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„Ich bin überall, rechts, links, vorne hinten“, sagt Haris Seferovic.
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„Ich bin überall, rechts, links, vorne hinten“, sagt Haris Seferovic.

Haris Seferovic

"Ich bin ein ekliger Spieler"

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht-Stürmer Haris Seferovic spricht im Interview über seine ungezügelte Spielweise, Tritte in den Hintern und weshalb er jetzt lieber auf Chips verzichtet.

Herr Seferovic, wie ist das persönliche Befinden, wenn man verletzt ist, draußen sitzt, oben auf der Tribüne, und nichts tun kann außer der eigenen Mannschaft zugucken und die Daumen drücken?
Wie soll das schon sein? Ziemlich bescheiden, um es mal vorsichtig auszudrücken. Aber man kann es ja nicht ändern. Es ist auf jeden Fall ein komisches Gefühl, das man kaum beschreiben kann. Aber nach einer halben Stunde hat man sich daran gewöhnt, dass man da oben sitzt und nur zuschauen kann.

Also ist man dann so ein Zuschauer wie ein ganz normaler Besucher oder doch Teil der Mannschaft?
Schwer zu sagen. Eher Zuschauer. Ich kann ja nichts machen, nicht helfen. Man kann nur mitfiebern und hoffen, dass die Mannschaft gewinnt.

Und Sie hatten vorher nie eine Verletzung? Das ist ja fast schon unglaublich.
Das letzte Mal hatte ich eine Verletzung, da war ich, glaube ich, elf Jahre alt. Da hatte ich ebenfalls so eine Muskelverletzung, das war aber links vorne im Oberschenkel. Daran kann ich mich noch erinnern. Ich war sonst immer fit, nie verletzt. Jetzt hatte es mich halt erwischt. Ich habe sofort gespürt, dass da was am Muskel kaputt ist. So ist es halt.

Wie weit sind Sie jetzt? Können Sie spielen am Samstag gegen Mönchengladbach?
Ich habe keine Schmerzen, alles ist okay so weit. Aber im Kopf ist die Angst halt noch da. Wenn der Muskel reißt, dann bin ich zwei, drei Monate weg, dann kann ich alles komplett vergessen.

Brennen Sie auf Ihren Einsatz oder denken Sie, dass es vielleicht besser wäre, wenn Sie langsam wieder einsteigen könnten, also erst einmal auf der Bank sitzen?
Natürlich will ich spielen, aber vielleicht ist es auch besser, nur reinzukommen. Denn 90 Minuten werden schwer werden, weil sicher die Müdigkeit kommen wird. Ich habe drei Wochen nicht mit der Mannschaft trainiert. Das werde ich sicherlich spüren. Ich werde vorher auf alle Fälle noch mit dem Trainer reden.

Gibt es ein Geheimnis, dass Sie fast nie verletzt waren? Besondere Ernährung, Fitnessprogramme oder etwas in der Art?
Nein, ich habe meine Ernährung jetzt ein bisschen umgestellt. Manch einer sagt, die Verletzung könne sogar daher kommen, dass die Muskeln sich langsam umbauen. Das weiß ich nicht. Ich habe aber immer normal gegessen, normal getrunken, ganz normal gelebt.

Was heißt es genau, Ernährung umgestellt?
Na ja, Chips und Süßigkeiten weggelassen. Die gesüßten Getränke habe ich ebenfalls nicht mehr angerührt. Ich habe auch Ernährungsberater hinzugezogen. Ich habe sogar mal probiert, vegan zu leben. So zehn Tage etwa. Aber das funktioniert nicht bei mir. Das ist schwer. Irgendwas fehlt mir da. Ich verzichte jetzt nicht komplett auf Fisch und Fleisch. Wenn ich Lust habe, esse ich das auch. Aber ich esse keine normale Pasta mehr, sondern Vollkornpasta. Das ist okay. Und anstatt Chips esse ich Mandeln zum Beispiel. Ich mache das jetzt einfach ein bisschen bewusster. Aber von heute auf morgen geht das alles nicht.

Die Wertschätzung, die Sie in den vergangenen drei Wochen erlebt haben, ist ja fast schon beispiellos. Obwohl Sie verletzt gefehlt haben oder, besser gesagt, genau deshalb, waren Sie in aller Munde. Jeder Verantwortliche hat den herausragenden Wert Ihrer Person für das Spiel herausgestrichen.
Das ist schön zu hören. Aber das muss ich erst auf dem Platz wieder beweisen.

Jetzt stellen Sie Ihr Licht aber unter den Scheffel.
Ja, okay, vielleicht bin ich ein ekliger Spieler. Ich renne sehr viel, vielleicht zu viel für einen Stürmer. Ich halte die Bälle, ich bin überall, rechts, links, vorne, hinten. Ich bin ein Typ, der gerne die Bälle holt, auch im Mittelfeld. Ich bin nicht der Spieler, der auf den Ball wartet, ich spiele gerne mit. Ich kann auch viele Assists verbuchen, ich mache meine Tore, die will ich auch machen. Vielleicht braucht das Team auch einen, der die anderen motiviert und vorne ackert. Was mir aufgefallen ist in den letzten Spielen: Es ist schwer, vorne die Bälle zu halten. Wenn wir uns befreien wollen, kommt der Ball gleich wieder zurück. Und so können wir auch nicht rausrücken. Und wenn das zehnmal hintereinander passiert, geht irgendwann die Kondition verloren und die Ordnung sowieso. Vorne läuft es momentan nicht so gut, aber nicht nur vorne. Aber es gibt solche Phasen. Ich mache mir da keine Sorgen.

Sie haben bereits im letzten Jahr angedeutet, dass Sie womöglich zu viel laufen und ackern für einen Stürmer. Fehlt da vielleicht dann die Konzentration im Abschluss?
Ich weiß, dass ich zu viel laufe. Aber das ist mein Spiel. Ich habe mal probiert, es umzustellen. Aber das bin dann nicht ich. Vielleicht mit 30, wenn ich etwas älter bin und die Energie nicht mehr so da ist. Aber momentan behalte ich meinen Stil bei. Das ist mein Spiel einfach.

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Sie haben im Winter gesagt, Thomas Schaaf sei ein guter Trainer, der trete Ihnen auch mal in den Hintern. Kommen Sie jetzt mit dem Spielerversteher Armin Veh weniger gut klar?
Armin Veh tritt auch mal in den Hintern, wenn es nicht gut läuft. Das kann ich Ihnen versichern. Wenn es nicht läuft, ist er auch sauer und lässt das die Spieler spüren. Auf jeden Fall versteht er aber das Spiel und die Spieler. Er ist immer offen für Gespräche und ist ein sehr sympathischer Trainer. Das zeichnet ihn aus. Er ist sehr offen, spricht viel mit uns. Und mir gefällt das abwechslungsreiche Training. Er sieht auch, wenn wir mal etwas müde sind, dann macht er etwas lockerer, damit wir uns erholen können.

Wo sind denn die Unterschiede in der Konzeption? Bei Armin Veh soll ja mehr Fußball gespielt werden mit vielen Kurzpässen. Aber bislang hat das noch nicht so wirklich funktioniert, zumindest nicht über mehrere Spiele hinweg.
Bei Thomas Schaaf waren es lange Bälle nach vorne, bei Veh soll von hinten heraus gespielt werden. Das ist ein gutes Spiel, und wir haben auch die Spieler, die das umsetzen können. Wir sind eine gute Mannschaft, aber wir müssen es auf dem Platz mehr zeigen. Wir sind personell besser besetzt als in der letzten Saison. Wir müssen nur das umsetzen, was der Trainer verlangt, und wir dürfen keine Angst haben. Und wir müssen die Konstanz finden und nicht groß reden – von Europa oder was weiß ich was. Natürlich wollen wir nach Europa, das will jeder. Aber das geht ja nicht einfach so. Wir müssen einfach zeigen, dass wir das können.

Und das „magische Dreieck“ muss mal wieder seine ganze Wirkung entfachen. So wie gegen Köln beim 6:2.
Ja, genau (lacht). Vielleicht sind wir auch zu sehr gelobt worden. Das war ein Spiel gegen Köln. Da hat alles gepasst. Wir waren gut, Köln schlecht. Bei denen ging gar nichts, bei uns ging alles. Wir da vorne haben die Tore gemacht. Aber wir sind angewiesen auf die Bälle, die wir bekommen. Wir leben vom Mittelfeld. Wir können nicht die Bälle alleine holen und sie vorne auch noch reinschießen.

"Alex macht die Tore immer"

Jetzt kam Kritik an Luc Castaignos auf. Das könnte ja auch daran liegen, dass Sie nicht mehr mitspielen.
Das weiß ich nicht. Luc ist ein sehr guter Spieler. Wenn man neu hier herkommt, braucht man Zeit. Er hat vier Tore gemacht, er ist ein sehr guter Kicker, er spielt gerne mit, er läuft gerne, er ist ein guter Techniker und vor dem Tor eiskalt. Vielleicht muss man ihm mehr Zeit geben, damit er noch kräftiger wird und die Bälle vorne besser hält.

Nehmen Sie so eine Diskussion wie die um Alex Meier wahr, der jetzt auf seine alten Tage tatsächlich mit der deutschen Nationalelf in Verbindung gebracht wird.
Alex macht die Tore immer. Wenn Jogi ruft, ist das gut. Dann freue ich mich für ihn.

Wie sieht es mit Ihren Zukunftsplänen aus? Ihr Traum ist, eines Tages in England zu spielen. Gibt es da schon konkrete Pläne?
Nein, ich habe hier noch zwei Jahre Vertrag. Diesen Vertrag erfülle ich, und dann sehen wir weiter. England ist für viele Spieler ein Ziel, auch für mich.

Können Sie sich vorstellen, den Vertrag bei der Frankfurter Eintracht womöglich zu verlängern?
Vorstellen könnte ich mir das, natürlich. Warum nicht? Aber das müssten Sie Sportdirektor Bruno Hübner fragen. Für Gespräche bin ich offen.

Zum Abschluss eine etwas andere Frage: Ihre Eltern sind damals aus Bosnien in die Schweiz geflüchtet. Haben Sie eine Meinung zu der aktuellen Flüchtlingsthematik?
Ich möchte hier jetzt eigentlich lieber über Fußball reden. Ich kann dazu nur sagen: Man sollte jedem Menschen eine Chance geben und sich auch mal in die Lage dieser Menschen versetzen. Da, wo diese Menschen herkommen, herrscht Krieg. Sie wollen nur überleben. Wer möchte im Kriegsgebiet leben und jeden Tag um sein Leben fürchten? Ich finde, jeder Mensch sollte eine faire Chance bekommen.

Interview: Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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