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Tiefe Gräben bei Eintracht Frankfurt: Sportvorstand Fredi Bobic (links) und Vorstandssprecher Axel Hellmann.
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Tiefe Gräben bei Eintracht Frankfurt: Sportvorstand Fredi Bobic (links) und Vorstandssprecher Axel Hellmann.

SGE

Eintracht Frankfurt: Bobic, Hütter und die tiefen Gräben in der SGE-Welt

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Bei Eintracht Frankfurt ist der Ärger über das Auftreten von Adi Hütter und Fredi Bobic nach der Blamage auf Schalke weiter groß.

Frankfurt – Selten ist in Frankfurt ein vormals als überaus relevant eingestuftes Resultat mit so viel Gleichmut hingenommen worden wie jener 3:1-Sieg von Borussia Dortmund beim Nachbarn Mainz 05. Viele im Eintracht-Zirkel spürten sogar eine Form der Erleichterung, der Schmerz der blamablen 3:4-Niederlage beim Absteiger Schalke 04 war durch den Dortmunder Erfolg abgemildert worden. Nicht auszudenken, wenn der BVB in Mainz, wie zuvor erhofft, tatsächlich ins Straucheln gekommen wäre und die Eintracht daraus kein Kapital hätte schlagen können, weil sie beim Prügelknaben aus Gelsenkirchen ja selbst Prügel bezogen hatte. So aber steht seit Sonntagabend unumstößlich fest: Die Champions League wird in der neuen Saison ohne Eintracht Frankfurt angepfiffen – dabei war die erstmalige Teilnahme zum Greifen nahe.

Dass der große Traum auf den letzten Metern zerplatzt ist, liegt in erster und zweiter Linie an den vorzeitig verkündeten Entscheidungen von Sportvorstand Fredi Bobic und Trainer Adi Hütter, den Verein am Saisonende zu verlassen – das sieht mittlerweile jeder so, nur die beiden selbst nicht, die sich in einer Mixtur aus fehlender Einsicht, Selbstkritik und Demut sowie überbordenden Eigeninteressen über den Verein gestellt und quasi zu Personae non gratae gemacht haben. Wäre es vonseiten des Trainers etwa so schwer gewesen zu sagen: „Okay, ich wollte das Beste, aber es hat nicht gereicht, wir sind von der Entwicklung überrollt worden. Dafür übernehme ich die Verantwortung.“

Eintracht Frankfurt: Traum von der Champions League geplatzt

Gerade Hütter hat – wie sein Vorgänger Marco Rose bei seinem zukünftigen Arbeitgeber Borussia Mönchengladbach – in der Liga erheblich an Ansehen und Renommee eingebüßt. Selbst das gemäßigte Fachblatt „Kicker“ ging hart mit den Abtrünnigen ins Gericht: „Sie zählen zu den großen Verlierern dieser Saison.“

Ging Bobics Ankündigung Anfang März zwar nicht medial, aber doch mannschaftsintern relativ geräuschlos über die Bühne, so war das bei Hütter rund sechs Wochen später anders. Seitdem hat seine Mannschaft nur noch vier Punkte aus fünf Spielen geholt und das große Ziel Königsklasse verpasst. Es gibt Stimmen, die fordern, dass beide auf das letzte, bedeutungslos gewordene Spiel am Samstag gegen den SC Freiburg freiwillig verzichten sollen. Aus Anstand und als Zeichen, etwas verstanden zu haben.

Eintracht Frankfurt: Freistellung von Hütter wäre Aktionismus

Andere verstehen nicht, dass Hütter nicht frühzeitig oder zumindest jetzt freigestellt wurde. Eine aktuelle Ablösung wäre freilich nur ein Signal, aus der Emotion heraus gesetzt, das vielleicht die wütenden Fans zufriedenstellen, aber in der Branche sicher eher zwiespältig aufgenommen würde. Es wäre Aktionismus, wenig seriös, und würde wieder eine Menge Theater schaffen. Und was soll es bringen? Die Saison ist sowieso gelaufen, vier Tage noch.

Auch so wird es, zumindest intern, unruhig genug in dieser Woche, weil der verbleibende Vorstand um Sprecher Axel Hellmann und Finanzchef Oliver Frankenbach auf offenen Konfrontationskurs zur Sportlichen Leitung gegangen ist und ihre Außendarstellung samt Interviews harsch kritisierte. Das ist ein ungewöhnlicher Vorgang und zeigt, wie tief die Gräben sind. Nach einer blamablen Vorstellung wie jener auf Schalke, so Hellmann, könne man nicht den fünften Platz als Erfolg verkaufen. „Die Schönrednerei ist das falsche Signal.“ Bei Hütter und Bobic ist das nicht gut angekommen, aber es ist richtig, den beiden zumindest die Deutungshoheit über das sportliche Abschneiden zu entziehen. Alles andere wäre absurd.

Zum einen, weil sie durch ihre Ich-AG-Haltung die Saison nicht zu dem Abschluss geführt haben, der angemessen und verdient gewesen wäre, und zum anderen weil sie in fünf Tagen nur noch Geschichte in Frankfurt sind und es offenkundig nur noch darauf abgesehen haben, möglichst gut und geschmeidig aus der Nummer herauszukommen. Das darf schon jetzt als misslungen angesehen werden. Jedwedes Gespür für die riesige Enttäuschung und den tiefen Frust der Fans scheint Hütter und Bobic abzugehen.

Eintracht Frankfurt: Zeichen an den neuen Sportvorstand Krösche

Der Vorstoß Hellmanns ist auch ein Zeichen an den neuen Sportvorstand Markus Krösche, dass nicht alles aus dem Ruder läuft und die verbliebenen Führungskräfte das Heft des Handelns in der Hand behalten. Dass sie in der Retrospektive (zu) lange untätig waren, lag an der unglücklichen Fügung, dem Vakuum auf sportlicher Ebene, und ihrer eigenen Position. Hätten der Marketingvorstand und der Finanzboss über den zwar scheidenden, aber noch im Amt befindlichen Sportchef hinweg den Trainer entlassen sollen, obwohl sie aus der Mannschaft und dem Funktionsteam keinerlei Signale empfangen hatten, dass es zusammen nicht mehr weitergehen könnte? Und wenn es dann schiefgegangen wäre? Nein, im Nachhinein war es sicher die falsche Entscheidung, Adi Hütter auf der Kommandobrücke zu belassen, aber sie war zum damaligen Zeitpunkt nachvollziehbar.

Zumal man die Hoffnung haben konnte, dass man sich in der bestehenden Konstellation bei dem Restprogramm (unter anderem Augsburg, Mainz, Schalke, Freiburg) durchlavieren könnte. Heute weiß man: Ein Trugschluss.

Aber auch kleinere Fehler sind gemacht worden, es ist einiges verrutscht in der Darstellung des Klubs. So war es nahezu grotesk, dass Fredi Bobic nach den Eintracht-Spielen seine Einschätzung dazu abgeben durfte und auch bei Vertragsangelegenheiten wie der Verlängerung von Timothy Chandler noch in die Kamera lachte – sich gedanklich aber schon lange verabschiedet hatte und im Hintergrund die Saison von Hertha BSC plante. Klingt schwer nach Interessenskonflikt.

In diesem Zusammenhang hat der Verein die richtigen Schlüsse gezogen. Das zeigt sich an der am Montag bekanntgegebenen Verpflichtung des 17 Jahre alten Spaniers Fabio Blanco, der einen Vertrag bis 2023 mit der Option auf eine Verlängerung unterschrieben hat. Nicht Bobic äußerte sich zum Transfercoup, sondern Kadarmanager Ben Manga und Vorstandssprecher Hellmann.

Blanco, der ablösefrei vom FC Valencia kommt, gilt als eines der größten Talente Spaniens, ist in seinem Jahrgang quasi konkurrenzlos. „Er war von einigen Topvereinen Europas stark umworben, doch letztendlich hat die gute Perspektive hier in Frankfurt den Ausschlag gegeben. Seine technischen Fertigkeiten sind außergewöhnlich“, sagte Manga. Vorstand Hellmann lobte den Direktor Profifußball: „Ben Manga hat mit dieser Verpflichtung einmal mehr sein Gespür für Toptalente und seine hervorragende Vernetzung im europäischen Spitzenfußball unter Beweis gestellt.“

Eintracht Frankfurt: Blanco kommt im Sommer

Viele internationalen Topklubs waren an Blanco interessiert, doch „die Gespräche mit Ben Manga haben meine Familie und mich überzeugt, meinen nächsten Entwicklungsschritt in Frankfurt zu gehen“, sagte der Rechtsaußen. Dass sich der Hochbegabte für die Hessen entschieden hat, darf der Klub sehr wohl als Zeichen „für den gewachsenen Stellenwert von Eintracht Frankfurt“ (Hellmann) interpretieren.

Zuvorderst gilt es nun, diese merkwürdige Abschlusswoche zu überbrücken, ab Sonntag werden die Aufräumarbeiten beginnen. Der neue Sportvorstand Markus Krösche werkelt bereits eifrig im Hintergrund, vornehmlich natürlich an der Trainerfrage. Auch in dieser Personalie wird bald weißer Rauch aufsteigen, und dann ist der erste Umwälzungsprozess nach dieser zuletzt doch arg bleiernen Zeit abgeschlossen.

Irgendwann wird man sich in Frankfurt auch über Platz fünf und die Europa League freuen. Adi Hütter und Fredi Bobic werden dann schon lange weg sein. (Ingo Durstewitz)

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