Abgehoben: Doppeltorschütze Stefan Ilsanker. 
+
Abgehoben: Doppeltorschütze Stefan Ilsanker (r.)  

Stefan Ilsanker

„Ilse“ wundert sich - und trifft

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
    schließen

Mit langem Anlauf bringt Stefan Ilsanker im Eintracht-Dress seine ersten Bundesligatore an.

Würde es danach gehen, in welcher Lautstärke die Ersatzspieler ihre eigene Mannschaft anfeuern, dann hätte die Frankfurter Eintracht die wegweisende Begegnung in Bremen nicht zwingend gewonnen. Erik Durm und Timothy Chandler, Danny da Costa oder Jonathan de Guzman wirkten auf den grünen Schalensitzen des Weserstadions zwar nicht teilnahmslos, sie bilden aber keine verkappte Fankurve wie die Kollegen von Werder Bremen.

Im Grunde änderte sich das erst, als Trainer Adi Hütter seine erfolgreichste von vier Einwechslungen vorgenommen hatte – und Stefan Ilsanker etwas Wundersames schaffte: Keine 20 Sekunden benötigte der 31-Jährige, um den Ball nach einer Kopfballverlängerung von Bas Dost – erst vier Minuten zuvor ins Spiel gekommen – über die Linie zu wuchten. Spätestens als eine Koproduktion der nächsten Einwechselspieler – Freistoß de Guzmann, Kopfball Ilsanker – zum 3:0 führte, war es um die Eintracht-Zurückhaltung auf dem Unterrang geschehen. Auf einmal schwoll auch hinter der Frankfurter Bank die Phonstärke an – und es ertönten sogar leise „Ilse, Ilse“-Rufe.

„Das hat er gut gemacht, er ist beim ersten Tor einfach von der Außenlinie in den Fünfmeterraum durchgelaufen“, erzählte Torwart Kevin Trapp, der gar nicht wusste, „dass es Ilses erste Bundesligatore waren.“ Waren es aber: 87 Erstligaeinsätze für RB Leipzig und Eintracht Frankfurt hat es gedauert, bis der kernige Österreicher sich mal feiern lassen durfte.

Auftrag einfach umgedreht

„Mich hat es auch gewundert, dass mich die Gegenspieler angesichts meiner Torgefahr in den vergangenen Jahren einfach stehen lassen“, berichtete der Doppeltorschütze mit einem Augenzwinkern und benutzte einen schönen Vergleich: „Das ist wie das Ketchup-Flasche-Prinzip: Erst kommt lange nichts, und dann alles auf einmal. Aber ich will einfach gewinnen, wer trifft, ist mir egal – wirklich!“ Dem Edeljoker war das Trainerlob gewiss. „Er hat erst von der Bank zuschauen müssen. Er hat das vom Kopf richtig gut gemacht“, sagte Adi Hütter. „Ich habe ihm nicht den Auftrag gegeben, zwei Tore zu schießen, sondern dass wir die 1:0-Führung bei hohen Bällen kontrollieren.“

Eigentlich sollte der 1,89-Meter-Mann seine enorme Präsenz für die Verteidigung des eigenen Tores nutzen – was er bei zwei Standards mal schnell ins Gegenteil verkehrte. „Der Wille hat entschieden. Werder hatte auch viele Ecken, aber wir haben unsere genutzt“, sagte Ilsanker, der lange in der Jugend im Tor stand, weil er seinem Vater, dem sogar drei Jahre beim FSV Mainz angestellten Torwart Herbert Ilsanker nacheifern wollte.

Dass der bei RB Leipzig sehr beliebte Profi am letzten Tag der Winter-Transferperiode einen Vertrag bis 2022 unterschrieb, kam auf Hütters Betreiben zustande. Seinen Wert hat er in Frankfurt als defensive Allzweckwaffe unter Beweis gestellt – nicht als offensive Wuchtbrumme. Aber offenbar kann Ilsanker auch anders. „Eigentlich ist er ja kein Goalgetter, aber er hat zweimal unglaublich gut gestanden“, sagte Hütter. Allerdings gewährten die Gegenspieler auch einen Abstand, wie ihn sich zwar Berliner Politiker für die Schlauchboot-Party gewünscht hätten, nicht aber der Bremer Fußballlehrer Florian Kohfeldt für ein Bundesliga-Spiel, bei dem die auf den Rängen erzeugte Dezibel-Zahl am Ende keine Rolle spielte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare