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Sah schon entspannter aus: Eintracht-Trainer Adi Hütter.

Heimspiel

Hütter rüttelt auf

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Eintracht-Trainer Adi Hütter redet vor dem Spiel gegen Hannover nicht lange um den heißen Brei herum: "Wir sind unter Druck."

Es gibt eine Menge Trainer, Manager oder Vorstände, die reden noch die niederschmetternsde Niederlage schön, wollen in Zeiten der Krise das Positive entdecken, überpinseln selbst offensichtliche Missstände gerne mit rosaroten Farben. Zu dieser Spezies gehört der Frankfurter Fußballlehrer nicht. Adi Hütter hat am Freitag, zwei Tage vor dem Heimspiel gegen Hannover 96 (15.30 Uhr), kein Blatt vor den Mund genommen und Klartext geredet, erfrischend deutlich. „Wir sind unter Druck.“ 

Die Tabelle lügt nicht, vier Punkte nach fünf Spieltagen seien viel zu wenig. „Wir haben uns selbst in diese Situation gebracht, mit diesem Druck müssen wir umgehen.“ Hütter machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Wir müssen gegen Hannover gewinnen, ohne Wenn und Aber.“ Dazu erwartet er von seiner Mannschaft, dass sie sich „besser präsentiert“ als am Mittwoch bei der verdienten 1:3-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach. 

Adi Hütter nimmt Spieler in die Pflicht

Keine Frage: Adi Hütter nimmt seine Spieler nach dem Holperstart in die Pflicht, er gibt den Druck weiter. Der 48 Jahre alte Fußballlehrer will offenbar aufrütteln, will durchdringen zu den Profis, will ihnen den Ernst der Lage, auch schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison, deutlich machen. „Ich will hier nicht um den heißen Brei herumreden.“ Sein Team hat ihm in Gladbach nicht gefallen. „Es stört mich, dass wir uns im Spiel unter Druck nicht befreien konnten“, krittelte er. 

Just dadurch fiel der Führungstreffer der „Fohlen“. Viel „zu passiv“ habe sich seine Elf zudem in vielen Situationen verhalten, bei Einwürfen, bei den Standards. Gerade bei den ruhenden Bällen „müssen wir uns unbedingt verbessern“, das habe viel „mit Konzentration zu tun“. Offensichtlich mangelt es auch da bei seinen Spielern. Es bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft den öffentlichen Appell verstanden hat. „So wie wir dastehen, passt es mir nicht“, sagte der Österreicher.

Unglücklicherweise ist schnelle Abhilfe nicht in Sicht. Denn am Grundproblem der Frankfurter Eintracht ändert sich nichts: Es mangelt im offensiven Mittelfeld an „Kreativität“, so Hütter. „Wir haben eine Problematik in der Spielfortsetzung in die Offensive“, räumte der Coach ehrlich ein. Keiner ist da, der einen tödlichen Pass spielen kann oder eine „super Spielverlagerung“ hinbekommen würde, um die Stürmer besser in Szene zu setzen.

Und das ist ja die Krux: Die Hessen verfügen mit Filip Kostic, Ante Rebic, Sebastien Haller und Luka Jovic im Kern über sehr viel stürmische Qualität, viele Bundesligisten beneiden die Frankfurter um dieses Quartett. Doch die Angreifer bekommen kaum Bälle, sind fast abgeschnitten vom überforderten Mittelfeld, hängen in der Luft. Ihre Fähigkeiten werden überhaupt nicht abgerufen, die besten Frankfurter Waffen bleiben stumpf.

Diese Problematik freilich ist nicht neu, sehenden Auges ist man mit einem nicht ausbalancierten Kader in die Saison gegangen, hat vier Torhüter und vier Mittelstürmer im Team, aber keinen Mittelfeldspieler, der das Spiel gestaltet. Mijat Gacinovic oder Jonathan de Guzman sind dazu zu selten in der Lage, Makoto Hasebe, Gelson Fernandes und Lucas Torro haben ihre Stärken eindeutig in der Defensive. „Wir haben immer gesagt, die Saison wird schwer“, sagte Hütter. „Uns ist bewusst, dass wir gefährdet sind.“ Dass der Eintracht diese Versäumnisse aber so schnell auf die Füße fallen würden, war nicht erwartet worden.

Den Frankfurter Fußballern stehen somit  wegweisende Wochen bevor. Nach dem Heimspiel gegen Hannover, der zweiten Europa-League-Begegnung am Donnerstag im Stadtwald gegen Lazio Rom und der Partie bei Hoffenheim spielt die Eintracht nacheinander gegen Gegner auf Augenhöhe, zumindest von der Papierform: Düsseldorf (H), Nürnberg (A), Stuttgart (A), Schalke (H), Augsburg (A). In diesen Spiele werden die Weichen gestellt, da wird sich entscheiden, wohin die Reise geht. 

Immerhin kann Hütter mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit den Stürmer, „der den Unterschied ausmacht“, nämlich Ante Rebic, erstmals von Anfang an einsetzen, der Angreifer sei „ein heißes Thema für Sonntag“. Der Kroate wird sicher für den indisponierten und offensichtlich nicht fitten Nicolai Müller in die Mannschaft kommen.

Womöglich kann der Coach auch wieder mit Abräumer Lucas Torro planen, der seine Blessur am Schambein auskuriert haben soll, und zumindest ohne Ball keine Schmerzen verspürt. „Die Mannschaft wird sich zerreißen“, kündigte Hütter an, allemal erwartet er von ihr eine Reaktion und die dringend benötigten drei Punkte gegen aufkommende Abstiegssorgen. Allerdings befindet sich Hannover 96, noch ohne Sieg und mit zwei Zählern auf dem Relegationsplatz, in einer nahezu identischen Lage. Auch für die Jungs von Trainer André Breitenreiter ist die Partie 15. gegen 16. am Sonntag eine immens wichtige für einen möglichen Befreiungsschlag. Das könnte interessant werden - oder verkrampft.

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