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Klare Verhältnisse: Aufsichtsratschef Wilhelm Bender (l.), Präsident Peter Fischer.

Eintracht Frankfurt

"Ich lebe nicht von der Eintracht"

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Aufsichtsratschef Wilhelm Bender über ein mögliches Ausscheiden im Kontrollgremium und die Nachfolge von Heribert Bruchhagen.

Nach der Präsidentenwahl vom Sonntag tritt heute erstmals wieder der Aufsichtsrat der Eintracht Frankfurt Fußball AG zusammen. Wilhelm Bender, der Vorsitzende des Kontrollgremiums, wird die Gelegenheit nutzen, um dem in seinem Amt bestätigten Vereinspräsidenten Peter Fischer „zu seinem überragenden Erfolg zu gratulieren“. So viel Zeit muss sein.
Die Wiederwahl des 58-Jährigen hat auch Auswirkungen auf die zukünftige Zusammensetzung des Aufsichtsrates der ausgegliederten AG, die für den Bundesligafußball zuständig ist. Dort wird der Mehrheitsgesellschafter, der Mutterverein, künftig weiterhin von Fischer und zwei weiteren Klubgesandten seines Vertrauens vertreten werden. „Jetzt herrscht Klarheit“, sagte Bender der FR. Die geklärten Verhältnisse könnten allerdings dafür sorgen, dass er seinen Posten am 30. Juni dieses Jahres räumen muss.

Aufsichtsrat wird neu besetzt

In der jetzigen Konstellation wird es für den früheren Fraport-Chef schwer, sein Amt zu verteidigen. Ob er davon ausgehe, dass die Wahl vom Sonntag Konsequenzen für ihn persönlich haben könnte, ist er am Mittwoch gefragt worden. „Das weiß ich nicht“, antwortete er. „Das ist ja nicht nur die Sache des Vereins, sondern auch der Aktionäre.“ Die werden den neuen Aufsichtsrat im Sommer dieses Jahres neu besetzen.
Bender könnte, wie er sagte, aber auch gut damit leben, wenn es für ihn als Vorsitzender des Kontrollorgans nicht mehr weiter gehen sollte. „Ich lebe nicht von Eintracht Frankfurt“, sagte er. „Wenn andere meinen, dass es Bessere gibt, dann ist das nichts Schlimmes.“ Er werde, wie er scherzhaft und lachend anmerkte, ja sicher nicht mit einem Stadionverbot belegt werden. „Ich würde der Eintracht verbunden bleiben, die Heimspiele und auch einige Auswärtsspiele besuchen.“
In der heutigen Sitzung werden der AG-Vorstand sowie Sportdirektor Bruno Hübner Bericht erstatten und versuchen, die Aufsichtratsmitglieder für die Anforderungen der Zukunft zu sensibilisieren. Zudem sollen die externen Finanzierungsmodelle, die nötig sind, um die Leistungsträger an den Klub zu binden, noch mal angerissen werden. „Es stehen aber keine Entscheidungen an, die sind erst im späten Frühjahr zu erwarten“, sagte Bender. Die Pläne sind gemacht, strategische Partner ins Boot geholt. „Wir werden dann sehen, was geht“, so Bender. „Wir sind voll im Zeitplan.“

Bruchhagens Nachfolge muss geregelt werden

Dass sich die Eintracht öffnen müsse für Kapitalaufnahme von außen, steht für den erfahrenen Funktionär außer Frage. „Das ist die Antwort auf die Veränderungen der Bundesliga, wir müssen unter verschärften Bedingungen die Wettbewerbsfähigkeit sichern.“ Verschärfte Bedingungen auch deshalb, weil „immer mehr Werksklubs nachrücken“, wie Bender sagte. Und andere Traditionsvereine, wie etwa der HSV, sich plötzlich über üppige Millionenzuwendungen freuen können, die für die Eintracht nicht im Bereich des Möglichen liegen.
Der Aufsichtsratschef wird langsam die Nachfolgeregelung von Vorstandschef Heribert Bruchhagen anschieben. „Aber wir haben keinen Druck“ sagte er. Bruchhagens Vertrag endet am 30. Juni 2016. Bender will möglichst spät in konkrete Verhandlungen mit Kandidaten einsteigen. „Sonst würde alles zerredet.“ Die große Frage wird sein, ob er selbst noch federführend eingebunden sein wird.

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