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Bester Laune: Kostic, Rebic, Haller und Jovic (von links).

Eintracht Frankfurt

Hütter und die Stürmerfrage

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    Ingo Durstewitz
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Das Frankfurter Sturmtrio Rebic, Haller und Jovic macht den Unterschied. Trainer Adi Hütter wird gegen Nürnberg einen der Angreifer auf der Bank lassen müssen.

Nach der zweiten zaghaften Nachfrage zum Reservistendasein des emsigen Torsesammlers Luka Jovic wurde Adi Hütter zum ersten Mal recht deutlich. Freundlich und verbindlich, wie es so seine Art ist, aber doch sehr klar und bestimmend. „Diese Frage ist nicht blöd“, bedeutete er dem Reporter, der schon ein wenig vorgebaut hatte, „grundsätzlich sind alle Fragen berechtigt.“ Dann folgte das große Aber. „Aber ich weiß nicht, weshalb ich immer jedem erklären muss, warum ich wie aufstelle.“ Und dann, Sekunden später, zur Verdeutlichung: „Ich werde auf diese Frage nicht mehr oft antworten. Es ist nicht meine Aufgabe, immer jedem zu erklären, warum und wieso.“ Er hat es dann doch ein wenig erklärt, der derzeitige Erfolgstrainer der Frankfurter Eintracht, auch wenn er es ja gar nicht wollte und natürlich auch nicht muss. 

Hütter hat auch am Donnerstag im Europapokalspiel gegen Apollon Limassol (2:0) alles richtig gemacht, in Ante Rebic und Sebastien Haller gewiss die passenden Stürmer für die Startelf nominiert, selbst wenn es, vordergründig betrachtet, natürlich ein wenig verwundert, dass der Mann, der vor wenigen Tagen mit seinem Fünferpack gegen Düsseldorf noch Eintracht-Geschichte schrieb, auf die Bank musste. Dabei ist die Antwort ganz banal und einleuchtend. „Wir haben Luka an diesem Tag nicht gebraucht.“ Hörte sich strenger an, als es gemeint war. 

Es ist einfach so, dass das Tandem Rebic/Haller besser auf die Zyprioten gepasst hat, weil beide die Kontrahenten bedingungslos attackieren, ihnen wehtun und sie nicht zur Ruhe kommen lassen. Wenn ein Luka Jovic hingegen noch ein kleines Manko hat, dann seine Defensivarbeit. Da hat er sich zwar schon deutlich verbessert, doch ab und an lässt er Fünfe noch mal gerade sein und nimmt das mit dem permanenten Anlaufen des Gegners nicht mehr ganz so genau. Vor wenigen Tagen erst wies Sportdirektor Bruno Hübner genau darauf hin: „Die Mannschaft ist auch in der Lage, diese kleine Schwäche zu kompensieren, damit er seine Stärken voll ausspielen kann.“ Die größte Stärke des Serben ist, na klar: Toreschießen. 

Pressing ohne Ende

Doch manchmal wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, erfolgreich zu sein, wenn andere Komponenten erfüllt sind, eben die Bereitschaft und der unbändige Wille, für das Team zu arbeiten und Bälle zu gewinnen. Gegen Limassol sei das deshalb so wichtig gewesen, weil die Gegneranalyse klar ergeben hat, dass Apollon, wie Hütter feststellte, „kontinuierlich versucht, von hinten aufzubauen und spielerische Lösungen zu finden.“ Da sei das Pressing „ein probates Mittel“, um den Opponenten schon früh zu stören und zu Fehlern zu zwingen – vor allem dann, wenn er nicht der höchsten Güteklasse zuzurechnen ist. 

Dieser Schachzug ist voll aufgegangen, dem konsequenten Druck konnten die Zyprioten nicht Stand halten. Und so erhielten die beiden schwer malochenden Angreifer ein Extralob von den Kollegen. „Wenn unsere Stürmer nicht draufgehen und wir nicht proaktiv sind, können sie ihr Tiki-Taka machen“, befand Abräumer Gelson Fernandes. „Aber unsere Stürmer haben sie mit Tempo und Power angelaufen. Es ist gut für die Abwehr, wenn sie so arbeiten.“ Dann nämlich könne man das ganze Spiel weiter nach vorne verlagern und den Gegner förmlich einkesseln. „Der Druck ist dann in der gegnerischen Hälfte“, flankierte Verteidiger Marco Russ und zählte zu den fleißigen Lieschen Haller und Rebic gleich noch Filip Kostic und Mijat Gacinovic dazu: „Wie die drei, vier, fünf da vorne Gas geben, ist schon Wahnsinn.“ 

Ein kleines Härchen fand der Routinier aber doch in der Suppe: dass nämlich so viele Chancen ausgelassen wurden, könne auch daran liegen, dass die Offensiven mit so viel „Speed gegen den Ball arbeiten, dann kann es schon mal sein, dass man vor dem Tor nicht so fokussiert ist.“ Andererseits reicht ja auch mal ein 2:0, vielleicht hätte ein erneuter Kantersieg die Sinne ein wenig vernebelt. Vielleicht aber auch nicht. 

Wer stürmt gegen Nürnberg?

Für Hütter, ein absoluter Fan des Pressings, ist diese Taktik aber nicht in Stein gemeißelt. Die Bundesligateams seien von anderem Schrot und Korn. „Da wird zügiger nach vorne gespielt, da muss man die Tiefe im Griff haben.“ 

Wer nun morgen in Nürnberg (13.30 Uhr) stürmen wird, steht in den Sternen. „Ich bin in der glücklichen Lage, einen von den Klassestürmern auf der Bank lassen zu müssen.“ Oft genug vertraue er, Hütter, da seinem Gefühl. Luka Jovic habe er seine Maßnahme eigens erklärt, und „mit welch Bescheidenheit und Professionalität er das aufgenommen hat, hat mir gut gefallen.“ Er wolle dem jungen Torjäger auch einfach die Zeit geben, um das zu verkraften, was nach seinen fünf Treffern auf ihn eingeprasselt ist. 

Marco Russ ist übrigens einerlei, wer da vorne mit wem spielt. „Egal, welche Combo, die verstehen sich blind.“ Und für den erfahrenen 33-Jährigen ist klar, dass das Sturmtrio eine Klasse für sich ist und in seiner eigenen Liga spielt. „Diese Qualität, diese Power und diese Athletik – in der Breite habe ich so etwas noch nie erlebt.“ Das will was heißen: Russ hat bereits 301 Bundesligaspiele auf dem Buckel.

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