei Evan nachfragen (lacht). Nein, nein, unser Verhältnis ist top, wir unternehmen auch privat viel zusammen. Man darf die Sachen auch nicht vermischen, es gibt Fußball und Privates. Es ist doch nicht seine Schuld, dass ich jetzt nicht spiele. Wir haben ein gutes Verhältnis untereinander, ich weiß nicht, warum sich daran etwas ändern sollte. 

Kommen wir zur aktuellen Situation: Jetzt kommen die Spiele, in denen die Eintracht einen großen Schritt machen könnte. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?
Es warten wichtige Spiele auf uns, das stimmt. Ich wünsche mir, dass wir da weitermachen, wo wir vor der Länderspielpause aufgehört haben. Jetzt am Freitag gilt es, den nächsten Dreier einzufahren. Diese Erfolgserlebnisse in der Liga haben ja auch immer Auswirkungen auf die Europa League, auf die wir uns dann noch mehr freuen können. Und umgekehrt ist es so, dass wir, wenn wir international den Sack vorzeitig schon zu machen könnten, noch schneller und besser auf die Bundesliga umschalten könnten, um dort wichtige Punkte einzufahren. Dann können wir uns gut absetzen. Jeder Sieg ist also extrem wichtig. 

Interview: Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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