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So groß wie ein Scheunentor und fast leer. Und doch schafft es Halil Altintop (links), den Ball noch über das Tor zu schießen.
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So groß wie ein Scheunentor und fast leer. Und doch schafft es Halil Altintop (links), den Ball noch über das Tor zu schießen.

Gute Leistung gegen Schalke

Nur das i-Tüpfelchen fehlt

Eintracht Frankfurt spielt den FC Schalke 04 im zweiten Abschnitt an die Wand, verpasst es aber trotz vieler Chancen, den entscheidenden Treffer zu erzielen. Altintop vergab mit einem unglaublichen Fehlschuss die größte Chance zur Führung.

Von Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

Selten hat man Heribert Bruchhagen so gelöst und befreit gesehen, wie nach dieser kribbeligen Bundesligapartie im Frankfurter Stadtwald. Der Eintracht-Vorstandschef schien vor Stolz fast zu platzen, die pure Freude blitzte aus seinen Augen. „Das war ein tolles Spiel, wir hatten unfassbare Chancen. Die zweite Halbzeit war die beste der letzten Jahre“, jubilierte der euphorisierte 62-Jährige. „Ich habe selten gesehen, dass wir so dominant waren. Wir haben mit Herz und toller Kampfkraft die Schalker beherrscht.“ Dann lächelte er ein letztes Mal selig in die Runde und war verschwunden. So glücklich kann ein null zu null machen.

Bruchhagen stand nicht alleine mit seiner Einschätzung, selten hat sich für die Eintracht ein torloses Remis so sehr wie ein Sieg angefühlt. Die Frankfurter vollbrachten in den zweiten 45 Minuten eine kleine Meisterleistung, da zogen sie die Königsblauen am Nasenring durch die Manege. Die Schalker hatten der Wucht und Präzision der hessischen Angriffe nichts entgegenzusetzen. „Wir haben uns mehr schlecht als recht gewehrt“, monierte SO4-Alleinherrscher Felix Magath. „Ich kann nur lachen, weil wir glücklich einen Punkt mitgenommen haben. Wir hatten kein Gegenspiel, wir mussten viel, viel zittern. Wir sind gar nicht mehr an den Strafraum der Eintracht gekommen.“

Gerade über rechts mit den pfeilschnellen Sebastian Jung und Patrick Ochs stießen die Frankfurter immer wieder brandgefährlich in den Rücken der Schalker Abwehr. Die rechte Angriffsseite hat sich ohnehin zu einer echten Waffe der Eintracht entwickelt, sie ist kaum auszurechnen, das Prunkstück.

Der zweite Durchgang war ganz sicher der beste in dieser Saison, Trainer Michael Skibbe befand gar: „Das war die beste Halbzeit meiner Amtszeit“, also seit 16 Monaten. Auch die Spieler waren von ihrer eigenen Performance angetan. Kapitän Chris, der schlichtweg eine überragende Leistung zeigte und sich im defensiven Mittelfeld harte und beherzte Zweikämpfe mit Ex-Eintrachtler Jermaine Jones führte, adelte den Auftritt: „Das war gigantisch.“ Jones wurde übrigens an alter Wirkungsstätte wie erwartet bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen.

Eintracht zerlegte Schalke säuberlich

Die Eintracht zerlegte die enttäuschenden und schlappen Schalker fein säuberlich – mit spielerischer Klasse und kämpferischer Bedingungslosigkeit. Zehn zu null Schüsse ? so lautet die Statistik der zweiten Hälfte. Vier, fünf, sechs gute Möglichkeiten hatten die Hessen, Skibbe wollte gar „7:0 Chancen“ gesehen haben. Doch weder Marco Russ (47.), Alexander Meier (53., 66., 71.), Theofanis Gekas (81.) noch Benjamin Köhler (90.) brachten den Ball im Tor unter. Für den Höhepunkt der Unzulänglichkeit sorgte indessen Halil Altintop nach ganz genau 68 Minuten. Da hatte Eintracht-Kapitän Chris den Ball mit einer unglaublichen Energieleistung an der Außenlinie gegen Joel Matip erkämpft, Patrick Ochs nahm Fahrt auf und passte den Ball perfekt vor das Schalker Tor, wo Halil Altintop nur noch den Fuß hinhalten musste. Zwei, drei Meter vor dem Tor, vor dem leeren Tor. Das musste die Führung sein, diesen Ball würde auch ein Kreisligaspieler mit 20 Kilogramm Übergewicht reinschießen. Doch Altintop vollbrachte das Kunststück und setzte die Kugel zwei Meter über die Latte. Es war ein fast schon unfassbarer Fehlschuss, der zweifellos den Sieg kostete.

Altintop, der Stürmer der traurigen Gestalt, kommentierte lakonisch: „Der Ball geht nicht rein, sondern drüber. Ihr habt es doch selbst gesehen.“ Trainer Skibbe traute wie 51500 Zuschauer in der ausverkauften Frankfurter Arena seinen Augen nicht. „Ich war erschrocken und erstaunt, dass der Ball nicht drin war“, fasste er zusammen. „Der Ball ist kurz davor noch mal aufgetickt, er hat ihn mehr mit dem Knöchel als mit den Fuß geschossen“, sagte er nachsichtig. So oder so: Es war deutlich schwieriger, diesen Ball drüber als rein zu schießen.

Neun Partien, kein Tor

Altintop hat ohnehin nicht den besten Lauf, er versiebt auch die besten Chancen. In dieser Saison hat er in neun Partien kein einziges Tor geschossen, auch in der vergangenen Spielzeit traf er nur dreimal. Selbst im Länderspiel der Türken gegen Deutschland vergab er eine Großchance. „Es klappt im Moment einfach nicht, solche Phasen gibt es“, sagte der Stürmer, der als Linksaußen auflief, weil Köhler den noch immer magenkranken Georgios Tzavellas als Verteidiger vertreten musste. Von den Mitspieler gab es keine Vorwürfe. „Er ackert und rackert, er macht enorm viel für die Mannschaft“, sagte der bärenstarke Pirmin Schwegler. „Er muss mal treffen, dann wird der Knoten platzen.“ Auch Skibbe bescheinigten dem 27-Jährigen eine gute Leistung. Altintop selbst stellte demonstrativ Selbstbewusstsein zur Schau. „Egal, wo ich gespielt habe, ich habe meine Aufgabe immer sehr ordentlich gemacht. Und dass der Trainer auf mich setzt, ist für mich die Bestätigung dafür.“

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Skibbe seine Mannschaft nie großartig durcheinander wirbelt. Das wiederum hat einen einfachen Grund. Das Leistungsgefälle des Kaders. Er baut im Kern auf 14 Spieler, die anderen sind mehr oder weniger außen vor. Zu diesen Spielern könnte alsbald auch Caio gehören, der nach 82 Minuten eingewechselt wurde und es in dieser kurzen Zeit noch schaffte, negativ aufzufallen. Caio ist nicht handlungsschnell genug, gedanklich zu langsam. Zwei-, dreimal ließ er sich den Ball leichtfertig abnehmen, beim letzten Eintracht-Konter in der 90. Minute trabte er seinen sprintenden Mitspielern im Dauerlauf hinterher. Skibbe will mit dem Brasilianer über diese Szenen kurz sprechen, zumal „seine Aktionen im Ansatz vielversprechend waren“. Martin Fenin hingegen, mit Caio ins Spiel gekommen, hatte gute Aktionen.

Eintracht im Aufwärtstrend

Die Eintracht, die schon am Mittwoch im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV (19 Uhr) wieder zu Hause antreten darf, befindet sich nach neun Spielen weiter im Aufwärtstrend, sie steht stabil, sie spielt schönen Fußball, und sie hat in den letzten vier Partien nur einen Gegentreffer hinnehmen müssen. „Wir sind aus den Niederlagen zu Beginn gestärkt hervorgegangen“, sagte Schwegler. „Wir sind zusammengewachsen und haben zu einem guten Mannschaftsgefüge gefunden.“ Genau das hatte Schwegler zu Beginn der Runde noch vermisst.

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