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Markus Pröll spielt im fünften Jahr in Frankfurt. Einige schwere Verletzungen warfen ihn mehrfach aus der Bahn.

Nach dem Remis gegen Dortmund

"Ich habe nie an mir gezweifelt"

Eintracht-Torhüter Markus Pröll bietet nach seiner fast schon herkulischen Darbietung den Kritikern die Stirn und sorgt sich um die neue Torwart-Generation.

Herr Pröll, spüren Sie Genugtuung nach dieser famosen Leistung von Dortmund?

Was heißt Genugtuung? Ich bin froh, dass ich mich mal auszeichnen und zeigen konnte, was ich drauf habe.

Aber Sie standen ja schon ein wenig unter Druck.

Wirklich? Das weiß ich nicht. Ich habe gehört, dass es ein bisschen Wirbel um meine Person gegeben haben soll. Ich kann nicht verstehen, was da gegen mich aufgebracht werden sollte. So schlecht waren meine Leistungen auch davor nicht. Selbst in Nürnberg, wo wir fünf Dinger bekommen haben, habe ich nicht so schlecht gehalten. Und zieht man mal die fünf Treffer von Nürnberg ab, hätten wir zehn Tore in 13 Spielen kassiert. Das ist sehr beachtlich. Ich finde, ich habe bisher keine großartigen Fehler gemacht…

…aber auch keine Spiele gewonnen.

Da sind wir doch beim Thema. Die Messlatte lag nach der Hinrunde der vergangenen Saison verdammt hoch, weil ich da drei Elfer in Serie gehalten und auch ein paar Spiele im Alleingang gewonnen habe. Da lief alles perfekt. Aber mir war klar, dass es nahezu unmöglich ist, dieses Niveau noch einmal zu erreichen. Man kann nicht immer am obersten Limit spielen.

Also spüren Sie jetzt, wenn man so will, den Fluch der guten Tat?

Die Erwartungshaltung ist sprunghaft gestiegen. Vielleicht haben die Leute gedacht, ich halte jetzt jeden Elfmeter. Und weil das nicht der Fall ist, heißt es dann: ,Der Pröll hält keine Elfer mehr, und er sah da auch mal schlecht aus: Der Pröll ist nicht mehr der Alte.' Das ist Quatsch. Ich habe aber nie an mir gezweifelt, ich weiß, was ich kann. Meine Ansprüche sind nach wie vor sehr hoch. Und öffentlichen Druck kann ich gut ausblenden.

Und doch muss dieses Spiel in Dortmund so etwas wie ein Befreiungsschlag gewesen sein.

Es war sicherlich eines meiner besten Spiele im Eintracht-Trikot. Es war ein richtiges Torwartspiel, in dem man konzentrationsmäßig stets auf dem höchsten Level gehalten wird. Da hat man keine Zeit abzuschalten. Das kommt einem Torwart mehr entgegen als die Spiele, in denen man 70, 80 Minuten nichts zu tun hat und dann für den einen Ball bereit sein musst. Du bist das letzte Glied der Kette, und da ist der Druck enorm. Als Torhüter bist du ganz alleine.

Herr Pröll, zurückliegende Woche glänzte Oka Nikolov in München, jetzt bestachen Sie in Dortmund. Gibt es eine neue Frankfurter Torwartschule?

Wir haben zwei sehr gute Torhüter, und der Andi (Torwartrainer Menger; Anm. d. Red.) hat großen Anteil daran. Ich habe dem Oka auch von ganzem Herzen diese Leistung in München gegönnt. Neid oder Missgunst kenne ich nicht. Oka ist ein fairer Sportsmann, und ich bin es auch.

Trainer Friedhelm Funkel machte klar, dass er keine Sekunde an einen Torwartwechsel gedacht hat.

Dazu gab es ja auch keinen Grund. Aber generell ist es natürlich ein schönes Gefühl, wenn der Trainer einem vertraut. Das gibt einem eine gewisse Sicherheit, aber darauf darf man sich nicht ausruhen. Zufriedenheit ist der erste Schritt in die falsche Richtung.

Sie haben ja einiges erlebt, nach der überragenden Vorrunde der letzten Saison lagen Sie mit einer gebrochenen Rippe lange Zeit auf Eis. Lehrt solch eine Verletzung Demut?

Ja, die vergangene Saison war extrem. Erst diese überragende Hinserie, und dann war ich weg vom Fenster. Da landet man schnell auf dem Boden der Tatsachen. Aber ich habe an mich geglaubt und daran, dass ich wieder ganz der Alte werden kann.

Verfolgen Sie die Diskussion um die jungen Torhüter Neuer, Adler und Rensing, die schnell hoch gejubelt wurden, nur um dann ihre Fehler auszuschlachten.

Ja, das stimmt mich sehr nachdenklich. Bei mir war das damals genauso. Ich wurde als 19-Jähriger über den grünen Klee gelobt und hoch gehandelt. Dann hat mir Alex Alves einen Ball von der Mittellinie ins Tor geschossen - und auf einmal war ich die Oberpflaume schlechthin. Daran hatte ich sehr zu knabbern, aber ich habe auch daraus gelernt. Man sollte den Jungs Zeit geben zu reifen und sie nicht mit Erwartungen erdrücken, Erwartungen, die sie gar nicht erfüllen können.

Haben Sie eigentlich noch Ambitionen Richtung Nationalelf?

Was soll ich mir Gedanken machen, ob ich die Nummer acht oder fünf bin? Das bringt mich nicht weiter. In einem anderen Land wäre ich vielleicht die Nummer eins, aber in Deutschland gibt es viele gute Torhüter.

Interview: Ingo Durstewitz

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