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Der Hoffnungsträger

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Von: Thomas Kilchenstein

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Wird sehnsüchtig zurück erwartet: Marco Fabian.
Wird sehnsüchtig zurück erwartet: Marco Fabian. © Hübner

Der mexikanische Spielgestalter Marco Fabian könnte schon zum Spiel gegen den Hamburger SV wieder ins Eintracht-Team zurückkehren. Der 27- jährige laboriert seit knapp sieben Wochen an einem eingeklemmten Ischiasnerv.

Als wäre Eintracht Frankfurt derzeit personell nicht schon gebeutelt genug, grassiert in dieser Woche im Mannschaftskreis auch noch ein Magen-Darm-Virus. Michael Hector und Timothy Chandler, die beiden Verteidiger, hat es schon erwischt, auch Alex Meier fühlt sich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. 14 Spieler seien einsatzfähig, Stand jetzt, teilte Eintracht-Sprecher Jan Strasheim am Mittwochmittag mit. Ohnehin fallen für die Partie am Samstag beim gerade so richtig in Schwung kommenden Meister FC Bayern München weiterhin zehn Eintracht-Spieler gesperrt oder verletzt aus. Und jetzt also auch noch das Magen-Darm-Virus.

Da trifft es sich, dass ein Profi bald zurückkommen wird, der Eintracht Frankfurt so sehr fehlt: Marco Fabian. Das Bayern-Spiel, so sagte der Hoffnungsträger am Mittwoch, komme zwar noch zu früh, doch für das nächste Heimspiel in zehn Tagen gegen den Hamburger SV sei er guten Mutes. „Da ist ein Einsatz denkbar.“ Fabian würde damit deutlich früher zurückkommen als ursprünglich gedacht. Eigentlich hatte Trainer Niko Kovac mit dem 27-Jährigen erst für die Partie nach der Länderspielpause Ende März gerechnet. Ihm dürfte das nur recht sein.

Marco Fabian, der fast sieben Wochen wegen anhaltender Rückenprobleme ausgefallen war, hat in dieser Woche bereits eingeschränkt mit der Mannschaft trainieren können, heute und morgen übe er noch einmal individuell, aber in der nächsten Woche wolle er komplett ins Mannschaftstraining einsteigen. Beschwerden hat er keine mehr, „von Tag zu Tag geht es mir besser, ich fühle mich fit“. Der Mexikaner laborierte lange Zeit an einem eingeklemmten Ischiasnerv. Er habe ein Hohlkreuz, erklärte er, und da hätten Platten auf den Ischiasnerv gedrückt. Die Schmerzen hätten bis ins Bein abgestrahlt.

Schon seit drei Monaten hatte er immer mal wieder Beschwerden im Rücken verspürt, die Schmerzen aber waren erträglich, weshalb er zum einen weiterspielen und sogar das komplette Trainingslager in Abu Dhabi absolvieren konnte. Erst danach habe sich das Leiden verstärkt. Fabian konsultierte mehrere Ärzte in Frankfurt, Berlin, München und auch Madrid, wo er sich bei der medizinischen Abteilung von Real behandeln ließ. Dies hatte ihm sein alter Freund Chicharito von Bayer Leverkusen empfohlen. Eine Spritzenkur hat ihm nach „einer langen und schweren Zeit“ jetzt Linderung verschafft; dennoch muss er weiter regelmäßig Dehnübungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur machen.

In Frankfurt sehnen sie derweil seine Rückkehr herbei. Marco Fabian hat sich in der Hinrunde fast unersetzlich gemacht bei Eintracht Frankfurt, der unerwartete Höhenflug der Hessen hat ursächlich mit dem Aufblühen des Manns aus Guadalajara zu tun. Er selbst habe sich „in persönlicher Bestform“ befunden. Wie sehr der 27-Jährige den Frankfurtern fehlt, zeigt ein Blick in die Statistik. Mit Fabian, der nur in 13 Begegnungen am Ball war, holte die Eintracht 25 Zähler, ohne ihn in zehn Spielen lediglich zehn; sie kam nur auf sechs Treffer. Fabian erzielte drei Tore, bereitete vier weitere vor und gab siebenmal den vorletzten Pass. Der Spielgestalter war also an 14 von 20 Eintracht-Toren direkt beteiligt.

Zuletzt fehlte dem Frankfurter Spiel die Kreativität des Mexikaners. Er ist es, der mit einer Finte, einem klugen Pass eine neue Spielsituation kreieren kann, er kann das starre Frankfurter Spiel mit einer Idee aufbrechen. „Ich kann meiner Mannschaft Impulse geben“, sagt er selbst, mit ihm dürfte die Eintracht zudem torgefährlicher werden. Fabian ist einer, der den Torabschluss sucht. Und, sagt er lachend, „ich schieße auch den nächsten Elfmeter“. Tatsächlich kann die Eintracht auch da Fabians Hilfe gebrachen. „Marco ist einer, der Lücken reißt, gute Pässe spielt und uns in der Offensive hilft“, findet Alex Meier.

Fabian, ein höflicher, aufgeweckter Mann, empfindet es selbst als „schieren Zufall“, dass die Krise der Eintracht mit seiner Abwesenheit zusammenfällt. „Kein Spieler ist unersetzlich“, sagt er. Trotzdem sei es ihm sehr schwergefallen, machtlos zusehen zu müssen, wie sein Team zuletzt vier Spiele am Stück verloren habe. Er brennt darauf, der Mannschaft wieder zu helfen. Auf dem Spielfeld und auch daneben. Denn Marco Fabian ist ebenfalls einer, der mit seiner guten Laune für Stimmung in der Kabine sorgt. „Mir fällt es nicht schwer, die anderen zum Lachen zu bringen. Vielleicht wurde das zuletzt auch ein bisschen vermisst.“

Die Entwicklung von Marco Fabian binnen eines Jahres ist schon frappierend. Als er kam, im Winter 2016, hatte er anfangs Schwierigkeiten. „Ich musste mich erst an den Rhythmus gewöhnen“, erzählt er. Es dauerte eine Weile, ehe er „Fahrt im Bundesliga-Zug“ aufnehmen konnte. Aber selbst in der Anfangszeit, als er nur sporadisch zum Einsatz gekommen war, hat er sich voll und ganz mit Eintracht Frankfurt identifiziert. Inzwischen spricht er ganz ordentlich Deutsch, braucht nur bei schwierigen Fragen die Hilfe eines Dolmetschers. Er habe sich in Frankfurt, seiner allerersten Station in Europa, durchsetzen wollen. „Ich wusste, dass meine Zeit noch kommt“, sagt er. Ans Aufgeben dachte er nie, selbst als er regelmäßig nur auf der Ersatzbank saß, im Gegenteil: Er schloss sogar eine lebenslange Mitgliedschaft für 1899 Euro ab. Er sei „in der Bringschuld“, hatte er im FR-Interview gesagt. Die Eintracht habe ihm, dem 34-fachen Nationalspieler, die Möglichkeit gegeben, in der Bundesliga Fuß zu fassen. Das wisse er zu schätzen.

Für die Partie am Samstag in München sollte die Eintracht „clever und intelligent zur Werke gehen“, empfiehlt der ausgebremste Frankfurter Spielmacher. Im Hinspiel war er es, der den 2:2-Ausgleich besorgte. Und auch wenn derzeit kaum einer an das Niveau der Bayern heranreiche, so „sollten wir uns nicht schon vor dem Spiel mit negativen Gedanken befassen“. Jedes Spiel muss gespielt werden.

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