+
Wird in Bern auf Händen getragen: Adi Hütter, "Trainergott".

Adi Hütter

"Ich kann auch lustig"

  • schließen

Adi Hütter, der zukünftige Trainer von Eintracht Frankfurt, hat sich in der Schweiz einen Namen gemacht als verbindlicher und ehrlicher Fußballlehrer. Nun wagt er sich erstmals raus aus der Komfortzone.

Natürlich konnten diese Schlagzeilen nicht ausbleiben, sie lagen förmlich auf der Hand, also wurden sie herausgekramt, auch von vielen Schweizer Zeitungen, und sie hießen: „Das Wunder von Bern.“ Und damit war der Titelgewinn der Young Boys Bern gemeint, die erstmals Schweizer Meister seit 32 Jahren geworden sind. Der Mann, der das kleine „Wunder“ vollbracht hat, Adi Hütter, wurde flugs als „Erlöser“ gepriesen, als Mastermind und Architekt dieses überraschenden Coups, ja gar als „Trainergott“. Ohne ihn hätte YB Bern nie und nimmer dem Schweizer Abonnementsieger FC Basel in diesem Jahr so klar Rang abgelaufen.

So sieht das auch Fabian Ruch, Redakteur der „Berner Zeitung“, der drittgrößten Zeitung in der Schweiz. Seit 20 Jahren ist der Mann im Geschäft, „noch nie habe ich so einen guten Trainer erlebt“, sagte Ruch am Donnerstag im Gespräch mit der FR. Hütter habe im Klub „alles im Griff gehabt“, er sei einer, der über den Tellerrand hinausblicke. „Er ist intelligent, wissbegierig, will immer wieder etwa Neues dazulernen.“ Deshalb lasse er sich von Fachleuten coachen. Hütter sei stets bestens vorbereitet, sein Auftreten in der Öffentlichkeit sei angenehm, er sei höflich, zuvorkommend, eloquent. „Ich bin nicht der, der schwammig daherredet. Ich habe eine klare Botschaft“, charakterisierte sich Adi Hütter einst selbst.

Natürlich ist die Bundesliga eine andere Herausforderung „als die kleine Schweiz“ (Ruch). Hütter war bislang lediglich in Österreich und bei den Eidgenossen tätig, sei es als Spieler oder Trainer. Er hat sich den Schritt in eine größere Liga noch nicht zugetraut, er hat die Sicherheit „der Komfortzone“ in Österreich vorgezogen, hat er selbst einmal gesagt. „Aber wenn es einer in der Bundesliga schaffen kann, dann er“, ist Fabian Ruch überzeugt. Adolf „Adi“ Hütter kommt mit „einem breiten Rücken“, er hat Bern zur lange feststehenden Meisterschaft geführt; vor dem letzten Spieltag an diesem Wochenenden weist YB einen Vorsprung von 13 Punkten auf den FC Basel auf. Das ist ein Quantensprung.

Hütter mit viel Selbstbewusstsein ausgestattet

Einer der Gründe für den Triumph war auch die selbstbewusste Herangehensweise des 48 Jahre alten Fußballlehrer aus dem Vorarlberg. Er hat nämlich im Winter, als Bern mit nur zwei Punkten Vorsprung die Tabelle angeführt hat, klar und deutlich die Losung ausgegeben: Wir wollen Meister werden. Das hat gerade in der Schweizer Kapitale, die sportlich zuletzt eher ein Verlierer-Image pflegten, zu einem neuen Schub geführt. Intern, so erzählt es Christoph Kieslich von der „Tageswoche“ in Basel, soll Hütter dieses Ziel sogar schon vor Beginn der Saison ausgegebenen haben.

An Selbstbewusstsein mangelt es dem von Insidern als smart und cool umschriebenen Coach nicht. Muss es auch nicht, denn der Erfolg der letzten Jahre hat ihm Recht gegeben. Mit Bern holte er in 131 Spielen im Schnitt 1,96 Punkte, mit RB Salzburg bei 54 Partien 2,09 Zähler (zudem wurde er Meister und Pokalsieger) und beim SV Grödig in 75 Spielen 1,76 Punkte. Das sind beeindruckende Zahlen, Niko Kovac etwa hat in seiner Frankfurter Zeit im Durchschnitt 1,52 Punkte errungen.

Der neue Eintracht-Coach gilt als ähnlich auf seine Aufgaben fokussiert wie Kovac. In Bern ist Hütter selten auf dem gesellschaftlichen Parkett gesehen worden, selbst seinem Hobby, dem Golfen, frönte er nur in seltenen Ausnahmefällen. „Ich kann auch lustig sein. Aber ich wurde nicht als Clown angestellt“, sagte er unlängst der „Aargauer Zeitung“. Als Trainer habe er eine Vorbildfunktion und „eine riesengroße Verantwortung“. Der Österreicher gilt zudem als unaufgeregter Fußballlehrer, dem großes Tamtam an der Seitenlinie eher lästig ist.

Adi Hütter, so beschreiben Weggefährten den gelernten Großhandelskaufmann, hat sich eine gesunde Distanz zu seinen Spielern bewahrt. Auch wenn er als Kumpeltyp daherkommt, so versteht er sich keinesfalls „als Freund der Spieler“, eher als Partner, als jemand, „der die Menschen mitnimmt“. Seine Kabinentür stehe stets offen, er hat ein Ohr für seine Spieler, aber er ist auch direkt und autoritär. Manchmal sei er „pickelhart“. „Wir sitzen zwar im selben Boot“, sagte er unlängst in der „Aargauer Zeitung“, aber „ich bin der, der auf der Kommandobrücke das Tempo vergibt.“ Allerdings genüge es mittlerweile nicht mehr, als Trainer „auf dem Platz zu stehen und Übungen zu machen. Kommunikation ist der wohl wichtigste Aspekt meiner Arbeit.“

Hütter sei direkt, aber ehrlich und korrekt. Einer, der sein Wort hält. „Adi hat sich stets sehr korrekt verhalten und uns bei den Verhandlungen mit Frankfurt auf dem Laufenden gehalten. Wir gönnen ihm diesen Karriereschritt. Gleichzeitig werden wir alles daran setzen, den eingeschlagenen Weg mit dem neuen Trainer weiterzugehen“, sagte YB-Manager Christoph Spycher, der langjährige Eintracht-Kapitän. Spycher, Hütter und auch Chefscout Stephane Chapuisat, einst bei Borussia Dortmund am Ball, gelten als die drei Macher in Bern.

In diesen Tagen läuft der Coach mit raspelkurzem Haar durch die Straßen Berns, er hatte eine Wette mit seinem Assistenten Christian Peintinger verloren und setzte folglich den Rasierer an. „Ein Mann, ein Wort“, sagte er. Mit Peintinger, der ebenfalls mit nach Frankfurt kommt, wo die beiden mit Eintracht-Co-Trainer Armin Reutershahn und dem bestehende Staff ein funktionierendes Team bilden sollen, verbindet Hütter viel. Beide lebten in Bern in einer Art Trainer-WG zusammen. Hütters Ehefrau Sabine und die 20 Jahre alte Tochter Celina wohnten bislang in Salzburg.

Der Fußball, den Adi Hütter mit Bern spielen ließ, war gnadenlos offensiv ausgerichteter. Sein Team zeichnete sich durch besonderes Tempo und eine ordentliche Physis aus. Hütter ist ein 4:2 allemal lieber als ein 1:0, weshalb Young Boys auch für einen Tabellenführer erstaunliche 40 Gegentore kassiert hat - bei bislang 35 gespielten Begegnungen. Allerdings haben die Berner auch die mit Abstand meisten Tore erzielt, nämlich 82. „Mein Ansatz ist nicht, ein 1:0 zu verteidigen, ich strebe das 2:0 an“, sagte der Österreicher in einem Interview mit der „Berner Zeitung“.

Dazu hat der 48 Jahre alte Vorarlberger, der in Bern mit Spielern aus vielen Nationen klargekommen ist und der einst 14 Mal für Österreich in der Nationalmannschaft gespielt hat, seinem Team einen intensiven Pressingfußball verordnet. Taktisch ließ er nahezu über die komplette Saison in einem 4-4-2-Konzept spielen, auf die Offensive hat er stets großen Wert gelegt. Ob er diese Strategie auch in der Bundesliga fahren kann, mag zumindest der Zeitungsmann Ruch bezweifeln. „In Frankfurt wird er nicht so offensiv spielen können.“ Aber Hütter verfüge über ausreichend taktische Variabilität, um die richtige Mischung zwischen Offensive und Defensive zu finden. „Heißes Herz, kühler Kopf“ müsse die Parole sein, hat Hütter gesagt.

Zwei Spiele wird Adi Hütter mit seinen Young Boys noch bestreiten, an diesem Wochenende das letzte Punktspiel bei den Grasshoppers aus Zürich, dann am darauffolgenden Sonntag im Cup-Finale gegen den FC Zürich, aktuell Vierter der Schweizer Super League. Es ist ihm zuzutrauen, als Doublesieger nach Frankfurt zu kommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare