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Im kritischen Dialog: Sportdirektor Bruno Hübner, Marco Russ.

Eintracht Frankfurt

Hübner greift ein

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    Ingo Durstewitz
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Nelson Valdez kann endlich wieder Fußball spielen und Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner nimmt sich Marco Russ zur Brust.

So sieht also ein glücklicher Mensch aus. So wie Nelson Valdez. Noch am Tag danach bekam der Paraguayer das Grinsen nicht aus dem Gesicht. Am Tag danach, scherzte er, „tut mir alles weh, nur das Knie nicht.“

Nelson Valdez, zu Beginn dieser Saison von Olympiakos Piräus, wohin er von Al-Jazira ausgeliehen war, zu Eintracht Frankfurt gekommen, hatte endlich wieder Fußball spielen können. Das erste Mal seit dem 30. August des vergangenen Jahres, da war ihm in einem Zweikampf im Spiel gegen den VfL Wolfsburg das Kreuzband gerissen. Und jetzt ging es zwar nur gegen die zweite Garnitur des Zweitligisten FSV Frankfurt, es war ein internes Testspiel ohne Zuschauer, aber für Nelson Valdez war es „ein wunderbares Gefühl, auf dem Rasen zu stehen.“ Und wenn auch nur für eine Halbzeit. Dazu war Valdez in diesem Testspiel (1:2) Kapitän. „Das ist eine besondere Ehre für mich, das trage ich tief in meinem Herzen“, sagte er mit Pathos in der Stimme. Es war das allererste Mal, das er die Spielführerbinde trug, ohnehin war es erst sein viertes Spiel für Eintracht Frankfurt. Der 31 Jahre alte Südamerikaner spielte im Sturm, so wie es sich gehört, er spielte neben Sonny Kittel, auch das könnte ein Fingerzeig für die Partie am Samstag gegen den Hamburger SV sein. Kittel wird wohl neben Alexander Meier stürmen.

Das wichtigste aber war, dass sein operiertes Knie gehalten hat. „Das Knie hat auf die Belastungen sehr gut reagiert“, sagte er, und das bedeutet: Es hat nicht reagiert. Natürlich brennt der Offensivspieler auf einen Einsatz in der Bundesliga, am liebsten schon gegen den HSV, er sei „ein sehr ehrgeiziger Mensch“, und ein paar Minuten am Samstag würden ihn „für sechs Monate Schufterei belohnen“. Und aus seiner Sicht käme ein Einsatz auch keinesfalls zu früh, alle Tests hätten ergeben, dass das Knie stabil und bereit sei. „Es wäre schön“, sagte Valdez, „am Samstag dabei zu sein.“ Andererseits trug er in der vergangenen Trainingswoche noch ein blaues Leibchen, das bedeutete, er durfte von seinen Mitspielern nicht attackiert werden. Aber ein Platz im Kader ist, angesichts der personellen Lage, durchaus denkbar. Trainer Thomas Schaaf wollte sich dazu noch nicht konkret äußern, er wolle die Woche abwarten und dann sehen. Insgesamt aber sehe es gut aus.

Sportdirektor Bruno Hübner ist noch ein bisschen skeptisch, was die Leistungsfähigkeit des 31-Jährigen angeht. Man habe beim Testspiel gesehen, dass er „lange Zeit nicht gespielt hat“. Man müsse abwarten, „ob er für das Wochenende schon eine Alternative ist“.

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Es war aber kein reiner Zufall, dass der Sportdirektor am Mittwochmorgen beim Training der Profis weilte. Es ist nach der Mainz-Pleite allerlei ins Rutschen gekommen, die Nerven waren angespannt. Im Grunde findet der Sportdirektor gut, dass „da mehr Bewegung reinkommt und dass man nicht einfach nahtlos über dieses Spiel hinweggeht“. Dazu sind zu viele grundsätzliche Dinge schiefgelaufen, es drohte, einiges aus dem Ruder zu laufen. Deshalb ist Hübner nach dem Spiel laut geworden. Und für seine Schiedsrichter-Schelte hat der DFB-Kontrollausschuss, der Ermittlungen aufgenommen hat, ja auch eine Stellungnahme des 54-Jährigen angefordert. „Das mache ich in aller Ruhe“, sagte Hübner . Bis nächste Woche muss seine Sicht der Dinge schriftlich beim Nachbarn DFB vorliegen.

Bruno Hübner hat sich gestern nach dem Training Marco Russ zur Seite genommen und offenbar ein paar Dinge klargestellt. Der Defensivspieler hatte nach dem Mainz-Spiel öffentlich den Kollegen Carlos Zambrano kritisiert. „Wir wissen ja, dass Carlos immer an der Grenze zum überharten Spiel steht. Er muss das in den Griff bekommen, damit er uns nicht jede Woche schadet“, hatte Russ genörgelt. Und es war nicht das erste Mal, dass er Mitspieler anprangerte. Solch öffentliche Kritik an Mitspielern wird selten gerne gesehen und Hübner dürfte seinen Verteidiger eindringlich darauf hingewiesen haben, dass er mit diesen Äußerungen über das Ziel hinausgeschossen ist. Zumal ja auch ein Marco Russ zuletzt nicht nur fehlerlos spielte.

Richtungsweisende Spiele

Natürlich erwartet Hübner, erwartet auch Schaaf mindestens eine Trotzreaktion von der Mannschaft. „Wir haben jetzt wieder vier richtungsweisende Spiele vor der Brust“, sagt der Sportdirektor, den Hamburger SV (H), 1. FC Köln (A), SC Paderborn (H) und der VfB Stuttgart (A) – alles Teams, die sich in der Tabelle hinter Eintracht Frankfurt eingereiht haben, alles Teams, die nicht unschlagbar sind, aber genau gegen Teams solchen Kalibers haben die Hessen zuletzt gepatzt. Warum das so ist, darüber rätselt man in Frankfurt genauso.

„Wir müssen“, sagte Bastian Oczipka, „an die Leistung vom Schalke-Spiel anknüpfen“. Mit dem Linksverteidiger ist sich Hübner wegen einer Vertragsverlängerung noch lange nicht einig, die Vorschläge liegen weit auseinander. Oczipka hat den Berater gewechselt,und „der ist noch ein bisschen neu im Geschäft“, sagte Hübner. „Wir müssen erst ein Vertrauensverhältnis aufbauen.“ Die Gelb-Rote Karte für Carlos Zambrano übrigens hat nichts an der Frankfurter Wertschätzung für den Peruaner geändert. Dass Zambrano am Montag in Mailand war, zum Essen mit einem Freund, sieht Hübner gelassen. „Er hat das bei uns angemeldet.“

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