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Der einzig wahre Fußballgott: Alexander Meier.

Alexander Meier

"Ich will einfach nur, dass mit mir fair umgegangen wird"

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    Ingo Durstewitz
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Eintracht-Kapitän Alex Meier über seinen bröckelnden Status, den Umgang mit Kritik und weshalb ihn die Suche nach einem Nachfolger gar nicht stört.

Herr Meier, was macht die Ferse, wie hat der Fuß auf die gesteigerte Belastung reagiert?
Es geht immer besser. Ich hoffe, dass es so bleibt. Man weiß ja nie, ob es hält, aber momentan sieht es gut aus. Es ist noch mal besser geworden.

Zwischenzeitlich sah es so aus, als sei die Saison für Sie gelaufen. Gab es einen bestimmten Punkt, an dem es besser wurde?
Nein, das nicht. Es brauchte einfach seine Zeit, um zu heilen. Das wurde mir aber auch vorher gesagt. Ich bin von vornherein von vier Wochen ausgegangen, jetzt sind es sieben geworden. Die Mediziner sagten mir aber dass es zwischen einem Monat und drei Monaten dauern kann.

Was war es denn genau eigentlich?
Es war wohl etwas eingerissen unter der Ferse, deshalb zog es sich so lange.

Und dann kann man nichts machen? Schmerzmittel nehmen oder Spritzen verabreichen?
Nein, an der Fußsohle ist es immer schmerzhaft und kompliziert. Eine Spritze in die Fußsohle ist sowieso sehr unangenehm, und sie bringt nichts. Wenn man den Fuß taub spritzt, kann man ja auch nicht laufen, weil man nichts mehr spürt – und es behebt ja nicht die Ursache. Klar kann man das mal machen, wenn es um eine Woche geht und ein wichtiges Spiel ansteht. Dann kann man Tabletten nehmen und jeden Tag eine Spritze geben, aber auf Sicht gesehen ist das keine Lösung, weil du ja nur den Schmerz bekämpfst und nicht die Ursache.

Und jetzt haben Sie Hoffnung aufs Pokalfinale? Wie ist es denn um Ihren Fitnesszustand bestellt?
Ganz gut. Dass ich nicht so fit bin wie vor sieben, acht Wochen, ist ja klar. Man verliert in zwei Monaten schon ein bisschen. Aber die Grundvoraussetzung ist, dass ich schmerzfrei bin und richtig laufen kann. Wenn es so bleibt, sieht es ganz gut aus.

Aber für 90 oder 120 Minuten würde es eher nicht reichen?
Irgendwie hält man das sicher durch (lacht). Aber ich denke, es steht auch gar nicht zur Debatte, dass ich in Berlin von Beginn an auflaufen soll. Das ist auch nicht realistisch, wenn man so lange gar nicht mit der Mannschaft trainiert hat. Aber wenn ich es irgendwie schaffe, dabei zu sein und vielleicht sogar helfen kann, dann wäre das schon gut. Das Finale war die ganze Zeit mein Ziel, dafür habe ich hart gearbeitet. Hoffentlich klappt es. Ich bin da ganz optimistisch.

Wie lange haben Sie bei Ihrem furiosen Comeback mit drei Toren gegen den 1.FC Köln damals wieder mit der Mannschaft trainiert?
Ich glaube, drei Wochen.

Drei Tore in Berlin wären ja auch nicht schlecht.
Ja. Da haben Sie recht. Wäre nicht schlecht (lacht).

Berlin ist ja sicher auch für Sie noch mal ein Highlight zum Ende Ihrer Karriere.
Das auf jeden Fall, das ist sehr speziell in Berlin, einfach eine ganz besondere Atmosphäre. Darauf kann man sich nur freuen.

Ist das Samstag-Spiel gegen Leipzig ein Thema für Sie?
Nein, für mich nicht. Ob ich da jetzt eine Viertelstunde reinkomme oder nicht, das ist nicht so wichtig. Da ist es vielleicht besser, noch mal eine knackige Einheit zu machen, in der du richtig pusten musst.

Wie haben Sie als Kapitän, der zur Tatenlosigkeit verdammt war, diesen Einbruch in der Rückserie verfolgt?
Man sitzt auf der Tribüne und fiebert mit, aber man kann nicht eingreifen. Man weiß natürlich, wie sich die Spieler fühlen, weil wir ja früher auch schon solche Serien hatten. Aber als verletzter Spieler kann man nicht so viel machen. Ich war ja auch immer den ganzen Tag in der Reha, habe ein-, zweimal pro Woche bei den Jungs im Stadion vorbeigeschaut. Aber die Einflussmöglichkeiten sind schon begrenzt.

Also taugt man da auch als Aufbauhelfer nicht so wirklich?
Eher nicht. Wenn ich auf dem Platz bin, kann ich was sagen. Aber es ist schwierig, wenn man selbst nicht spielt, es nicht läuft und man dann von außen den Jungs sagen will, was sie besser machen könnten. Da steht man doch schnell als Oberlehrer oder Klugscheißer da. Davon halte ich nicht viel, und das ist auch nicht meine Aufgabe.
 
Welche Erklärung haben sie aus der Entfernung für den Absturz?
Ich denke, wir haben in der Hinrunde ein bisschen über unserem Niveau gespielt, da haben wir alle Spiele, die knapp und eng waren, zu unseren Gunsten entscheiden können. Und das war in der Rückserie eben genau andersherum. Und so gleicht es sich am Ende der Saison aus. Und dann landest du wohl auf Rang neun, zehn oder elf.

Aber die Diskrepanz zwischen Hin- und Rückrunde ist ja enorm.
Das ist der positive Lauf und der negative Lauf. Das ist im Fußball so. In der Hinserie haben wir, wie gesagt, einige Spiele mit Glück gewonnen. Jetzt auch einige mit Pech verloren. Es ist, auch wenn es sich banal anhören mag, einfach so: In der Hinserie geht ein Ball von der Unterkante der Latte rein, in der Rückrunde springt er zurück ins Feld. Das Pendel ist in diesem Jahr in die andere Richtung ausgeschlagen. Und dann setzt diese Spirale ein, und es geht immer weiter bergab. Warum das jetzt im Detail so kam, weiß ich aber, ehrlich gesagt, auch nicht.

Oder waren die Erwartungen zu groß, weil Begehrlichkeiten geweckt wurden, weil das internationale Geschäft zum Greifen nahe war.
Nein, das denke ich nicht. Von außen hat wirklich keiner gesagt, dass wir unbedingt einen europäischen Startplatz erreichen müssen. Ich hatte nie das Gefühl, dass die Fans oder auch die Medien gefordert hätten, dass wir nach Europa müssen und das quasi Pflicht ist.

Oder verkrampft eine Mannschaft, weil sie eben die große Chance hat, was Großes zu erreichen. Die Spieler können ja die Tabelle lesen.
Auch das glaube ich nicht. Das würde ja eher Lockerheit bringen. Der Druck, den du da oben hast, der ist ja eher positiv, nicht zu vergleichen mit dem im Abstiegskampf. Es ist einfach so: Aus so einem negativen Lauf muss man sich erst mal befreien. Und das ist verdammt schwer.

Oder hätte man positiver mit der Situation umgehen müssen, sagen müssen: ,Ja, jetzt haben wir so viel erreicht, jetzt wollen wir noch mehr.‘
Nein. Ich denke, dass die Herangehensweise richtig war. Wenn man ein Ziel ausgibt zu Saisonbeginn, sollte man auch erst dann über andere Ziele sprechen, wenn man das eigentliche Ziel erreicht hat. Man kann nicht auf Hälfte der Strecke sagen, jetzt wollen wir aber etwas anderes, obwohl die erste Etappe noch gar nicht beendet ist. Das wäre falsch gewesen.

Wie ist so eine Zeit in der Reha? Ist man da auf sich alleine gestellt, wird zu einer Art Einzelkämpfer?
Man ist natürlich auf sich alleine gestellt, aber ich kenne das ja schon. In den ersten zwei Wochen ist es mühsam, jeden Tag dorthin zu gehen. Aber danach ist das halt dein Leben, und man versucht, so schnell wie möglich fit zu werden, um wieder auf den Platz zu können.

Obwohl Sie verletzt waren, war Ihr Name oft präsent, was sicher auch daran gelegen hat, dass die aktuellen Stürmer nicht so wirklich überzeugen konnten und nicht besonders oft getroffen haben. Aber auch vorher, als Sie noch konnten, durften Sie nicht so, wie Sie wollten. Wie haben Sie diese Meier-Debatte wahrgenommen?
Ich kann nichts für eine Diskussion, die irgendwo geführt wird. Ich habe mich ja nie dazu geäußert. Natürlich will ich immer spielen, und gerade als ich fit war, war es natürlich schwer, auf der Bank zu sitzen, das ärgert einen. Aber das muss auch so sein. Wenn das nicht mehr so wäre, dann wäre es an der Zeit, aufzuhören. Ich habe mich nie verändert. Ich habe im Training immer Gas gegeben und habe probiert, gut zu spielen. Und dann muss der Trainer entscheiden. Da hat halt jeder Coach andere Vorstellungen.

Hatten Sie nicht das Gefühl, dass an Ihrem Status gekratzt wurde? In der Rückrunde etwa haben Sie, selbst als Sie noch fit waren, deutlich weniger gespielt als in der Hinrunde.
In der Hinrunde haben wir mehr Punkte geholt, oder? (lacht). Im Ernst: Was heißt Status? Mein Status ist mir nicht so wichtig. Ich will einfach nur, dass mit mir ordentlich und fair umgegangen wird. Das habe ich verdient, weil ich 13 Jahre hier wirklich alles gegeben habe. Aber das hat nichts damit zu tun, dass ich jedes Spiel von Anfang an spiele oder nicht.

Hätten Sie sich mehr Rückendeckung erhofft?
Ich denke einfach, dass Stürmer viel Vertrauen brauchen, das ist nun mal so. Stürmer sind eine eigene Spezies. Jeder Spieler braucht Vertrauen, aber Stürmer in besonderem Maße. Gerade, wenn man mal nicht trifft. Aber das ist schon okay.

Sportdirektor Bruno Hübner sagte, wenn Sie fit seien, sind Sie eine Alternative. Das muss sich doch für einen, der mehr als ein Jahrzehnt lang fast immer die meisten Tore geschossen hat, merkwürdig anhören.
Nur so viel: Eine Alternative bin ich, glaube ich, immer.

Und Bruno Hübner ist der Meinung, dass ein Nachfolger für Sie gefunden werden müsse. Sie sind ja auch nicht mehr der Jüngste.
Natürlich muss irgendwann jemand in meine Fußstapfen treten, ich werde ja nicht jünger. Aber ich finde, so lange ich gesund bin und gut spiele, kann man mich auch spielen lassen. Da muss man nicht sagen, vielleicht ist der Meier in zwei Jahren zu alt. Im Fußball ist nur das Hier und Jetzt wichtig und nicht, was in ein, zwei Jahren ist. Dessen ungeachtet ist doch klar, dass die Eintracht Stürmer holen und auch aufbauen muss. Das ist doch völlig normal und richtig. Ich freue mich, wenn wir gute Spieler holen, dann werden wir als Mannschaft besser, und es ist auch für den Konkurrenzkampf wichtig.

Haben Sie sich mit einem Abschied im Sommer beschäftigt, weil es von Vereinsseite ja heißt, man werde sich damit beschäftigen, falls ein Angebot käme.
Ich habe immer gesagt, dass ich es mir anhören würde, wenn etwas kommt, was mich reizen würde, was ein Abenteuer wäre. Aber momentan habe ich daran keinen Gedanken verschwendet.

Für Sie persönlich war die Saison eher enttäuschend.
Klar. Fünf Tore nur, nie richtig in den Rhythmus gekommen. Das ist nicht das, was ich mir vorgestellt habe.

Vielleicht auch, weil Sie nicht mehr blind gesetzt waren und auch im Spiel viel mehr arbeiten mussten?
Das geht zulasten der Torgefahr, das ist doch klar. Wenn du als Stürmer mehr verteidigen und hin- und herlaufen musst, ist es ja logisch, dass dir vor dem Tor ein bisschen die Konzentration und Kraft fehlt. Aber damit habe ich kein Problem. Wenn das so gewollt ist und man Erfolg hat, ist das okay. Mir ist nicht wichtig, dass ich jedes Spiel zwei Tore schieße, wenn wir trotzdem verlieren. Dann lieber kein Tor und wir gewinnen.

Wie verfolgen Sie so eine Diskussion um Branimir Hrgota, der oft gespielt hat, selten gut, und auch nicht wirklich oft eingenetzt hat und entsprechend kritisiert wurde?
Das kenne ich von früher, da habe ich auch ganz schön Kritik einstecken müssen und Gegenwind bekommen. Aber als junger Spieler muss man da einfach durch. Als junger Spieler nimmt man sich das mehr zu Herzen. Mich würde das jetzt nicht mehr so interessieren. Es ist nicht mehr wichtig, was geschrieben wird. Ich ärgere mich dann eher über mich selbst, wenn ich schlecht spiele. Und nicht über die, die schreiben, dass ich schlecht gespielt habe. Mit 22, 23 denkt man darüber anders. Da nimmt man das viel ernster. Aber da muss jeder Spieler durch, jeder hat mal eine Phase, in der es nicht gut läuft. Da muss man arbeiten, arbeiten, arbeiten – und irgendwann fallen die Dinger wieder rein.

Wie würden Sie die Saison insgesamt einschätzen?
Hätte man vor der Saison gesagt, wir werden Neunter, Zehnter oder Elfter und sind im Pokalfinale, hätte das jeder blind unterschrieben. Das ist klar. Wenn du natürlich nach der Hinserie Vierter bist und dann so eine schlechte Serie hast, kommt so ein Beigeschmack rein, eine negative Tendenz. Auch das ist normal. Aber im Großen und Ganzen muss man sehen, was erreicht und was erwartet wurde vor der Saison. Da liegen wir über dem Soll. Dass wir nicht so weiterspielen würden wie in der Hinserie und ein bisschen abrutschen werden, war doch klar. Aber alles in allem war die Saison vollkommen okay.

Interview: Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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