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Nach fast einem halben Jahr in Frankfurt ist Adi Hütter dabei sich zu emanzipieren.

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Adi Hütter schwimmt sich frei

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Eintracht-Trainer Adi Hütter hat nach einem schwierigen Beginn in Frankfurt an Profil gewonnen. Ein Kommentar.

Der Einstand bei Eintracht Frankfurt hätte für den Trainer Adi Hütter glücklicher verlaufen können: Führungsspieler verloren, eine zerrissene Vorbereitung ohne den kompletten Kader, eine aus vieler Herren Ländern zusammengeholte Truppe, dann zwei Tiefschläge, als es ernst wurde, in Supercup und DFB-Pokal. Dazu ein Alphatier als Vorgesetzter, das es liebt, Einfluss in sportliche Dinge zu nehmen.

Adi Hütter stand vor großen Hürden

Und nicht zu vergessen, die großen Fußstapfen, die ein Niko Kovac mit dem unerwarteten Pokaltriumph von Berlin hinterlassen hatte, und das Ganze vor dem Hintergrund eines Traditionsvereins, der vor enormen Umbrüchen steht. Da türmten sich vor dem Neuen gewaltige Hürden auf, noch ehe der erste Ball in der Liga gekickt war. Und Hütter, bis dato lediglich im beschaulichen Österreich und der Schweiz als Coach erfolgreich, befeuerte in seiner Anfangszeit die latenten Vorbehalte mit seiner (zu) oft geäußerten Freude, endlich „in der deutschen Bundesliga“ arbeiten zu dürfen.

Nach fast einem halben Jahr in Frankfurt ist Adi Hütter dabei sich zu emanzipieren. Der Mann, ein ruhiger, nachdenklicher, eher leiser Zeitgenosse, scheint in Frankfurt angekommen zu sein, scheint inzwischen auch die Kraft zu haben, seinen Stil, seine Ideen durchzusetzen, seinen Weg zu gehen. Nach und nach lässt sich eine Handschrift erkennen, man sieht, mit welchen Mitteln Eintracht Frankfurt zum Erfolg kommen will. Es ist eine Mischung aus dem alten, gallig-nickligen Kovac-Stil und einem couragierten Attackieren an vorderster Front, eine Mixtur aus taktischer Disziplin und neu erweckter Spielfreude, zumindest ist der Wille mittlerweile erkennbar, auch fußballerisch Akzente zu setzen.

Hütter, ein Verfechter attraktiven Offensivfußballs, hat sich der Macht des Faktischen beugen müssen. Das spricht für ihn. Er hat erkannt, dass diese Mannschaft zuerst malochen muss, erst defensiv denken muss, ehe es nach vorne gehen kann – selbst wenn das nicht seiner ureigenen Spielidee entspricht. 

Adi Hütter ist weiter dabei, ein Profil zu entwickeln

Hütter, integer und frei von Allüren, ist weiter dabei, sich in Frankfurt freizuschwimmen, ein Profil zu entwickeln. Er hat jene Profis, die stil- und würdelos zeitweilig in einer Trainingsgruppe 2 versenkt wurden, ohne großes Aufhebens zurück in den Kader geholt. Und er hat zwischen den Zeilen durchblicken lassen, dass er diese Maßnahme der Sportlichen Führung als nicht besonders gelungen betrachtete. Er hat vor dem Hannover-Spiel den aufkommenden Druck nicht schönfärberisch kleingeredet, sondern die Mannschaft in die Pflicht genommen. Er hat dabei an Statur und Format gewonnen, der erstaunlich souveräne Sieg gegen Lazio Rom wird ihm Aufwind geben.

Ein wenig ist der 48 Jahre alte Österreicher zu seinem Glück gezwungen worden, die vielen langwierigen Verletzungen von Stammkräften in einem nicht optimal ausbalancierten Kader hatten seine personelle Auswahl beeinflusst. Aus diesem Malus hat er unaufgeregt das Beste gemacht.

Adi Hütter hat sich den Ruf erworben, Mannschaften weiterzuentwickeln, sie zu schulen. Das braucht Zeit. Zeit, die Trainern in der Bundesliga oft nicht zugestanden wird. Hilfreich sind da Ergebnisse, und die hat Hütter vorerst geliefert, gerade auf dem glänzenden europäischen Parkett.

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