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"Ich kann noch besser spielen", findet Makoto Hasebe.

Makoto Hasebe

„Ich muss mehr der Chef sein“

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Eintracht-Profi Makoto Hasebe über seine Rolle im Team und weshalb er nach mehr Verantwortung strebt.

Makoto Hasebe, 31, zählt bei Eintracht Frankfurt meistens zu den besten Spielern. Der Japaner ist im defensiven Mittelfeld die ordnende Hand. Doch das genügt ihm nicht, er ist nicht wirklich zufrieden, hat einen anderen Anspruch an sich selbst. Das verrät er im Interview mit der Frankfurter Rundschau.

Herr Hasebe, am Samstag steht mal wieder ein Auswärtsspiel an, auch noch in Dortmund. Zittern da schon die Knie? Fährt man da als Eintracht-Spieler mit Angst hin?
Nein, ich habe keine Angst. Im Gegenteil. Ich freue mich sehr darauf. Die Spiele in Dortmund sind immer toll, so viele Zuschauer, eine super Atmosphäre.

Wir meinten ja eher, weil die Eintracht so notorisch auswärtsschwach ist. In diesem Jahr hat die Mannschaft erst einen Punkt auf fremdem Platz geholt, beim 2:2 in Augsburg. Sonst setzte es ausschließlich Niederlagen. In der Auswärtstabelle steht die Eintracht auf Rang 16, dem Relegationsplatz.
Die Auswärtsspiele liefen nicht gut, das stimmt. Jetzt müssen wir zeigen, was wir können.

Haben Sie eine Erklärung für diese Schwäche?
Nein. Aber ich denke, bei uns hat sich jetzt auch was verändert. In dem letzten Spiel gegen Gladbach haben wir gezeigt, was in uns steckt. Jetzt sollten wir auch auswärts genauso weitermachen. Wir sind gegen Gladbach auch mehr als 119 Kilometer gelaufen. Das müssen wir beibehalten.

Weshalb lief es jetzt gegen Mönchengladbach so gut und vorher so schlecht? Was ist da passiert?
Wir haben nach dem Spiel gegen Bayern München sehr lange mit dem Trainer gesprochen. Das war richtig gut. Es war sehr positiv.

War das die Aussprache auf dem Platz, die fast 45 Minuten andauerte?
Ja, genau. Wir haben uns da vorgenommen, dass wir mehr zeigen und dass wir mehr  laufen müssen. Wir Spieler haben ja selbst gemerkt, dass wir zu wenig laufen. Und wir haben uns gesagt, dass wir mehr Selbstvertrauen haben müssen.

Hat der Trainer dem Team das eingeimpft?
Der Trainer hat das angesprochen, aber wir Spieler haben uns ebenfalls eingebracht.

Man hat dann im Spiel gegen Gladbach gesehen, dass sich etwas verändert hat. Ihr habt ja sogar den Gladbacher Torwart Yann Sommer attackiert.
Ja, das hat uns der Trainer so mit auf den Weg gegeben. Medo (Slobodan Medojevic; Anm. d. Red.) und ich sollten schon ganz vorne Druck machen. Und das haben wir gemacht. Die erste Halbzeit war schon ganz ordentlich, die zweite Hälfte war richtig gut.

Kann man so auch in Dortmund bestehen?
Ich weiß noch nicht, mit welcher Taktik wir spielen werden. Aber ich finde, es ist egal, ob man vorne draufgeht oder weiter hinten angreift: Das Wichtigste ist, dass man voll in die Zweikämpfe reingeht und aggressiv spielt. Das ist entscheidend im Spiel. Wenn wir vorne angreifen, aber nicht in die Zweikämpfe kommen, bringt das nichts, dann ist das auch nicht gut. Es ist die Art und Weise, wie man die Zweikämpfe angeht. Und Konzentration ist wichtig im Spiel.

Kommen wir noch mal auf die zwei Gesichter der Eintracht zurück, zu Hause läuft es meistens gut, auswärts habt Ihr in Freiburg, Mainz, Köln und Stuttgart verloren. Das ist ja fast schon unglaublich.
Ja, das ist komisch. Aber ich fühle mich dafür mitverantwortlich.

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Wieso das?
Ich bin 31 Jahre alt, ich habe viel Erfahrung. Ich bin schon Meister geworden. Ich müsste hier mehr der Chef sein. Chef sein bedeutet für mich, konstanter spielen. Ich müsste noch mehr mit den Mitspielern sprechen und sie führen. Wir haben viele junge Spieler wie Marc Stendera oder Sonny Kittel. Ich bin schon 31. Ich müsste mehr Überzeugung zeigen und mehr Verantwortung für die Mannschaft übernehmen. Wir müssen auswärts, wenn wir führen, ruhiger spielen, das Spiel kontrollieren. Das muss ich der Mannschaft noch mehr vermitteln.

Doch Sie persönlich sind ja meistens noch einer der besten Spieler.
Ich kann noch besser spielen.

Was können Sie besser machen?
Ich müsste torgefährlicher werden. Ich schieße natürlich nicht viele Tore, aber ein paar könnten es schon sein.

Aber Ihr Vorgänger im defensiven Mittelfeld, Sebastian Rode, hat auch nicht so viele Tore geschossen, die hat er sich für die Bayern aufgehoben.
Rode hat nicht viele Tore geschossen?

Nein. Pirmin Schwegler auch nicht.
Okay, aber Rode und Schwegler sind sehr gute Spieler.

Sind Sie insgesamt zufrieden mit Ihren Leistungen?
Nicht ganz zufrieden, nein, ich denke, es ist sehr ordentlich.

Die Eintracht hat zuletzt mit zwei defensiven Mittelfeldspieler gespielt. Gibt das der Mannschaft mehr Stabilität?
Wir spielen eigentlich immer mit zwei Sechsern, auch wenn Stendera spielt. Aber er geht mehr mit nach vorne, er ist offensiver als Medo.

Slobodan Medojevic ist verletzt, auch andere Spieler hat es erwischt. Sie freilich sind ganz gut durch die Saison gekommen, muskuläre Probleme haben Sie selten.
Stimmt. Meiner Meinung nach müssten Muskelfaserrisse gar nicht passieren. Wenn man sich genügend dehnt und auf den Körper achtet, wenn man sich behandeln lässt und gut vorbereitet ist, sollte es nicht passieren.

Passiert aber doch, so wie bei Stefan Aigner.
Das ist einfach Pech. Denn Aiges macht immer alles für den Körper, er ist schon zwei Stunden vor dem Training da und lässt sich behandeln. Auch nach dem Training. Aber trotzdem hat er jetzt was. So ist es halt.

Haben Sie sich sonst eingelebt in Frankfurt?
Ja, Frankfurt ist toll. Das Stadion und die Fans ebenfalls. Und in der Stadt gehe ich oft japanisch essen. Und jetzt ist ja das Wetter so schön, da gehe ich öfter mal am Main spazieren. Das ist schön.

Sind Sie mit Ihrem Mitspieler und Landsmann Takashi Inui noch häufiger zusammen?
Ja, wir gehen zusammen essen oder spielen mit seinem Sohn.

Ist Inui zufrieden, wie es hier für ihn läuft?
Er hat zuletzt nicht so viel gespielt, aber es ist natürlich besser als letzte Saison. Er fühlt sich jedenfalls wohl, sagt immer, Frankfurt sei eine richtig gute Stadt.

Interview: Ingo Durstewitz

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