Martin Hinteregger von Eintracht Frankfurt.
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Martin Hinteregger von Eintracht Frankfurt gilt auf dem Transfermarkt als heiß begehrt.

„Hinti, komm’ zurück“

Eintracht Frankfurt blockt Millionen-Angebot aus England für Martin Hinteregger ab

  • Ingo Durstewitz
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Verteidiger Martin Hinteregger von Eintracht Frankfurt verschwendet keinen Gedanken daran, den Klub zu verlassen – vielmehr will er noch torgefährlicher werden.

  • Martin Hinteregger gilt auf dem Transfermarkt als heiß begehrt.
  • „Hinti“ aber möchte bei Eintracht Frankfurt bleiben.
  • Hintereggers Ziel für die neue Saison: Noch mehr Tore als bisher für die SGE erzielen.

Frankfurt – Mit den strengen Corona-Restriktionen ist Martin Hinteregger längst bestens vertraut, als Fußballprofi gehören verschärfte Verhaltensregeln und regelmäßige Testungen zum Alltag. Doch was der österreichische Verteidiger der Frankfurter Eintracht dieser Tage bei seinem Nationalteam erlebt, das übersteigt die Bundesliga-Dimensionen noch mal deutlich.

Im Quartier in Pörtschach am Wörther See, wo sich die besten österreichischen Fußballer (bis auf den allerbesten, David Alaba) getroffen haben, herrscht Ordnung. So ist ihnen untersagt, außerhalb des Trainings physischen Kontakt zu irgendeinem menschlichen Wesen zu haben, die Aha-Regeln sind penibel genau einzuhalten, eine Maske muss auch auf den Hotelfluren getragen werden. Zudem werden die Fußballer binnen neun Tagen fünfmal getestet und müssen täglich über ihren Gesundheitszustand und etwaige Zusammenkünfte (die ja eigentlich verboten sind) Buch führen. Sapperlot.

Martin Hinteregger von Eintracht Frankfurt braucht immer Anlauf

Zumal Martin Hinteregger dafür bekannt ist, etwas zäh aus den Startlöchern zu kommen. Er braucht eine gewisse Zeit, ehe er auf Betriebstemperatur ist und sich auf den Spielbetrieb eingestellt hat. Das war im letzten Testspiel der Eintracht gegen Ajax Amsterdam (1:2) zu beobachten, als der Verteidiger gegen die – zugegebenermaßen – sehr flinken und technisch versierten Angreifer um Orientierung bemüht war. Hinteregger braucht die Spannung und den Druck, um über sich hinauszuwachsen.

Hinteregger, in einer knappen Woche 28 Jahre alt, freut sich dennoch, nach 286 Tagen Pause mal wieder im Kreise des ÖFB-Auswahl zu sein, das ist eine schöne Abwechslung von der Vorbereitung, die dieses Mal kürzer ist als sonst und nun sogar von zwei Länderspielen unterbrochen wird. Das gab es noch nie. Die Partien in der Nations League am Freitag in Norwegen und am Montag gegen Rumänien sind ja auch im Hinblick auf die bald beginnende Bundesligasaison nicht verkehrt, Spielpraxis hilft, um in den Rhythmus zu kommen und in den Wettkampfmodus zu schalten.

Eintracht Frankfurt: Hinteregger möchte Torquote ausbauen

Er selbst glaubt zu wissen, noch nicht bei 100 Prozent zu sein. „Körperlich kann ich noch zulegen.“ Doch in der Vorbereitung sei das nichts Ungewöhnliches, „das ist bei mir immer so.“ Der 45-fache Nationalspieler hat sich eine Menge vorgenommen für die neue Spielzeit, er ist extrem motiviert, hat sich hohe Ziele gesetzt. Auch persönlich. Seine imposante Torbilanz (acht Bundesligatreffer) will er am liebsten noch ausbauen. „Das ist ein wichtiges Thema für mich, ich will da anschließen, wo ich aufgehört habe.“

Trainer Adi Hütter wird es gerne hören, er hält den eigenwilligen Profi, der Ziehharmonika spielt und einen Pilotenschein hat, für einen der besten Innenverteidiger der Bundesliga, in seinen Augen könne Hinti, wie er gerufen wird, ein Dauergast in der Champions League sein. Der Kärtner bringt in der Tat viel mit, er ist schnell, kopfball- und zweikampfstark, er hat, wenn er will, eine gute Spieleröffnung, kann den Ball flach, scharf und vertikal durchs Mittelfeld spielen. In anderen Fällen, und wenn er nicht weiter weiß, wählt er gerne mal die Langholz-Variante.

Hinti am Boden? Kann nicht sein.

Und, natürlich: Er hat einen Torriecher, einen ausgeprägten Offensivgeist, seine Ausflüge nach vorne haben Torwart Kevin Trapp nicht selten zur Weißglut getrieben. „Hinti, komm‘ zurück“ war im wahrsten Sinne des Wortes der „Brüller“ der Geisterspiele nach dem Re-Start. Hinteregger fühlt sich in Frankfurt pudelwohl, er ist anerkannt, beliebt, Publikumsliebling und irgendwie Kult („Hinti-Army“). Er braucht dieses Vertrauen, um Leistung zu bringen.

Eintracht Frankfurt: 20 Millionen für Hinteregger? Nicht genug

Keinen Gedanken hat er daher daran verschwendet, den Verein zu verlassen. Auch ein konstruierter Wechselwunsch entpuppte sich als Luftnummer: Das von ihm bis vor kurzem bewohnte Haus in Niederrad tauchte nur deshalb in einem Immobilien-Portal auf, weil Hinteregger zu seiner Freundin nach Mittelhessen gezogen ist.

Dabei blieben seine oft bärenstarken Leistungen nicht unbemerkt, es gab Anfragen für ihn: 20 Millionen Euro hat ein Klub von der Insel (nicht Southampton) in Aussicht gestellt, doch Hütter winkte ab. Das zeigt die Wertschätzung für den Spieler. Denn das Geld könnte die Eintracht gut gebrauchen.

Hinteregger wird in der neuen Spielzeit mehr Verantwortung übernehmen müssen. Denn längst hat er gemerkt, dass ein Hierarchie-Vakuum herrscht. „Wir haben sehr wichtige Spieler verloren, Spieler, die für die Kabine extrem wichtig waren“, sagt er und denkt an Marco Russ, Jonathan de Guzman und gerade Gelson Fernandes. „Gelson war der wichtigste Spieler – auf dem Platz und außerhalb des Platzes. Das tut schon weh.“ Vielleicht muss da Hinteregger, der etwas andere Fußballprofi, in die Bresche springen. (Ingo Durstewitz)

Mittlerweile steht fest, gegen wen es für die SGE im Pokal geht. Eintracht Frankfurt trifft im DFB-Pokal auf den TSV 1860 München.

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