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Fliegt bald unterm Bayer-Kreuz: Eintracht-Torwart Lukas Hradecky wechselt nach Leverkusen.

Eintracht Frankfurt

Hradecky wird zum Großverdiener

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Eintracht-Keeper bindet sich langfristig an Leverkusen und hat bis an sein Lebensende ausgesorgt.

Das epochale Ereignis von Berlin hatte für Lukas Hradecky etwas Magisches. Der Frankfurter Torwächter war nach dem historischen Pokaltriumph der Eintracht sichtlich bewegt und angefasst, auch gerührt, er verspürte eine tiefe innere Ruhe und große Dankbarkeit, und irgendwie hatte er das Gefühl, dass sich ein Kreis geschlossen hatte. Zeit, zu gehen. Mit dem ersten Titel seit 30 Jahren, mit diesem Meisterstück für die Ewigkeit, das die Helden von Berlin für immer miteinander verbinden wird. „Es war mir eine Ehre“, sagte der 28-Jährige. „Ich bin stolz, dass ich für diesen Verein spielen durfte.“ Auf dem Römerberg verneigte er sich aufrichtig vor den ausflippenden Fans.

Vier Tage später ist seine berufliche Zukunft auch offiziell geklärt, der finnische Nationaltorwart hat beim Ligakonkurrenten Bayer Leverkusen einen langfristigen Vertrag bis 2023 unterschrieben. Hradecky wird fürstlich entlohnt, jährlich 5,5 Millionen Euro einstreichen, das Gesamtpaket hat einen Wert von rund 30 Millionen Euro.

Der Schlussmann steigt damit in die Phalanx der Topverdiener auf. Der Skandinavier mit slowakischen Wurzeln hat mit diesem Vertrag im Grunde ausgesorgt bis an sein Lebensende. Bayer Leverkusen muss für den Torhüter keine Ablösesumme bezahlen, da sein Kontrakt mit der Eintracht ausläuft. Auch das ist für den Spieler ein Vorteil: In solchen Fällen ist nicht selten mit einer üppigen Einmalzahlung zu rechnen.

Eine Überraschung ist der Wechsel nicht mehr, die Spatzen hatten es schon lange von den Dächern gepfiffen. „Wir sind sehr froh, uns mit einem herausragenden Torwart verstärkt zu haben. Lukas Hradecky ist ein ausgezeichneter Bundesligaschlussmann, verfügt als Nationalspieler auch international über große Erfahrung und hatte in Frankfurt den Status eines absoluten Führungsspielers. Seine Qualitäten hat er zuletzt beim Pokalsieg eindrucksvoll unter Beweis gestellt“, sagte der Leverkusener Sportdirektor Rudi Völler.

Der Transfer, der schon längerer Zeit unter Dach und Fach ist, bedeutet wohl auch, dass die bisherige Nummer eins der Werkself, Bernd Leno, den Verein verlassen wird. Der Nationaltorwart hat in seinem Arbeitspapier eine Ausstiegsklausel verankert, die es ihm erlaubt, für eine festgeschriebene Ablösesumme von etwas mehr als 20 Millionen Euro dem Klub den Rücken zu kehren. Als potenzielle neue Arbeitgeber gelten der englische Topklub FC Arsenal und der Europa-League-Sieger Atletico Madrid.

Finanziell durch die Decke

Der bisherige Frankfurter Keeper ist froh, dass nun auch öffentlich endlich Klarheit herrscht und das Versteckspiel vorüber ist. „Das ist ein wichtiger Schritt in meiner Karriere. Bayer ist ein Aushängeschild der Bundesliga, die Mannschaft spielt schönen, offensiven Fußball und ist Stammgast im Europapokal“, sagte er. „Auf diesem Niveau möchte ich mich weiterentwickeln und ich bin sicher, dass wir mit Leverkusen in den kommenden Jahren einiges erreichen können.“

Dass er die Eintracht verlassen würde, war ohnehin schon längere Zeit klar, fast ein Jahr sogar – obwohl sich die Hessen finanziell bis an die Decke gestreckt hatten und in ihrem letzten Vertragsangebot ein Gehalt von etwas mehr als drei Millionen Euro im Jahr boten. Zu wenig. Die Hradecky-Partei um Papa Vlado, gleichzeitig sein Berater, lehnte ab.

Der Vater hatte ganz andere Summen im Kopf, die Forderung belief sich auf 4,5 Millionen Euro. Es ist kein Geheimnis mehr, dass zusätzlich noch andere Bonuszahlungen eingepreist werden sollten, also Extrageld für besondere Leistungen wie gehaltene Elfmeter oder Spiele ohne Gegentor. In Leverkusen verdient er nun wie ein Krösus.

Hradecky, ein integrer, offener, fröhlicher und kluger Mann, musste auch vorher nicht am Hungertuch nagen, aber für Bundesligaverhältnisse sackte er nicht übermäßig viel Geld ein, etwa 800 000 Euro (exklusive Prämien) per annum. Zum Vergleich: In der höchsten deutschen Spielklasse liegt das Durchschnittsgehalt bei rund zwei Millionen Euro. In dem Maß, in dem er diese Marke unterschritt, hat er sie nun übertroffen.

Der Finne, das muss man erwähnen, verhielt sich in Frankfurt immer tadellos, auch als klar war, dass er die Eintracht verlassen würde. Er war auch in dieser Saison der Rückhalt seines Teams, über die drei Jahre hinweg hat er kaum einen Fehler gemacht, seinen gravierendsten natürlich am Ostersonntag in Bremen, als er einen Mondball durch die Finger und ins Tor rutschen ließ. Dieser Fauxpas, der eine vermeidbare Niederlage besiegelte, hatte ihn noch einige Tage beschäftigt, daran hatte der lebenslustige Saunafan und passionierte Biertrinker zu knabbern.

Für Hradecky, der in drei Jahren 116 Pflichtspiele absolvierte, nur ein einziges verpasste und 33-mal eine weiße Weste bewahrte, war es wichtig, sich vernünftig verabschieden zu können, weil ihm die Eintracht ans Herz gewachsen war. Er hat sich in seiner schönen Wohnung am Mainufer pudelwohl gefühlt.

Wolf verdient noch mehr

Mit dem großen Triumph über die Bayern hat er sich in Frankfurt verewigt, die Fans, die durch die Hängepartie zeitweise genervt von ihrem Ballfänger waren, nehmen ihm den Weggang nicht mehr krumm, eine Chance wie diese mit diesen Verdienstmöglichkeiten musste er wohl einfach nutzen.

Als Nachfolger hatte die Eintracht bereits vor einigen Wochen den Dänen Frederik Rönnow von Bröndby IF unter Vertrag genommen, der Nationaltorwart kostet 2,5 Millionen Euro Ablöse – so viel zahlten die Hessen 2015 auch für Hradecky, der damals völlig unbekannt war und sich in Frankfurt einen Namen gemacht hat.

Hradecky wird nicht der einzige Abgang bleiben, Marius Wolfs Wechsel zu Borussia Dortmund nimmt konkretere Formen an und könnte bald über die Bühne gehen. Wolf, der sich ja gleich den DFB-Pokal aufs Schienbein tätowieren ließ, soll beim Champions-League-Teilnehmer BVB jährlich sogar noch weit mehr verdienen als sein Mannschaftskollege, mit dem er gemeinsam den Pott nach Frankfurt holte.

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