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43 Punkte, Platz Neun in der Tabelle: Für die Eintracht ist das ein zufriedenstellendes Ergebnis.

Eintracht Frankfurt

Hübner sieht kein Anzeichen für Schaafs Abschied

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Die Frankfurter Eintracht weiß selbst nicht so recht, wie sie diese Saison richtig einordnen soll. Positiver Nebeneffekt: Durch den Freiburger Abstieg kassiert die SGE mehr TV-Geld. Unterdessen gibt es wieder Gerüchte um Trainer Thomas Schaaf.

Auch am langen Pfingstwochenende waberten immer wieder mal ein paar Gerüchte durch den Stadtwald, wonach der Frankfurter Trainer Thomas Schaaf seinen Spind auf der Geschäftsstelle leer geräumt hätte und also die Brocken beim Fußball-Bundesligisten hinschmeißen würde. Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner wurde am Pfingstmontag von einer entsprechenden SMS aufgeschreckt und stiefelte sicherheitshalber an Schaafs Schrank in der Trainerkabine. Dort waren noch alle relevanten Sachen ordentlich verstaut. „Der Spind ist voll“, sagte Hübner der FR. „Thomas ist mit der Mannschaft ganz normal zum Spiel nach Heppenheim gefahren.“ Mit dem dortigen Freundschaftsspiel begann für die Frankfurter die Abschiedstournee in dieser Saison, nach dem letzten Privatkick am Donnerstag in Seulberg verstreuen sich die Profis rund um den Erdball.

Es spricht viel dafür, dass Thomas Schaaf dann weiterhin Trainer sein wird, auch wenn sich die Spekulationen um einen freiwilligen Abschied hartnäckig halten. Bruno Hübner hat davon auch gehört, aber das sei normal in der Pause, „wenn das Trainerkarussell Fahrt aufnimmt“. Er könne sich nicht vorstellen, dass im konkreten Fall Substanz dahinter steckt. „Wir haben die Saison ja auch gut beendet“, sagte der Manager. „Ich sehe da jetzt keine Anzeichen.“ Ein abschließendes Analysegespräch sei nicht eigens angesetzt worden. „Wir sprechen ja jeden Tag miteinander.“

Nach dem 2:1-Erfolg über Bayer 04 Leverkusen, den Haris Seferovic (4.) und Alexander Madlung (39.) bei einem Gegentor von Karim Bellarabi (6.) herausschossen, schließt Eintracht Frankfurt diese Saison mit 43 Punkten auf Platz neun ab. Das ist ein zufriedenstellendes Ergebnis. Die Abstiegsangst machte sich nie ernsthaft breit in Frankfurt.

Und doch wäre mehr drin gewesen wäre. Die Europa League ist den Hessen mehrfach angeboten worden, sie hätten nur kräftig zupacken müssen. Doch immer dann, wenn sie in Schlagweite waren, versagten die Frankfurter auf ganzer Linie.

Es ist schon bezeichnend, dass Borussia Dortmund als Tabellenvorletzter nach 17 Spielen am Ende noch international spielen darf. Diese Frankfurter Wankelmütigkeit, gerade auswärts, hat die nun beendete Spielzeit so schwer greifbar gemacht. Auswärts stellt die Eintracht die schwächste Mannschaft der Liga, rangiert auf Rang 18. „Wir wissen, dass wir noch zu viele Fehler machen, zu viele Gegentore und zu viele Auswärtsniederlagen kassiert haben“, sagte Trainer Schaaf. Zu Hause kommt sie mit 32 errungenen Punkten und keiner Niederlage in 2015 auf Platz sechs. Das ist gut. „Wir haben auch gegen Leverkusen den Beweis für das Spektakel angetreten, das wir hier immer wieder abgeliefert haben“, betonte Schaaf. „Bei uns findet etwas statt.“

Ein Fazit fällt dennoch schwer, gerade wegen der Diskrepanz in den Spielen gegen Schwer- und Leichtgewichte der Liga. In den direkten Duellen gegen die Topklubs habe man eine „Bombenbilanz“, wie Finanzvorstand Axel Hellmann sagte. „Da liegen wir auf Champions-League-Niveau.“ In den Vergleichen mit den Tabellenkellerkindern sieht das ganz anders aus, da ist die Ausbeute alles andere als gut. „Es ist schwer, eine harmonische Gesamtbetrachtung vorzunehmen“, findet daher Finanzboss Hellmann. „Sportlich sind wir im Saldo.“

In jedem Fall hat sich die Mannschaft nach einer Krise und einem rapiden Stimmungsabfall vor einigen Wochen zusammengesetzt, sich selbst eingeschworen und beschlossen, die Saison nicht austrudeln zu lassen. Das hat geklappt. Seitdem hat das Team noch mal sieben Punkte aus drei Spielen geholt und für einen versöhnlichen Abschluss gesorgt. Und doch sollte dieses Finale nicht darüber hinwegtäuschen, dass über sehr lange Zeit sehr viel im Argen lag und die Darbietungen von einer frappierenden spielerischen Armut geprägt waren. In der Nachbetrachtung sollte man keine Augenwischerei betreiben, sondern die Saison sauber, ehrlich und schonungslos aufarbeiten. Dann muss man zu dem Schluss kommen, dass bei weitem nicht alles gut war, was nun völlig oberflächlich als gut dargestellt wird. Es stellt sich die Frage, was möglich gewesen wäre, wenn sich das Eintracht-Ensemble stetig auf ihre Tugenden besonnen und noch Hilfe von außen bekommen hätte, wenn das Zusammenspiel zwischen Trainer und Mannschaft harmonischer und offener gewesen und die Mannschaft nicht in einige Grüppchen zerfallen wäre.

Für Vorstand Hellmann ist der einstellige Tabellenplatz wichtig, gerade im Hinblick auf die Fernsehgeld-Tabelle, die die Eintracht derzeit auf Rang zwölf ausweist, ihr aber in der Fünf-Jahreswertung gute Chancen gibt, weiter nach oben zu klettern – zumal in diesem Ranking die Abstiegssaison 2010/2011 bald rausfällt.

„In der Fünf-Jahrestabelle haben wir jetzt eine gute Grundlage“, findet der Vorstand. Die Frankfurter werden in der neuen Spielzeit aus der TV-Ausschüttung 2,6 Millionen Euro mehr zur Verfügung haben. „Die Mannschaft hat zum ersten Mal ihren Teil der Leistung erbracht“, sagte Hellmann und spielte darauf an, dass Eintracht-Teams gegen Ende einer Spielzeit nie durch größtmöglichen Erfolgshunger bestachen, wenn es nicht dringend erforderlich war, noch Punkte zu holen. Die Eintracht ist auch Nutznießer eines bitteren Abgangs. „Wir sind Profiteure des Freiburger Abstiegs“, sagte Hellmann, der auf ein wirtschaftlich solides Jahr zurückblickt.

Der Verlust wird zwei Millionen Euro geringer ausfallen als befürchtet, nicht nur, aber auch, weil einige Gehälter aufgrund der langen Verletzungspausen nach der sechsten Woche nicht mehr gezahlt werden müssen.

Personell wird die Eintracht nachbessern, an Jonathan Schmid (Freiburg) war sie interessiert, doch er tendiert nach Hoffenheim. Und auch an Reinhold Yabo (KSC) soll Interesse bestehen. Der Fokus soll auf Spielern wie Stefan Aigner liegen, der nach seiner Auswechslung gegen Leverkusen mit im Stehen dargebrachten Ovationen bedacht wurde. Das war ein Gänsehaut-Moment für Aigner, den er sich aufgrund seiner Spielweise verdient hat. „Er ist unermüdlich, er wirft sich immer voll rein. Die Menschen haben dafür ein tolles Gespür“, sagte Hellmann. „Von dieser Sorte wünsche ich mir noch zwei, drei Spieler.“

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